Eintausendvierhundertneunundsiebzig Teilnehmer im ersten Vortrag – so viele hätten real gar nicht in die Halle der LEARNTEC gepasst. Worum es ging? Wie sich das Lernen jetzt und in Zukunft verändert – das Thema, das viele Menschen umtreibt.

In diesem ersten Vortrag „Future Ways of Learning“ von Chris Böhler ging es zuerst einmal darum, dass Menschen wissen wollen, was auf sie zukommt. Das verständliche Bedürfnis. Menschen wollen sich sicher fühlen, sie wollen planen. Doch wie wir alle wissen, geht das nur sehr bedingt. Ergo geht es darum, neue Wege zu finden, um mit diesem Nicht-Wissen und der Unplanbarkeit klarzukommen.

Hinzu kommt, dass „Voraussagen über das Lernen eine Konstante haben: es geht immer um den Menschen. Und der“, so Böhler, „der verändert sich kaum.“ Das ist auf den ersten Blick nicht gerade sehr ermutigend, oder?

Zukunft braucht Veränderung, Entwicklung ist Veränderung

Ich fasse mal zusammen: Der Mensch verändert sich kaum. Das bezieht sich auf die Gehirnstrukturen und die Wege, wie wir etwas verarbeiten. Denn unser Gehirn arbeitet seit Jahrtausenden immer noch auf die gleiche Art und Weise. Veränderungen brauchen Energie. Das Gehirn wiederum ist ein super Energiesparer. Es fragt immer: ‚Lohnt sich der Aufwand? Bringt es was?’

Tatsache ist, Veränderung ist Teil unseres Alltag geworden. Vieles passt einfach nicht mehr. Veränderung könnte aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet werden: Wie werden wir zukunftsfähig? Da ist unser Gehirn eher bereit, Energie zu investieren.

Die Werkzeuge, die wir dazu brauchen sind diese Metakompetenzen

  • Lernen
  • Selbstorganisation
  • Fehlertoleranz

Mit E-Learning allein wird kein Mensch zukunftsfähig werden. Am besten klappt das, wenn Menschen beim Tun unterstützt werden. Lerner brauchen den Austausch und wir alle lernen am besten, indem wir aktiv sind. Die Herausforderung besteht mehr darin, mit den gigantischen Informationsmengen souverän umzugehen. Vieles ist zudem so komplex, dass es schwierig ist, das Relevante auszuwählen.

Denn was genau brauchen Sie als Lerner, um einen Zusammenhang zu verstehen oder um ein aktuelles Problem zu lösen? Lohnt sich der Aufwand überhaupt, wenn alles Wissen so schnell verfügbar ist?

Ein Lerner kann, so Böhler,  Anfänge setzen. Er kann an einer Stelle starten und dann weitergehen. Es muss nicht ‚alles‘ gelernt werden. Sondern es geht um eine gezielte Auswahl und eben den Beginn. Den ersten Schritt.

Wo haben Sie Ihre Metakompetenzen erlernt?

Was die meisten Lerner nicht gelernt haben, steckt in den Metakompetenzen. Diese werden in der Schule bisher nicht oder nur am Rand vermittelt. Heute sind sie die Voraussetzung, die Schlüsselkompetenz, um zu lernen. Ein paar Beispiele:

Die Selbstorganisation, etwa die Lernzeit einzuschätzen oder sich diese überhaupt einzuplanen. Muster in den Informationen erkennen (denn dazu ist unser Gehirn prädestiniert). Daraus Schlüsse ziehen und Hypothesen für die Zukunft herleiten. Schließlich der Transfer des Gelernten in die Arbeitsabläufe sichern (Checklisten, Notizen).

Das Schweizer Taschenmesser als agiles Lernwerkzeug

Für den agilen Lerner empfiehlt Böhler diese Werkzeuge (da stimme ich voll und ganz zu!).

  • In kleinen Häppchen lernen
  • Kontinuierlich anpassen und überprüfen
  • Lernen in Teams oder Tandems
  • Das Gelernte direkt anwenden
  • Das Nicht-Lernen praktizieren (ich kann nicht alles wissen oder können!)
  • Das Gelernte und den Weg dorthin reflektieren

All das wird hoffentlich bald selbstverständlich sein. Nur so können wir tatsächlich zukunftsfähig sein. Damit das gelingt, hat Böhler drei Vorschläge:

  1. Aufbau von eben diesen Metafähigkeiten in Kombination mit digitaler Kompetenz
  2. Wissen bereitstellen (Wikis, E-Learning, Datenbanken, Experten und Kollegen)
  3. Mut, etwas auszuprobieren und Fehler zu machen

Ohne den Willen können Sie es gleich vergessen

Bei all dem ist immer eins entscheidend: der Wille, zu lernen. Daraus folgt die Motivation, etwas aufzunehmen und es auszuprobieren und umzusetzen.

Lernen braucht neben der Motivation eine Anerkennung und Wertschätzung. Das bedeutet, das Lernen sichtbar zu machen, es zu teilen und so die Chance auf Feedback zu erhöhen.

Es steckt noch ein anderer Gedanke hinter dem Sichtbarmachen: wie kann ein Lernender Wege finden, um zu wissen, was er oder sie sich angeeignet hat? Denn in dem Moment des Sichtbarmachens wird klarer, was er oder sie verstanden hat und was – durch die Rückfragen anderer – noch unklar ist oder wo sich Wissenslücken auftun.

Abgerundet werden diese Metakompetenzen, so Böhler, mit einer Widerstandsfähigkeit im Sinne der Resilienz. Denn Veränderungen mit der sie verbundenen Unsicherheit oder Ungewissheit werden weiterhin oder sogar noch stärker Teil unseres Alltags sein. Das kann ich nur bestätigen und dick unterstreichen.

Mehr zu Chris Böhler finden Sie hier: rodenwerk.de

LEARNTEC xChange online 2021

Lernen und Digitalisierung

Ich war noch auf anderen Vorträgen, der rote Faden blieb. Lernen und Digitalisierung. „Digital qualifiziertes Personal“ war der Titel des Vortrags von Martin Attila (Fraunhofer) und Frau Dr. Iris Ulrich (Helmholtz). Ihr Vortrag war zuhöreraktiv und kurzweilig mit eingebundenen Fragen. Kurz zusammengefasst, wurde auch hier auf den Mangel an Kompetenzen im Umgang mit Herausforderungen digitaler Art eingegangen.

Aus Sicht der beiden Vortragenden besteht ein dringender Bedarf an

  • Kommunikation
  • Kooperation
  • Problemlösung und Präsentation
  • Analyse und Reflexion

Welche Kompetenzen braucht es? 6.000 Unternehmen haben geantwortet

Am letzten Tag der Learntec xChange stand die Hochschule im Fokus. Professor Dr. Ulf-Daniel Ehlers von der Dualen Hochschule Karlsruhe erläuterte, was den Studenten abgesehen von den fachlichen Inhalten vermittelt wird.

Sie sollen so selbstständig wie nur möglich werden. Natürlich darf auch hier die Selbstorganisation als die zentrale Kompetenz nicht fehlen. Die StudentInnen werden dabei unterstützt, die Zukunft für sich, im Unternehmen und in der Gesellschaft zu gestalten. Es reich bei weitem nicht mehr, Inhalte zu lernen und die im Berufsalltag anzuwenden. ‚Denn mit der Analyse des Gestern wissen wir nicht, wie wir morgen agieren werden.’

Das Ziel ist, die Studierenden dazu zu befähigen, nicht nur Probleme zu erkennen und diese zu lösen. Sondern Brüche und Knackpunkte im Unternehmen zu finden, die zu einem Problem führen können. Also eine Vorgehensweise, die zukunftsgerichtet und auf Innovationen aus ist. Diesen Denkansatz finde ich spannend. Wie kam es dazu?

Die Hochschule hat 6.000 Unternehmen befragt: welche Kompetenzen brauchen Mitarbeiter in der Zukunft? Natürlich stehen auch hier die digitalen Kompetenzen mit an erster Stelle. Aber nicht nur! Hier findet der rote Faden aus den bisherigen Vorträgen seine direkte Fortsetzung:

  • Selbstorganisation statt Vorgaben
  • Eine Kultur der Ermöglichung (z.B. in Lösungen denken)
  • Innovation und Weiterentwicklung

Die Studienergebnisse finden Sie hier: www.nextskills.org

Lebenslanges Lernen – was braucht es für Voraussetzungen?

