Integriertes Lernen – Effektivität und Flexibilität durch neue Lernmethoden

Ein hervorragendes Beispiel für zukünftige Lernmethoden habe ich bei der Corporate Learning Alliance gefunden. Die RWE hat für ihre Elektriker und Automatisierungstechniker ein neues Bildungskonzept entwickelt. In diesem Konzept geht es um ein Blended-Learning Szenario – eine Lernform, bei der die Vorteile von Präsenztraining und E-Learning kombiniert werden – mit dem Ziel, für Problemsituationen, die selten eintreten, das entsprechende Wissen abrufbereit zu haben. Diese Situation – es kommt selten vor, soll aber funktionieren – kennen viele Mitarbeiter auch in anderen Unternehmen.

Der Altersdurchschnitt ist hoch, deswegen sind die Handwerker nicht automatisch alle fit, was den Umgang mit einem Tablet betrifft. Nicht alle verfügen über eine eigene dienstliche Mailadresse, so dass es am Anfang einige Hürden zu überwinden gilt, um die Voraussetzungen zu schaffen. All dies bewältigen die Lernenden im Laufe des Lerntrainings selbst. Auch die Vorgesetzten sind involviert, denn diese müssen in einer kurzen Videobotschaft erklären, warum der Mitarbeiter an diesem Lernkurs teilnehmen soll. Der Mitarbeiter sieht diese Botschaft seines Vorgesetzten ebenfalls.

Fachübergreifend lernen

Die teilnehmenden Handwerker werden während des Lernseminars gleich zu Anfang insofern gefordert, dass sie Fachfragen erhalten, die sie nicht selbst beantworten können. Sie suchen sich Kollegen im Betrieb, die ihnen die Fragen beantworten können. Diese Lernmethode bildet eine gute Basis, um in kritischen Situationen schnell zu wissen, welche Kollegen weiterhelfen können. Die Vorbereitungsphase des Lerntrainings mit verschiedenen Aufgaben erfolgt über einen Zeitraum von 4 Wochen online.

Ist diese Vorbereitung erfolgreich absolviert, geht es zum Präsenztraining von 4 Tagen. Hier tun sich jeweils 2 Teilnehmer zu einem Lerntandem zusammen, um ihre Erkenntnisse in einem Wiki zu dokumentieren. Danach folgt die Transferphase des Lerntrainings, auch diese geht über 4 Wochen.

Ein Lerntraining in dem Handlungs-Kompetenz bewiesen werden muss!

Das eigentlich Spannende kommt jetzt: Jeder Teilnehmer hat sich vor dem Lerntraining einen Mentor gesucht. Dieser muss nach dem gesamten Lernseminar bestätigen, dass das Gelernte auch angewendet werden kann. Dass aus Wissen Können geworden ist. Erst dann erhält der Teilnehmer sein Zertifikat für die erfolgreiche Absolvierung des Lernseminars.

Dieser Transfergedanke ist so einfach wie genial, weil er so sinnvoll ist. Ausserdem stärkt er die Lernmotivation und den Lernerfolg der Teilnehmer. Ein Riesenunterschied zu dem, was häufig nach Seminaren passiert, nicht passiert und versandet.
Ein spannender Impuls, den ich gerne als Inspiration für meine Lernseminare nutze. Sei es in meinen Seminaren für selbstgesteuertes Lernen im Beruf oder auch in meinen Lernseminaren für Weiterbilder.

Zwei bemerkenswerte Faktoren: Dauer und Erfolgsbestätigung

Dieses Weiterbildungskonzept lässt sich gut auf andere Bereiche übertragen. Ich höre es so oft: wie erinnere ich mich an Vorgänge, die selten vorkommen, bei denen das Wissen aber schnell parat sein muss?

Hier, beim Konzept von RWE, wird durch die Dauer des Lerntrainings eine so gute Vernetzung im Langzeitgedächtnis angelegt, dass die Vorgänge bei Bedarf viel schneller und sicherer abgerufen werden können. Sicher, es braucht mehr Zeit. Aber wenn eine kritische Situation eintritt, kann das Gelernte schneller abgerufen werden. Das spart Nerven, Zeit und eine Menge Geld.

Das Konzept von Ralf Jauck, dem Initiator, wird von ihm selbst in diesem Video-Beitrag über Integriertes Lernen erklärt.

Im ersten Halbjahr bin ich auf mehreren Veranstaltungen unterwegs, von einigen werde ich auch berichten.

Sie können mich auf der Mitgliederversammlung des ddn am 20. April (Demographie-Netzwerk e.V.) in Stuttgart treffen.

Vom 26. bis zum 29. Mai findet zum zweiten Mal der Kongress „Reden reicht nicht“ in Heidelberg statt. Nachdem der erste Kongress in 2014 schon nach der Vorankündigung ausgebucht war (da stand noch gar kein Programm fest!) war klar, dass hier ein riesiges Interesse besteht. Reden – ob im Seminar, im Coaching oder in der Therapie – ist das eine. Aber es reicht eben oft nicht aus. Welche Techniken verbinden die Sprache mit den Emotionen und dem Körper? In diesem Jahr werden Beispiele und Erfahrungen aus dem Bereich Klopftechniken, PEP, Hypnosystemische Ansätze, EMDR und Embodiment vorgestellt. Neben Michael Bohne gehören Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle und Matthias Ohler zu den weiteren Initiatoren des Kongresses. In diesem Jahr geht es um die Frage: Was wirkt bei diesen Techniken?

Das Programm dazu erscheint in Kürze unter www.reden-reicht-nicht.de

Für mich ist es das große Highlight im ersten Halbjahr!

Zum 40jährigen Bestehen des GABAL e.V. finden am 4. und 5. Juni die Jubiläums-Impulstage in Seeheim-Jugenheim statt. Referenten sind zum Beispiel Dr. Jochen Robes (MOOCs) und Dr. Sylvia Löhken, die Expertin für Intros und Extros. Mehr Infos unter : www.gabal.de/impulstage/jubilaeums-impulstage-2016

Vielleicht sehen wir uns einer dieser Veranstaltungen? Gerne können Sie mich vorher kontaktieren und wir können uns auf einen Kaffee oder Tee treffen!