Neben den Vorträgen gab es verschieden Round-Tables, einen möchte ich hier noch herausgreifen. Mitarbeiter für lebenslanges Lernen begeistern, eines meiner Herzensthemen.

Referent war Hermann Ladner, der drei Ansatzpunkte für lebenslanges Lernen zur Diskussion gestellt hat.

  • Der Mitarbeiter selbst
  • Die Führungskraft
  • Das Team

Natürlich wurde auch hier angesprochen, dass die Welt im Umbruch ist. Ohne Lernen geht es einfach nicht. Doch was ist, wenn es krass gesagt, zwei Einstellungen dazu gibt: „Lernen ist toll!“ Oder „Lernen ist doof, anstrengend und überhaupt bringt das nix.“ Wie ist es, wenn Mitarbeiter ‚gezwungen‘ werden, Unsinniges zu lernen? Wie ist es, wenn Mitarbeiter durch das Lernen neue Chancen für sich erkennen können?

Folgende Fragen wurden diskutiert, die gebe ich gleich mal an Sie als LeserIn weiter:

Woran erkennen Sie eine offene Lernkultur? 

  • Offenheit für Themen, die für die Mitarbeiter wichtig sind (klingt erst einmal banal, aber das Unternehmen oder die PE haben da durchaus andere Präferenzen)
  • Freude am Lernen fördern durch „Wahrgenommen werden“ – von Kollegen, aber auch von der Führungskraft

Worauf sollte sich die Personalentwicklung konzentrieren?

  • Lernzeiten vorgeben oder Lernzeiten ermöglichen?
  • Muss ein Ergebnis nachgewiesen werden? Und wenn ja, gegenüber wem?
  • Mitarbeiter bei der Klärung ihrer Inhalte begleiten oder unterstützen
  • Digitale Kompetenz fördern: ‚Spielwiesen‘ im Intranet anbieten (Tauschbörse, Mitfahrbörse – eine Idee aus einer anderen Austauschrunde war, den Speiseplan der Kantine immer wieder woanders im Intranet zu ‚verstecken‘. Dadurch konnte man sehen, wer so motiviert war, dass er oder sie den Speiseplan immer wieder gefunden hat – daraus kann sich auch wiederum ein Wettbewerb ergeben)
  • Es darf auch ohne gleich erkennbaren Nutzen für das Unternehmen sein
  • Niederschwellige Angebote zum Selberlernen anbieten
  • Learning Nuggets mit Kollegen zusammen
  • Das Probieren anerkennen
  • Neugierde fördern!

Es geht darum, den Mitarbeitern die Freiheit zu geben, so etwas zu testen, um die Hemmschwelle für andere Inhalte zu senken. Das ist die Basis zur Entfaltung von Potenzial. Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass Lernen auch ein gewisses Risiko beinhaltet. Es kann klappen oder es kann schiefgehen. Scheitern ist ein Teil des Lernens, es gehört dazu.

Wie Sie es drehen und wenden: Lernen gewinnt!

Mein Fazit aus der LEARNTEC xChange: Lernen wird aktiver und dadurch viel attraktiver! Der Lernende hat zwar mehr Verantwortung für sein Lernen, aber auch mehr Möglichkeiten, das so zu gestalten, wie es am besten passt. Und wie es so gelingt. Manche lernen lieber in kleinen Häppchen (und haben sonst auch gar keine Zeit dazu), andere nutzen lieber längere Zeiteinheiten.

  • Der Einstieg ins Lernen beginnt mit dem Blick auf das Ergebnis.
  • Was will ich können wollen?
  • Wie komme ich da hin?
  • Was brauche ich konkret dazu?
  •  Wer kann mich unterstützen?

Das Gelernte wird schließlich sichtbar gemacht – dadurch wird es geteilt.

Das agile Lernen baut ebenfalls auf diesen Prinzipien auf, bietet aber noch viel mehr. Lernen ist selbstorganisiert. Das ist kein Selbstläufer! Denn ein agiles Vorgehen braucht Struktur. Das Ziel mag sich beim Lernen verändern, trotzdem orientiert sich der Lernende an den Leitplanken. Und, ehe ich es vergesse, das Gelernte will angewendet werden. Der Transfer entscheidet über den Erfolg der Lern-Anstrengung. Schließlich braucht der Lernende Sinn und Bedeutung für die Inhalte, sonst lahmt die Motivation schon von Anfang an. Mit eigenen Zielen in Absprache mit der Führungskraft und dem Team ist das gut gewährleistet. Damit das Gehirn, unser wundervolles Lernorgan, dranbleibt und nicht aussteigt.

Damit weder Stress noch Überforderung eine Chance haben, ist eine solide Widerstandsfähigkeit eine enorme Hilfe. Das sehe ich in der Resilienz, die erlernbar ist. So schließt sich der Kreis zum ersten Vortag der LEARNTEC xChange.

Wenn ich Ihre Neugier zum Lernen geweckt habe und Sie mehr über das agile Lernen erfahren wollen, freue ich mich über eine Mail an info@margit-reinhardt.de.

Oder wir sehen uns auf der LEARNTEC vom 22.- 24. Juni 2021 in Karlsruhe, in der Hoffnung, dass sie stattfindet!

 

1. Warum Sie gerade jetzt mit dem agilen Lernen beginnen sollten

Wir alle haben in den letzten Monaten so viele Veränderungen erlebt wie selten zuvor. Manche kommen ganz gut damit klar, sie versuchen, das Beste daraus zu machen. Keine Frage, es ist nicht einfach. Deswegen will ich den Blick darauf lenken, wie es gelingen kann, im Strom der Veränderungen den Kopf souverän über dem Wasser zu halten. Indem Sie beweglich bleiben, agil eben.

Das gibt Ihnen die Chance, schnell zu  reagieren, ganz egal, was kommt. Im digitalen Wandel ist es unabdingbar, beweglich und flexibel zu sein. Klar, in manchen Situationen fällt das leichter, in anderen tut man sich schwerer damit.  Egal wie, es steht in einem direkten Zusammenhang mit Ihrer Lernfähigkeit. Genau die brauchen Sie, damit Veränderungen gelingen können. Auf das Lernen übertragen bedeutet das: je agiler und flexibler Sie sind, desto leichter und stressfreier wird es. Statt Frust erleben Sie mehr Erfolg und Zufriedenheit.

Ein Alltag ohne ein immer-wieder-dazulernen würde bedeuten, dass Sie stehenbleiben. Sie werden unflexibel, fühlen sich schneller überfordert und ja – irgendwann sind Sie abgehängt.

Der digitale Wandel kann nur gelingen, wenn Sie, Ihre Kollegen und Kolleginnen offen für Neues sind und eines tun: Lernen.

Lernen hat noch oft ein verstaubtes Image

Aber in manchen Köpfen ist die Vorstellung vom Lernen ziemlich verstaubt: Lernen ist anstrengend oder es ist mit Seminaren verbunden, die am Bedarf vorbeigehen. Oder es wird auf Vorrat gelernt. Ein Transfer in den Alltag findet kaum statt. Schlimmstenfalls ist Lernen sogar mit negativen Erfahrungen verbunden. Die reichen manchmal sogar bis in die Schulzeit zurück. Kein Wunder, dass manche Mitarbeiter lieber beim StatusQuo bleiben. In der Hoffnung, dass alles so bleibt, wie es ist. 

Es ist höchste Zeit, das zu verändern! Erst recht, wenn lebenslanges Lernen in allen Bereichen selbstverständlich ist und nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Denn mit dem, was Sie heute lernen, können Sie die Probleme, die morgen auftauchen, mit Sicherheit leichter lösen.

Checken Sie, was das konkret für Ihren Lernalltag bedeutet: 

    • Sind Sie grundsätzlich überzeugt, dass Sie lernfähig sind? 
    • Machen Sie sich Ihr Lernen bewusst oder lernen Sie einfach so drauflos?
    • Können Sie sich selbst gut motivieren und dranbleiben? 
    • Wissen Sie genau, in welchen Schritten Sie vorgehen wollen?
    • Gelingt Ihnen der Transfer in den Alltag? 

Das agile Lernen unterstützt Sie dabei, sich selbst zu helfen. Dadurch erhöht sich Ihre Selbstwirksamkeit – ein zentraler Resilienzfaktor. Sie können es leichter aushalten, wenn Sie sich unsicher fühlen – etwa, was die Zukunft bringt. Auf der anderen Seite werden Sie mutiger und probieren mehr aus. 

Veränderung und Lernen gehören zusammen wie Ying und Yang. Oder wie Zahnräder, die ineinandergreifen. Beide ergänzen sich und kommen so in Schwung.

Verabschieden Sie sich von Zertifikaten

Das ist zugegeben ein wenig provokativ. Aber mal ehrlich: was verspricht Ihnen ein Zertifikat oder das Bestehen einer Prüfung? Ich habe so viele Menschen erlebt, die verbissen auf Prüfungen gelernt haben. Und danach alles schnell vergessen haben. Das Gehirn hat wohl immer die Frage gestellt: „Wozu?“ Kein Wunder, dass am Ende eines Studiums oder einer Berufsausbildung das Lernen erst einmal ad acta gelegt wird. Was im Berufsalltag bleibt, sind Seminare. Oft Monate vorher geplant, gehen sie oft am konkreten Bedarf vorbei. Der Transfer spielt – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Ganz aktuell habe ich dazu einen Vortrag von Harald Schirmer gesehen: Keynote Lebenslanges Lernen Harald Schirmer

Agiles Lernen ist flexibel und leichter

Befreien Sie sich vom verstaubten Lernimage! Lernen verändert sich, endlich. Angesichts des Veränderungstempos bekommt es ein neues Gesicht. Machen Sie mit, denken Sie das Lernen neu! Werden Sie zum agilen Lerner!

Das agile Lernen orientiert sich immer am konkreten Bedarf: ‚‚Das kann ich jetzt gut gebrauchen und ich will es jetzt wissen!‘ Sie entscheiden mit, was Sie auf welche Art und Weise lernen werden und übernehmen damit die Verantwortung für den Lernprozess. Das ist erst einmal ungewohnt. Denn agiles Lernen ist selbstgesteuert, basiert auf mehr Austausch untereinander und unterscheidet sich dadurch grundsätzlich vom klassischen Lernen. Auch das will erst einmal gelernt werden, am besten durch Erfahrung! Die ersten Schritte dahin zeige ich Ihnen gleich. 

Einige Basics, die immer dazugehören

    • Sie entscheiden mit, was Sie wie lernen – Ihr Lernen ist individuell
    • Sie gestalten und planen Ihr Lernen selbstorganisiert
    • Sie tauschen sich gezielt und intensiv mit anderen Kollegen aus
    • Sie reflektieren Ihren Lernweg und lernen so von sich selbst

2. Wie Sie Ihre Lernkompetenzen Schritt für Schritt erweitern können

Wenn Sie von einer Sache begeistert sind, dann erzählen Sie es weiter, oder? Sie wollen Ihre Freude, die Motivation und die damit verbundene Energie teilen. Gelingt es Ihnen, das auch auf Ihr Lernen zu übertragen?

Viele erwachsene Lerner sind das gar nicht mehr gewohnt und tun sich entsprechend schwer. Dann wird einfach irgendwie gelernt und der Frust ist schon fast vorprogrammiert. Schnell wächst die Überzeugung, dass das Thema oder der Inhalt „einfach nichts für mich ist“. „Konnte ich noch nie und werde ich nie können!“ Das ist der Weg direkt in die Sackgasse.

Wenn Sie umgekehrt grundsätzlich überzeugt sind, dass Sie sich entwickeln und lernen können, werden Sie von Anfang an anders an die Themen herangehen. Mein Videotipp (gibt es auch als Buch)  hierzu ist das Interview mit Carol Dweck. Das agile Lernen lädt genau dazu ein, offen und neugierig Neues auszuprobieren.

Der Lerner wandelt sich vom Konsumenten zum Prosumenten

Der wahrscheinlich größte Unterschied zwischen den klassischen Lernen und dem agilen Lernen besteht in der Aktivität. Der Lernende ist kein Konsument von Inputs oder Vorträgen, der passiv das Gehörte oder Gesehene aufnimmt. Hierbei ist die Aktivität im Gehirn sowieso ziemlich gering. Die Verlockung, abzuschweifen, ist sehr groß.

Doch wenn der Lernende zum Prosument wird, ist die Aktivität beim Lernen hoch! Der Lernende weiß, dass er oder sie das Gelernte weitergeben und sich darüber austauschen wird. Im Team, an Kollegen oder an Freunde. Die Aufmerksamkeit ist fokussiert. Was ist wirklich wichtig und relevant? Was können meine Kollegen davon haben? Wie können wir das Gelernte im Arbeitsalltag ein- und umsetzen? 

Sehen Sie den Unterschied? Sie sind auf eine andere Weise aktiv. Dabei übernehmen Sie Verantwortung. In dem Augenblick, in dem Sie Ihre Learnings weitergeben, merken Sie sofort, was Sie verstanden haben und was noch nicht ganz klar ist. Das ist vollkommen in Ordnung. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das Tun. Gleichzeitig bleibt das Gelernte durch die Aktivität und den Austausch viel besser im Gedächtnis. Die Spuren im Gehirn sind viel tiefer und nachhaltiger. 

Sollten dennoch Fragen offen bleiben, übernimmt zum Beispiel ein Kollege das Thema und recherchiert weiter. Oder es tauchen ganz neue Fragen auf. Gemeinsam können Sie entscheiden, was aktuell weiter verfolgt und was hintenan gestellt werden kann. 

Das alles ist kein Selbstläufer. Ein agiles Lernen braucht grundlegende Kompetenzen. Vieles davon können Sie bestimmt schon. Wenn der Wille und die Motivation vorhanden sind – kein Problem. Wenn Sie wissen, wie Sie sich selbst helfen können, können Sie mit Unsicherheit und Komplexität besser umgehen. Vor allem landen Sie nicht in einer Opferhaltung, denn Lernen ist in dieser Haltung nicht möglich. Sie können Respekt haben vor dem, was kommt. Aber machen Sie sich nicht klein!

Ein agiler Lerncoach begegnet Ihnen auf Augenhöhe. Das Ziel ist, dass Sie fähig werden Ihr Lernen leichter und gelingender zu gestalten. Eine Zusammenarbeit startet mit einer Lernkompetenzanalyse. Auf dieser Basis können Sie Ihre Stärken einordnen und sehen, was Sie weiter ausbauen oder ergänzen möchten.

Agiles Lernen

3. So starten Sie ganz konkret ins agile Lernen am Arbeitsplatz

Am Anfang steht die Motivation, das Warum. Sie wollen lernen, für welches Ziel, für welchen Anlass? 

A. Planen Sie und starten Sie mit einem konkreten Anlass

Das kann etwas ganz Kleines sein: Sie wollen zum Beispiel die Möglichkeiten im Instant-Messenger Slack besser kennenlernen, weil dieser kürzlich in Ihrer Firma eingeführt wurde. 

Wenn es etwas Größeres ist: Sie wollen Spanisch lernen, um in Zukunft zumindest den Small-Talk mit einem Kunden in seiner Muttersprache zu führen. Dann überlegen Sie, was der erste kleine Schritt sein kann. 

Das Ziel darf herausfordernd sein, doch eine zu große Erwartung bremst Sie aus. Was ist realistisch und wo werden Sie es in naher Zukunft anwenden können? Was können Sie in den nächsten zwei Wochen erreichen?

B. Wann haben Sie überhaupt Zeit?

Entscheidend ist, dass Sie sich am besten regelmäßige Zeitfenster definieren, wann Sie sich damit beschäftigen wollen. Es können kleine Zeiteinheiten sein, etwa 15 oder 20 Minuten. So lange können Sie sich in der Regel gut konzentrieren. Legen Sie einen Startzeitpunkt fest, das macht es leichter, tatsächlich anzufangen. 

C.  Wie werden Sie lernen?

Bevor Sie loslegen: wie gehen Sie an Ihr Lernen ran? Wo bekommen Sie die Infos her – gibt es erklärende Videos zu Slack? Probieren Sie einfach mal weiter aus? Werden Sie alleine lernen oder haben Sie Verbündete, die ein ähnliches Ziel haben? Gibt es einen Kollegen oder eine Kollegin, die Spanisch spricht? Ein Lernprogramm oder wollen Sie einen Kurs buchen? 

D. Ausdauer entwickeln – irgendetwas kommt immer dazwischen

Sie wollten jeden Tag 15 Minuten lernen. Ups, jetzt ist schon die Hälfte der Woche rum und Sie sind kaum dazu gekommen. Aber dafür sind Sie x-mal abgelenkt worden. Wenn Sie ehrlich zu sich sind, waren manche Ablenkungen sogar willkommen. Vielleicht haben Sie gemerkt, dass Sie alleine doch nicht so gut vorankommen. 

Bei einem Meeting kommen Sie zufällig mit Kollegen ins Gespräch. Denen geht es mit dem neuen Messenger-Dienst genauso. Sie beschliessen, sich mit zwei der KollegInnen zusammenzutun. Die wollen das ja auch lernen! Sie verabreden sich in der Mittagspause am Ende der Woche, um sich gegenseitig zu berichten, was jetzt schon besser gelingt. Jetzt geht es viel leichter voran! 

E. Reflexion – Sind Sie auf dem Weg oder hat sich das Ziel geändert?

Ihre zwei bewussten Lernwochen sind vorbei. Das Ziel ist geblieben. Das ist nicht selbstverständlich. In unserer schnelllebigen Zeit ist es durchaus notwendig, das Ziel erneut anzupassen. Auch dazu dient die Reflexion. 

Jetzt überprüfen Sie, wie weit Sie gekommen sind. Sie denken noch einmal an die Ausgangslage, worüber Sie sich geärgert haben: ‚Das kann doch nicht so schwer sein, mit einem Messenger klarzukommen!‘ Das war Ihr Start und Ihre Motivation. Sie haben auch festgestellt, dass Sie es mit den Lernzeiten nicht so ernst genommen haben. Wenn Zeit da war, hat es geklappt. Wenn etwas dazwischen kam, haben Sie die Lernzeit nicht nachgeholt, sondern ‚vergessen’. 

Im Gespräch mit den Kollegen, die in derselben Situation sind, hat es dann gefunkt. Sie sind in Schwung gekommen, haben sich gegenseitig unterstützt und jetzt hat es sogar richtig Spass gemacht. Sie wussten, am Ende der Woche wollten Sie sich gegenseitig zeigen, was schon alles gut klappt. 

Es gab sogar noch ein Highlight, denn eine andere Kollegin hat das mitbekommen. Sie kennt sich schon super aus und hat Ihnen ihre Unterstützung angeboten. 

Sie wissen jetzt von sich, dass Ihnen eine Verbindlichkeit gut tut. Also Kollegen finden, die Ähnliches lernen wollen. Weiter nehmen Sie aus dieser Reflexion mit, Ihre Lernzeiten besser im Alltag zu verankern. Sie werden ausprobieren, gleich am Morgen damit zu starten. 

Das alles motiviert Sie, Ihren nächsten Lernsprint zu planen!

4. Mit welchen Alltagsbeobachtungen Sie sich selbst unterstützen können

Ändern Sie Gewohnheiten! Ein großer Teil Ihres Alltags besteht aus Routinen und Gewohnheiten. Gut so, denn aus Gehirnsicht spart das viel Energie. Theoretisch haben Sie so den Kopf frei. Auf der anderen Seite machen Sie es sich bequem. Das ist ein großes Lernhindernis. „Es passt doch alles so, warum sollte ich etwas verändern?“ Das habe ich schon so oft gehört! Gefolgt von der Frage: „Wie soll ich mich denn motivieren, etwas anders zu machen, wenn doch alles gut ist?“

Ihr Gehirn wird sich nur dann verändern und dadurch lernfreudiger werden, wenn Sie etwas anders machen als bisher. Das können Kleinigkeiten sein, denn die haben ein enormes Potenzial! Es ist so simpel: Wählen Sie mal einen anderen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen. Schon das bringt Sie aus der Routine und kann neue Blickwinkel ermöglichen. Kaufen Sie mal in einem anderen Laden ein. Klar, dauert das alles etwas länger. Das können Sie ja von vornherein einplanen. Gehen Sie auf Entdeckungsreise! Probieren Sie mal etwas aus, was Sie noch nicht kennen: Ob es Gerichte sind, eine ganz andere Zeitschrift oder eine ganz andere Abendgestaltung. Mehr dazu finden Sie hier: So verändern Sie Ihre Gewohnheiten

Das brauchen Sie nicht jeden Tag zu tun. Aber zwei- bis dreimal pro Woche macht es Sinn. Der große Vorteil ist, dass Sie in anderen neuen Situationen nicht mehr so überrascht sein werden. Sie können flexibler damit umgehen. Ihr Gehirn hat gelernt, leichter auf Neues zu reagieren. Mit der Zeit werden Sie offener für andere Sichtweisen. Es fällt Ihnen leichter, Ihre Komfortzone zu verlassen und Neues gezielt anzupacken. 

Womit werden Sie starten? 

5. Welche Fehler Sie vermeiden sollten und welche Fehler Sie weiterbringen

Sich auf Neues einzulassen birgt natürlich ein gewisses Risiko. Es passieren Fehler. Sie haben unter Umständen das Gefühl, gescheitert zu sein. Grundsätzlich gehören Fehler zum Lernen dazu. Denn der Fehler zeigt, wo es nicht lang geht. 

Doch es gibt auch Fehler, die Sie vermeiden können. Weil Sie unkonzentriert waren, mit den Gedanken woanders. Schon haben Sie eine Mail verschickt, die falsch adressiert war. Das ist dann wirklich dumm gelaufen und hätte nicht sein müssen. Wenn Sie aus Bequemlichkeit gehandelt haben und dabei ein Fehler passiert ist, dann bleibt Ihnen nur noch, zumindest dazu zu stehen. 

Die Fehler, die Ihnen passieren, weil Sie es nicht besser wissen konnten, die bringen Sie weiter. Auch wenn es zuerst richtig weh tut, weil Sie es verbockt haben. Wenn Sie jetzt reflektieren, was Sie daraus gelernt haben, dann hat sich der Fehler gelohnt. Ihr Gehirn hochaktiv: wie konnte das passieren? Was kann ich tun, damit mir das nicht noch einmal passiert? Wenn Sie jetzt die Situation analysieren, dann lernen Sie besonders intensiv und nachhaltig. 

Noch besser ist es, wenn Sie in einem Umfeld lernen, in dem Sie Fehler machen dürfen. Im Sinne von try and error. Wenn es so nicht funktioniert, dann suche ich mir eben einen anderen Weg.

In vielen Unternehmen ist die Fehlerakzeptanz erschreckend niedrig. Sie  werden nur intern in einem ganz kleinen Kreis besprochen. Wer Fehler macht, zeigt Unfähigkeit oder Schwäche, so der unausgesprochene Tenor. Niemand möchte sich blamieren und zugeben, dass ihm oder ihr ein Fehler unterlaufen ist. Damit wird die große Chance vertan, aus dem Fehler zu lernen und etwas zu verändern. 

Eine offene Fehlerkultur ist dann vorhanden, wenn Mitarbeiter wissen, dass Fehler in einer Organisation ebenso dazugehören wie in jedem Alltag. Bekannt ist die Untersuchung bei Airlines, als es in den 70er Jahren viele Unglücksfälle gab. Die meisten waren auf menschliches Versagen zurückzuführen. Nach der Analyse der Gespräche zwischen Pilot und Co-Pilot war eine Ursache gefunden. Es war die strenge Hierarchie zwischen Pilot und Crew. Der Pilot korrigierte zwar Fehlentscheidungen des Co-Piloten, aber umgekehrt fand dies nicht statt. Nach der Überzeugung: ein erfahrener Pilot macht keine Fehler, ein Co-Pilot schon. Das führte zu einem Umdenken, umgesetzt zum Beispiel mit dem Abbau der Hierarchien. Zusätzlich bekamen die Soft-Skills einen anderen Stellenwert, so die Kommunikation und das Führungsverhalten. 

Die Fehlerquote verringerte sich von vorher 70% auf schließlich 30%. 

In Bezug auf Fehler beim Lernen geht es also darum, wie konstruktiv Sie mit Fehlern umgehen. Damit Sie und andere was draus lernen. 

 

Das Wichtigste kurz auf den Punkt gebracht:

Agiles Lernen ist das Lernen der Zukunft. Denken Sie dran, dass jeder Mensch ein wenig anders lernt. Ein Lernen im gleichen Schritttempo wird nicht von Erfolg gekrönt sein. Starten Sie mit kleinen Schritten.

Denken Sie in den nächsten Tagen darüber nach, was sie jeden Tag dazugelernt haben. Diese Fragen können ein roter Faden sein:

    • Wie war Ihre Einstellung zu dem Thema?
    • Hat Ihr Lernen für Sie einen Nutzen gehabt?
    • Haben Sie sich vor dem Lernen Gedanken über das Ergebnis gemacht?
    • Haben Sie sich bewusst Zeit für das Lernen genommen?
    • Haben Sie sich ablenken lassen und wenn ja: von was?
    • Mit wem haben Sie über das Gelernte gesprochen?
    • Wie ist es Ihnen mit der Anwendung, dem Transfer in den Alltag gegangen?

Habe ich Sie neugierig gemacht? Gerne können wir darüber sprechen, wie Sie das in Ihrem Unternehmen ein- und umsetzen können. Sie erreichen mich  unter der (0721) 75 33 61. Oder schreiben mir eine Mail: info@margit-reinhardt.de

Wir alle haben in diesem Jahr bereits eine steile Lernkurve hingelegt. Vollkommen spontan, ungeplant und dadurch ab und zu verunsichernd. Jetzt sind wir in einem anderen Alltag gelandet, der viele Gewohnheiten auf den Kopf gestellt hat. Diese Veränderungen haben sicherlich Energie verbraucht. Aber vielleicht haben Sie so gar überrascht festgestellt, dass

  • Sie sogar mehr hinbekommen, als Sie je vermutet haben und
  • es gar nicht mal so schwer ist, in kurzer Zeit vieles dazuzulernen

Es ist absehbar, dass es zukünftig noch viel mehr Veränderungen geben wird. Die Lernkurve bleibt – etwa bei der Digitalisierung, die in den nächsten Jahren viele Arbeitsbereiche verändern, manche sogar komplett umkrempeln wird. Eine Ihrer wichtigsten Ressourcen ist Ihre Lern- und Veränderungsfähigkeit. Lernen hört nie auf und das hat durchaus Vorteile!

Damit Ihnen Neues gut gelingt, hier 5 Tipps dazu. Abseits von Lernmethoden, Gedächtnistechniken, sondern ganz allein auf das bezogen, was Sie sowieso schon tun. Genau das können Sie noch viel leichter meistern, wenn Ihnen die Automatismen klar sind.

Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten?

Diese Frage: ‚Glauben Sie daran, dass Ihnen das, was Sie vorhaben, tatsächlich gelingt?‘ Sollten Sie sich stellen. Ist eine entsprechende Veränderung oder das Lernen von einem neuen Arbeitsbereich aktuell möglich? Wenn Sie nicht an Ihre Fähigkeiten glauben, wird es kaum oder nur sehr schwer gelingen. Was nicht bedeutet, dass Sie Ihre Fähigkeiten nicht weiter ausbauen sollten. Und ein paar Selbstzweifel in Form vom Respekt vor dem Umfang oder der Dauer einer Fortbildung sind durchaus angebracht.

Aber wenn Sie überzeugt sind, dass es richtig anstrengend und zäh wird „Für Technik habe ich einfach zwei linke Hände…“ oder „Das konnte ich noch nie…“ dann kommen Sie und damit Ihr Gehirn schnell in Stress. So ist es kaum möglich, etwas Neues zu lernen. Ihr Gehirn ist erst einmal mit der Bewältigung der Stresssituation vollauf beschäftigt.

Haben Sie die Zeit? Ist es Ihnen ernst damit? 

Gut, wenn Sie das für sich geklärt haben, geht es weiter. Lernen ist nichts, was Sie mal so schnell nebenher machen können. Quasi mit links, ein paar Häppchen hier, ein bisschen dort, doch die Gedanken sind schon längst woanders. Lernen braucht (neben einer guten Planung) vor allem Konzentration auf das, was Sie ganz neu in Ihren Kopf hineinbekommen wollen. Lernen braucht Wiederholungen – gerade bei uns Erwachsenen! Es kann sogar sein, dass Erwachsene Lerner mehr Wiederholungen brauchen!  Klar, das fühlt sich an, als ob Sie im Tief Ihrer Lernkurve verharren und es einfach nicht weitergeht. Je nachdem, wie neu oder komplex die Lerninhalte sind, braucht der Aufbau neuer Verknüpfungen in Ihrem Gehirn Zeit!

 

Zeiten einplanen

Werden Sie aktiv – tun Sie etwas damit!

Verbinden Sie Lerninhalte mit der Praxis. Das ist so simpel wie entscheidend für einen Lernerfolg. Sitzen Sie nicht nur da, um etwas zu hören oder zu lesen oder sich Videos anzuschauen. Testen Sie, probieren Sie es munter aus und ja, Fehler gehören beim Lernprozess unbedingt dazu! Werden Sie in viele Richtungen aktiv: sprechen Sie über das, was Sie gelernt haben. Machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie verstanden haben – und was noch offen ist. Diskutieren Sie mit anderen, schreiben Sie, kritzeln Sie, machen Sie sich Notizen, das alles hilft bei der Verarbeitung und bringt Dynamik in Ihre Lernkurve!

Werden Sie zum Wadenbeisser!

Was unbedingt dazugehört, ist das Dranbleiben. Ich nenne es gerne das positive Wadenbeisser-Tun. Geben Sie nicht auf, sondern atmen Sie erst einmal durch. In fast jedem Lernprozess gibt es diesen Moment, in dem Sie das Gefühl haben, dass Sie auf der Stelle treten, obwohl Sie lernen und sich anstrengen. Das ist frustrierend. Bleiben Sie dran, gerade jetzt, wenn es schwierig wird und Sie herausgefordert sind. Werfen Sie einen Blick zurück, was Sie schon erreicht haben. Suchen Sie sich Sparringspartner, um sich auszutauschen. Ihr Gehirn braucht einerseits diese Herausforderung – idealerweise in Form eines konkreten Ziels. Es sollte natürlich reell erreichbar sein. Von da kommt die Motivation, um Stück für Stück voranzukommen. Übrigens, Ihr Gehirn belohnt Sie, wenn Sie hartnäckig dranbleiben. Wenn Sie eine Herausforderung gemeistert haben, fühlen Sie sich beschwingt, erleichtert und trauen sich so die nächste Etappe zu.

Wenn ich ein Genie wäre, ja dann….

Werden Sie hellhörig, wenn Sie sich sagen hören: „Ach, dafür bin ich nicht talentiert.“ Meistens ist es eine Ausrede Ihres Gehirns, sich eben nicht ins Zeug zu legen, sondern eher auf die faule Haut. Es ist eine sehr praktische Ausrede. Was oft vergessen wird: alle Genies und die überragenden Talente haben geübt, geprobt, trainiert und getüftelt, bis sie erfolgreich geworden sind. Doch das übersehen wir gerne. Die Idee, dass jemandem eine Gabe in die Wiege gelegt wurde und er oder sie es dadurch ganz leicht hatte, an die Spitze zu kommen, trifft zu 98% eben nicht zu. In der Regel ist ein langer und ausdauernder Einsatz das Mittel, um so viel zu erreichen.

Extra-Tipp – bleiben Sie nicht allein!

Lernen Sie nicht nur allein für sich! Tauschen Sie sich aus, denn Ihre Synapsen – die Verbindungen zwischen Ihren Nervenzellen – sind aktiver, wenn Sie zusammen mit anderen lernen. Zusammen mit anderen bedeutet auch, dass Oxytocin ausgeschüttet wird, das macht Ihre Synapsen noch flexibler und die Lerninhalte werden besser weitergeleitet und intensiver verankert!

Gemeinsam lernen

Fazit: Sie können sich gut auf Neues vorbereiten, indem Sie am besten täglich etwas dazulernen. Ihr Gehirn bleibt so flexibel, gerät weniger schnell in Stress und kann Veränderungen und das Auf- und Ab Ihrer Lernkurve deswegen besser meistern.

Wenn Sie mehr über die Rahmenbedingungen für das Lernen wissen wollen, können Sie ein Seminar für das Unternehmen oder ein Coaching für sich als Privatlerner buchen. Hier können Sie einen kostenfreien Gesprächstermin vereinbaren.

Heute möchte ich Ihnen von meinen Eindrücken und Learnings auf der LEARNTEC 2018 berichten. Die findet ja vor meiner Haustür statt, in Karlsruhe. Die Lernkultur verändert sich in Richtung Digitalisierung, in einigen Unternehmen rasant und schon über einen längeren Zeitraum, in anderen beginnt diese erst gerade. Aber was bedeutet das genau? Gut, sich aus diesem Anlass intensiver auf der LEARNTEC umzuschauen. Ich finde es ja irgendwie beruhigend, dass LEARN immer noch fett geschrieben wird und ‚TEC‘ nicht. Denn beim Gang durch die Hallen sehe ich viele Menschen, aber deutlich mehr TEC.

Gerade heute habe ich die Pressemitteilung der LEARNTEC erhalten, dass dieses Jahr die Besuchermarke von 10.000 erreicht wurde (2017 waren es ca. 7.500 Besucher). Auf der Messe war das – im Vergleich zu den Vorjahren – deutlich spürbar.

LEARNTEC2018
Ein beliebtes Motiv auf der LEARNTEC 2018

Erstmals habe ich auch den Kongress der Learntec besucht, so dass ich zwei Tage vor Ort war. Mein erster Tag fand auf dem Kongress statt. Bei so vielen Themen fiel es nicht leicht, sich zu entscheiden. Im Nachhinein betrachtet – sicherlich lag es auch an meiner Auswahl der Vorträge – stand weniger die Technik im Vordergrund, sondern der Mensch. Irgendwie doch beruhigend.

Techniken und Tools versus Mitarbeiter

Der gemeinsame rote Faden, ob es um Führung ging oder um die Lerner oder die Herausforderungen, neue Techniken und Tools einzuführen, Dreh- und Angelpunkt sind die Mitarbeiter. Begriffe, die oft fielen, waren Offenheit und Aufgeschlossenheit. Wie wird das Lernen angeregt? Wollen die Lernenden überhaupt? Wie können sie dazu gebracht werden, dass sie wollen. Was brauchen sie? Was die Offenheit für Neues angeht, da gibt es wohl noch Aufholbedarf.

Oder um die Worte eines Vortragenden, Gernot Kühn von Microsoft zu zitieren: „Das Beharrungsvermögen ‚Das geht nicht‘ ist erstaunlich“. Und er meinte damit nicht nur die Mitarbeiter, sondern schloss die Führungskräfte mit ein. Digitale Tools verändern eben nicht automatisch das Mindset. Gernot Kühn sprach über die zwei Welten, einmal die der Tools und der Software und zum anderen die der Mitarbeiter und Führungskräfte. Aber wer bedient die digitalen Tools? Der Mitarbeiter und damit der Lernende. Damit das (besser) klappt, hat Microsoft LearningOutLoud – so übrigens auch der Titel seines Vortrags, eingeführt. Angelehnt an WorkingOutLoud bezeichnet LoL eine Vorgehensweise des ‚lauten‘ Lernens. Ziel ist, sich innerhalb von 7 Wochen in bestimmten Schritten mit den wichtigsten Aspekten des selbstgesteuerten Lernens vertraut zu machen. Kern der Sache ist das mit- und voneinander Lernen im vernetzten Zustand.

Digitale Tools erfordern mehr Kommunikation

Diese Erfahrung wurde in vielen Vorträgen thematisiert. Unterschiedliche Vorstellungen oder Ziele können nur durch Kommunikation überwunden oder zumindest mal erklärt werden. Eine Einstellung oder Haltung verändert sich nicht von heute aus morgen. Soviel zum Beharrungsvermögen.

Das führt mich direkt zum Vortrag von Barbara Liebermeister „Digital ist egal“. Die Rahmenbedingungen in der digitalen Welt verändern sich rapide, doch der Mensch tickt so wie vor 200.000 Jahren. Wenn der Mensch über 135 verschiedene Emotionen verfügt, so Liebermeister, wo bleiben die in der digitalen Welt? Unser Miteinander, die Haltung und die Entscheidungen, die wir treffen, sind nun mal emotional gesteuert. Da ist sie wieder, die Kommunikation, ohne die es nicht geht. Gerade Führungskräfte mit sehr guten Kommunikationsfähigkeiten werden zukünftig sehr gefragt sein. Sie können die Grundbedürfnisse des Menschen nach Sicherheit in einer zunehmend unsicheren und komplexen Welt und das Bedürfnis nach Anerkennung nicht auffangen, aber abfedern. Indem sie erklären und Unsicherheiten nehmen – am besten in persönlichen Gesprächen auf Augenhöhe.

Laut einer Meta-Studie unter 18.000 Befragten sollten Führungskräfte in der digitalen Welt über folgende Fähigkeiten verfügen:

  • Kommunikation und Vernetzungsfähigkeit
  • Menschenorientierung
  • vernetztes Denken
  • Kreativität
  • Die Fähigkeit, Sicherheit und Halt zu geben und
  • gute Medienkompetenzen

Sie schloss ihren Vortrag mit drei Faktoren, die typisch für den Menschen sind

  1. Er vertut sich in der Zeiteinschätzung, die für etwas notwendig ist.
  2. Überschätzung in seiner Kompetenz, etwas zu können
  3. Unterschätzung von dem, was um ihn herum passiert

Sind Sie ein guter oder ein besserer Autofahrer?

Dazu ein Beispiel von anderer Stelle, erklärt es aber gut: diese Selbsttäuschung, von der Liebermeister sprach, kommt im Alltag oft vor, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wenn sich Autofahrer in Bezug auf ihre fahrtechnischen Qualitäten einschätzen sollten, halten sich 3/4 der Befragten für bessere Fahrer als all die anderen. Und gerade die Fahrer, die in Unfälle verwickelt waren, meinten, besser fahren zu können als die, die jahrelang unfallfrei unterwegs waren. Diese Fehleinschätzungen – eine gewisse Betriebsblindheit – gibt es natürlich auch in Unternehmen.

Wie geht es Ihnen? Kommt Ihnen da etwas bekannt vor? Ist es eher die Zeit, wo Sie sich vertun? Oder ist es die Kompetenz, von der Sie glauben, diese schon ausreichend zu haben?

Mehr zu Fehl- und anderen Einschätzungen finden Sie übrigens hier: https://www.impulse.de/serie/online-serie-aus-fehlern-lernen

Lernbereitschaft hat nichts und gar nichts mit dem Alter zu tun!

Zurück zur LEARNTEC. Auch im Rahmen der Messe gab es verschiedene Vorträge in den Foren. Eines, was ich daraus mitnehme und mich bestätigt: die Lernbereitschaft ist nicht vom Alter abhängig! Vielmehr gilt es, sie zu fördern oder überhaupt erst aus dem Dornröschenschlaf zu wecken! Diese Erfahrung oder Erkenntnis wird offensichtlich häufiger gemacht. Vielleicht hängt das ja wieder mit der Fehlertoleranz oder generell mit der Fehlerkultur in Unternehmen zusammen?

Da sehe ich wieder die Querverbindung zur Eigenverantwortung, das Lernen und damit die Inhalte selbst zu bestimmen. Da kann man sich sowohl inhaltlich als auch zeitlich ganz schön vertun, siehe Fehleinschätzungen. Deswegen ist die Förderung der Selbstlernkompetenz (nach der Kommunikation und des Miteinander lernen) aus meiner Sicht die zweite Säule für die digitale Zukunft.

Veränderungsbereitschaft oder Beharrungsvermögen?

Oder anders herum, wenn der Blickwinkel verändert wird: Fragen Sie doch mal Ihre Mitarbeiter oder Kollegen, was sie gerne an Kompetenzen auf- und ausbauen möchten. Das könnte sehr erhellend sein. Vielleicht liegt mancher Widerstand gar nicht an der fehlenden Veränderungsbereitschaft, sondern am verkehrten Blickwinkel. Selbst zu entscheiden, was Sie zum Beispiel an Stärken (!) ausbauen möchten, beinhaltet doch eine ganz andere Motivation. Mit der lassen sich auch leichter neue Themen angehen, etwa im Austausch mit anderen Lernern. Und mit der Verantwortung, anderen etwas zu vermitteln, lernen Sie plötzlich Dinge, die Sie sich gar nicht zugetraut hätten.

LEARNTEC Treibstoff für Lerner

Ohne leckeren Treibstoff geht es nicht auf der LEARNTEC

Welche Fähigkeiten brauchen Lerner?

Christian Böhler von Innogy befasst sich in seinem Vortrag „Mutmacher digitale Transformation“ mit der Frage, was Lerner brauchen, um Wissen aufzubauen. Wollen sie lernen, sehen sie die Chancen dabei oder haben sie schlichtweg Angst vor dem Unbekannten? Wo fängt die Digitalisierung im Unternehmen an? Auf der einen Seite verweigern sich Mitarbeiter, gegenüber neuer Technik, checken aber sofort nach Verlassen der Firma ihr Smartphone. Auch hier tauchte wieder die Frage auf, welche Fähigkeiten Lerner brauchen, um zu lernen. Böhler verweis auf das Kompetenzmodell von Joel Krapp bei der Swiss Post. Es bietet eine gute Übersicht über all die Lernkompetenzen. Es ist interessant, da mal einen Blick drauf zuwerfen, um sich selbst einzuordnen.

Fällt Ihnen in dem Kompetenzmodell etwas auf? Sie ahnen es schon, es ist wieder die Fähigkeit, offen für Neues zu sein, Neugier zu entwickeln und dann im Lernprozess dranzubleiben. Lernen fällt manchmal leicht, ist aber auch oft anstrengend. Dazu noch einmal Böhler: Fragen Sie die Lerner selbst, was sie brauchen! Lernen klappt dann am besten, wenn man gar nich merkt, dass man lernt und es trotzdem klappt!

Mein Schlusspunkt auf der Learntec 2018: Das wirklich Aufregende kommt erst noch!

Wir gewöhnen uns an Saugroboter und sprechen mit Alexa. Wir können die Heizung im Wohnzimmer vom Auto aus regulieren. Oder den Backofen anschalten und die Fenster öffnen. Wir gewöhnen uns daran, mit Sprachsteuerung zu agieren und jederzeit und von überall aus auf Informationen zuzugreifen. Josef Buschbacher von der CLC titelte seinen Beitrag im Trendforum mit „Digitale Fitness für Bildungsprofis – Learning Next“

Wie wird sich Lernen entwickeln? Wo und wie werden wir lernen? Die großen Konzerne wie Google und Amazone nutzen die Informationen und bereiten sie für Lerner auf und haben dafür die Plattformen wie Google Education oder Amazon Education entwickelt. Momentan noch überwiegend für Schule und Studium, bald auch für Unternehmen? Lernen nebenher, wenn es gebraucht wird, nicht auf Vorrat, das ist eine Erkenntnis.

Da ist was dran, dachte ich, als Buschbacher zum Abschluss ein Zitat aus seiner Kaffeeküche präsentierte. Für Sie aus dem Gedächtnis protokolliert:

‚Alles, was da war, als wir auf die Welt kamen, ist für uns normal und selbstverständlich.

Alles, was wir zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr entdeckt haben, ist aufregend und hilft eventuell beim beruflichen Weiterkommen.

Alles, was nach dem 35. Lebensjahr neu ist, ist wider der natürlichen Ordnung.’

Dem ist erstmal nichts mehr hinzuzufügen, oder?

Wenn Sie sagen, dass Sie dranbleiben wollen am Lernen oder an der Neugier, machen Sie ab und zu mal etwas ausserhalb der Routine. Das heisst,

  • probieren Sie etwas Neues aus (Essen, Trinken.. Zeitschriften, Einkäufe…)
  • treffen Sie sich mit Menschen, die nicht immer Ihrer Meinung sind
  • gehen Sie ins Kino oder Theater (wenn Sie selten dahin gehen)
  • werden Sie sich Ihrer (gedanklichen) Routinen und Bewertungen bewusst
  • machen Sie jeden Tag eine kleine Kleinigkeit anders als gewohnt

und lassen Sie Neues erst einmal auf sich wirken, ohne sofort in den Abwehrmodus zu schalten! Und wenn Sie das sowieso schon alles machen: bleiben Sie dran!

Läuft bei Ihnen, gerade beim Lernen, immer alles rund? Haben Sie alles, was Sie für selbstgesteuertes Lernen benötigen? Ich denke da speziell an die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Veränderungen sind ja kein Problem, solange es irgendwie doch funktioniert. Doch neue Techniken und Abläufe, wie sie die Digitalisierung mit sich bringt, bergen auch oft ungeahnte Überraschungen. Lernen ist angesagt, um damit klarzukommen. Hier und da gibt es Widerstände: „Schon wieder was anderes? Muss das sein? Das ging doch bisher auch so!“

Veränderung heisst: Abschied nehmen vom Gewohnten

Das Paradoxe dabei ist, dass für die meisten Menschen die Nutzung von Smartphone & Co im Privatleben mittlerweile selbstverständlich ist. Am Arbeitsplatz sieht das oft anders aus. Die Veränderung, das Neue, ist hier oft nicht selbstbestimmt. Und lieb gewordene Gewohnheiten und automatisierte Abläufe müssen über den Haufen geworfen und umgelernt werden. Nichts ist herausfordernder als dieses. Denn bis aus Veränderungen Gewohnheiten werden, braucht unser Gehirn Zeit. Zeit für den Umbau der Verbindungen zwischen den Synapsen. Und als ob das nicht genug wäre. Oft läuft es nicht so wie ursprünglich geplant, oder? Haben Sie das selbst schon erlebt? Wenn Sie jetzt nicken, wissen wir, wovon wir sprechen.

Selbstgesteuertes Lernen gehört zum Alltag dazu

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiv mit den Veränderungen im Lernen. Die Digitalisierung verändert auch die Weiterbildung. Bei mir sieht es selbstgesteuertes Lernen zum Beispiel so aus: Wenn ich mich über Neues informiere, nutze ich Webinare, Online-Kurse, Blogs, Twitter und Newsletter. Als Unternehmerin ist die Sichtbarkeit in den sozialen Medien, der Austausch mit Kollegen über Skype und in Foren wichtig. Oft ist es ein Austausch mit Menschen, denen ich noch nie persönlich begegnet bin. Wenn ich wissen will, wie etwas funktioniert, schaue ich auf YouTube nach. Wenn ich schnell mal einen Begriff recherchiere, klar, das geht über eine Suchmaschine. Und so geht es weiter, natürlich auch im privaten Bereich.

Für mich bedeutet das konkret, dass ich mich mit neuen Plattformen, deren Logik, neuer Software und der passenden Herangehensweise befasse. Und wenn Sie mich nach der bahnbrechenden Erkenntnis fragen: „Ja, es entwickelt sich selten so wie geplant. Es tauchen Probleme auf, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie geben kann. Und ja, es ist trotzdem spannend, damit klarzukommen.“ Das Tempo der Veränderungen und Neuerungen ist manchmal schon atemberaubend. Ohne Übersicht, ohne geplantes und selbstgesteuertes Lernen wird es schwierig! Wie geht es Ihnen mit dem Lernen? Wie viel Veränderung oder Digitalisierung steckt bereits in Ihrem Arbeitsalltag?

Aktiv-und-selbstgesteuertes-lernen

Lernen erfordert Selbstorganisation

All das ist ein fortwährender und andauernder Lernprozess. Was das Lernen betrifft, da kenne ich mich glücklicherweise aus. Zum Lernen gehört Neugier und Offenheit als Grundvoraussetzung mit dazu. Davon habe ich genug, ich bin einfach wissbegierig. Vor allem will ich vermitteln, wie Menschen mit sich selbst besser klarkommen. Beim Lernen ist es die Frage, wie ein Lernender am besten sein Ziel erreicht. Wie bei einer Reise gehört Planung und Organisation mit dazu. Und ohne eine flexible Zielanpassung funktioniert das nicht. Früher hatten Zeitpläne über Monate Bestand. Ich erlebe es ja selbst: heute kremple ich diese alle paar Wochen um und passe sie neu an. Das kann schon manchmal etwas nervig sein. Schließlich möchte ich ein Ziel erreichen und mir auch mal auf die Schulter klopfen. Durchhaltevermögen ist hier beim Lernen mindestens so wichtig wie bei einer langen Wanderung. Oder bei einem Marathon.

Lernkompetenz – Umgang mit der Informationsflut

Was braucht ein Lernender konkret an Kompetenzen und Fähigkeiten? Eine wesentliche ist die, die richtigen und relevanten Informationen zu finden. Das ist, werden Sie sagen, ja alles selbstverständlich. Doch ich höre es so oft von Teilnehmern, wie schwierig das im Alltag ist. Denn über einen Informationsmangel kann sich niemand beklagen. Es ist eher die Fülle von vielfältigen und oft auch vieldeutigen Informationen. Das erfordert eine hohe Konzentration, die relevanten Inhalte auszufiltern. Ohne ein klares Ziel und einer klaren Fokussierung kann man sich ordentlich verzetteln.

Lernkompetenz – flexibel sein!

Aus meiner Sicht gehört unbedingt noch die Flexibilität mit dazu. Denn es kommt oft anders als geplant. Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen, dass Sie nur mal eine neue Softwarefunktion ausprobieren wollten (sah doch ganz einfach aus im Seminar) und Stunden später wissen Sie zwar mehr, aber Sie sind noch immer nicht am Ziel? Dafür haben Sie mindestens noch zwei andere Kollegen damit beschäftigt: Ein Telefonat mit der IT-Abteilung. Oder die Frage, welcher Kollege sich damit auskennt und ob er oder sie Ihnen das erklären kann.

Oder Sie planen ein Meeting, eigentlich geht es nur um ein paar Kleinigkeiten, die hier und da die Abläufe vereinfachen können. Danach oder auch mittendrin stellen Sie fest, dass daraus ein Projekt von mehreren Wochen wird. Weil Sie die Dimensionen nicht vorausahnten oder neue ungeahnte Hindernisse auftauchen. Je offener Sie sind, desto flexibler können Sie damit umgehen, was auf Sie zukommt.

Stabilität und Stresstoleranz

Lernkompetenzen sind natürlich wichtig, aber nur die halbe Miete. Genauso wichtig ist der Umgang mit sich selbst. Ich bezeichne das als die Kompetenz zur Selbststeuerung. Also, wie gehen Sie zum Beispiel damit um, wenn etwas nicht so läuft wie geplant?

  • Wie hoch ist Ihre Frusttoleranz?
  • Wie flexibel können Sie vom Status Quo abweichen, ohne sich dabei zu verzetteln?
  • Wie können Sie Ihre Energie gut einteilen und rechtzeitig wieder herstellen?

Besonders der Umgang mit sich selbst ist ein wesentlicher Bestandteil des selbstgesteuerten Lernens. Diese Kompetenzen werden an Bedeutung gewinnen.

Basis für selbstgesteuertes Lernen sind stabile Persönlichkeiten

Für eine stabile Persönlichkeit ist die Resilienz, die seelische Widerstandskraft, eine gute Basis. Viele und schnelle Veränderungen führen zu Unsicherheit. Was ist noch stabil? Was hat noch Bestand? Worauf kann ich mich verlassen? Sie können von innen heraus für Stabilität sorgen, mehr dazu in meinen Blogbeiträgen zur Resilienz.

Eine stabile Persönlichkeit kann mit dem selbstorganisierten Lernen leichter zum Ziel kommen. Bei der Überlegung, welche Kompetenzen ein Lernender heute braucht, gewinnen die Sozialkompetenzen zunehmend an Bedeutung.

Mehr dazu im nächsten Beitrag. Da gehe ich auf die Kompetenzen, die Lernende heute brauchen, näher ein.

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Integriertes Lernen – Effektivität und Flexibilität durch neue Lernmethoden

Ein hervorragendes Beispiel für zukünftige Lernmethoden habe ich bei der Corporate Learning Alliance gefunden. Die RWE hat für ihre Elektriker und Automatisierungstechniker ein neues Bildungskonzept entwickelt. In diesem Konzept geht es um ein Blended-Learning Szenario – eine Lernform, bei der die Vorteile von Präsenztraining und E-Learning kombiniert werden – mit dem Ziel, für Problemsituationen, die selten eintreten, das entsprechende Wissen abrufbereit zu haben. Diese Situation – es kommt selten vor, soll aber funktionieren – kennen viele Mitarbeiter auch in anderen Unternehmen.

Der Altersdurchschnitt ist hoch, deswegen sind die Handwerker nicht automatisch alle fit, was den Umgang mit einem Tablet betrifft. Nicht alle verfügen über eine eigene dienstliche Mailadresse, so dass es am Anfang einige Hürden zu überwinden gilt, um die Voraussetzungen zu schaffen. All dies bewältigen die Lernenden im Laufe des Lerntrainings selbst. Auch die Vorgesetzten sind involviert, denn diese müssen in einer kurzen Videobotschaft erklären, warum der Mitarbeiter an diesem Lernkurs teilnehmen soll. Der Mitarbeiter sieht diese Botschaft seines Vorgesetzten ebenfalls.

Fachübergreifend lernen

Die teilnehmenden Handwerker werden während des Lernseminars gleich zu Anfang insofern gefordert, dass sie Fachfragen erhalten, die sie nicht selbst beantworten können. Sie suchen sich Kollegen im Betrieb, die ihnen die Fragen beantworten können. Diese Lernmethode bildet eine gute Basis, um in kritischen Situationen schnell zu wissen, welche Kollegen weiterhelfen können. Die Vorbereitungsphase des Lerntrainings mit verschiedenen Aufgaben erfolgt über einen Zeitraum von 4 Wochen online.

Ist diese Vorbereitung erfolgreich absolviert, geht es zum Präsenztraining von 4 Tagen. Hier tun sich jeweils 2 Teilnehmer zu einem Lerntandem zusammen, um ihre Erkenntnisse in einem Wiki zu dokumentieren. Danach folgt die Transferphase des Lerntrainings, auch diese geht über 4 Wochen.

Ein Lerntraining in dem Handlungs-Kompetenz bewiesen werden muss!

Das eigentlich Spannende kommt jetzt: Jeder Teilnehmer hat sich vor dem Lerntraining einen Mentor gesucht. Dieser muss nach dem gesamten Lernseminar bestätigen, dass das Gelernte auch angewendet werden kann. Dass aus Wissen Können geworden ist. Erst dann erhält der Teilnehmer sein Zertifikat für die erfolgreiche Absolvierung des Lernseminars.

Dieser Transfergedanke ist so einfach wie genial, weil er so sinnvoll ist. Ausserdem stärkt er die Lernmotivation und den Lernerfolg der Teilnehmer. Ein Riesenunterschied zu dem, was häufig nach Seminaren passiert, nicht passiert und versandet.
Ein spannender Impuls, den ich gerne als Inspiration für meine Lernseminare nutze. Sei es in meinen Seminaren für selbstgesteuertes Lernen im Beruf oder auch in meinen Lernseminaren für Weiterbilder.

Zwei bemerkenswerte Faktoren: Dauer und Erfolgsbestätigung

Dieses Weiterbildungskonzept lässt sich gut auf andere Bereiche übertragen. Ich höre es so oft: wie erinnere ich mich an Vorgänge, die selten vorkommen, bei denen das Wissen aber schnell parat sein muss?

Hier, beim Konzept von RWE, wird durch die Dauer des Lerntrainings eine so gute Vernetzung im Langzeitgedächtnis angelegt, dass die Vorgänge bei Bedarf viel schneller und sicherer abgerufen werden können. Sicher, es braucht mehr Zeit. Aber wenn eine kritische Situation eintritt, kann das Gelernte schneller abgerufen werden. Das spart Nerven, Zeit und eine Menge Geld.

Das Konzept von Ralf Jauck, dem Initiator, wird von ihm selbst in diesem Video-Beitrag über Integriertes Lernen erklärt.