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Vor 6 Monaten habe ich die Chance genutzt. Nachdem der Leasingvertrag für mein Fahrzeug ablief, beschloss ich, jetzt ohne eigenes Auto zu leben. Stattdessen nutze ich vermehrt die eigenen Füsse, das Fahrrad und wenn es gar nicht anders geht – Carsharing. Keine Frage, ein eigenes Auto ist praktisch und hat viele Vorteile (und kann notwendig sein). Doch in einer Zeit, in der wir mit so vielen Veränderungen konfrontiert sind, brauchen wir ist die Fähigkeit, flexibel reagieren zu können. Wie Sie im Alltag Ihre Agilität und Denkflexibilität stärken können, erfahren Sie hier. Weiter unten finden Sie 5 leicht umsetzbare Tipps. Egal, ob mit oder ohne Fahrzeug!

Die Crux mit den voreingestellten Radiosendern 

Oft ist es so, dass ich ganz unterschiedliche Fahrzeugtypen fahre. Eben das, was im Carsharing aktuell zur Verfügung steht. Jedesmal ein kurzer Check: wo sind hier die Bedienelemente wie angeordnet? Wie reagiert das jeweilige Fahrzeug auf Kupplung, Gas und Bremse? Wie fühlt es sich an? In Bezug auf Lernen ist das schon mal vorteilhaft. (Ich verrate jetzt nicht, welches aktuell mein bevorzugtes Fahrzeug ist. Denn es ändert sich immer wieder, je nach Neuentdeckungen.)

Wenn ich ein Fahrzeug einsteige, hat der vorherige Fahrer in der Regel ‚seinen‘ Radiosender eingestellt. Am Anfang wollte ich genauso am liebsten auf ‚meinen‘ Sender wechseln. Da zeigt sich wieder einmal, wie stark die Gewohnheiten sind! Das hat sich geändert. Ich lasse mich überraschen und höre erst einmal die voreingestellten Sender. Manchmal spüre ich dabei einen kleinen Widerstand: „Och nee, muss das jetzt sein?“ Doch ich bleibe dran – zumindest eine Weile. Es lohnt sich! Denn dadurch habe ich neue Formate, andere Moderatoren und vor allem interessante Themen kennengelernt. Wahrscheinlich wäre ich sonst gar nicht auf bestimmte Sendungen gekommen. In der Folge habe ich meine Radiosender zu Hause ebenfalls erweitert. 

Autoradio andere Sender als üblich hören

Sich auf Neues einlassen, ausprobieren und bewusst Kleinigkeiten zu verändern, das sind ‚Neurobics‘. Aerobic und damit Muskeltraining für Ihre Nervenzellen. Doch es ist noch mehr. Neben der Muskelstärkung ist es diese Flexibilität, die wir für eine agile, sich ständig veränderte Welt brauchen.

Die Inspiration von Bahnhofsbuchhandlungen

Längere Strecken fahre ich mit dem Zug. Das bringt es mit sich, dass ich zwischen zwei Umstiegen oft in der Bahnhofsbuchhandlung lande. Das ergibt sich eine weitere Inspirationsquelle. Ich schaue mir unterschiedliche Zeitschriften an und staune immer wieder über diese Vielfalt des Angebots. Immer mal wieder wähle ich andere als üblich oder sogar ganz andere Themen und ja, ich blättere nicht nur, sondern kaufe sie sogar. Warum das alles? 

Unser Gehirn liebt Gewohnheiten

Die sind praktisch, energiesparend und erleichtern den Alltag. Ein ganz großes ABER ist: sie verleiten dazu, immer alles so zu machen wie üblich. Ohne dass Sie es bemerken. Das führt dazu, dass bereits kleine Veränderungen im Alltag nerven, als Hürde empfunden werden oder schlechte Laune erzeugen. 

Wie wäre es, wenn Sie sich wappnen und selbst immer wieder kleine Ausflüge aus Ihren Gewohnheiten heraus unternehmen? Natürlich nur dann, wenn Sie gerade etwas Zeit haben und keinen Stress! Dann haben Sie die Chance, zu lernen: flexibler mit neuen Situationen umgehen, schneller im Gehirn umzuschalten: Ihr Gehirn wird „trainiert“. Sie werden fitter für die Agilität, für den Umgang mit Veränderungen.

Raus aus der Routine: Fünf Tipps, um Ihr agiles Handeln im Alltag zu trainieren

  • Öffnen Sie Ihr Auto, Ihre Wohnungstür anders als üblich, etwa mit der linken Hand (wenn Sie Rechtshänder sind, sonst natürlich umgekehrt)
  • Wechseln Sie für Hin- und Rückfahrt den Radiosender
  • Stellen Sie Ihre Kaffee- oder Teetasse auf die andere Seite des Schreibtisches
  • Variieren Sie Wege – egal ob mit dem ÖPNV, Auto, Fahrrad oder zu Fuß: nehmen Sie eine etwas andere Strecke, wenn Sie mit dem ÖPNV unterwegs sind, steigen Sie früher oder später aus, erkunden Sie mit Fahrrad oder zu Fuß andere Varianten, um zum Ziel zu kommen
  • Tauschen Sie sich mit anderen Kollegen als üblich beim Mittagessen oder in der Kaffeepause aus. Oder über andere Themen als sonst. Zum Beispiel darüber, was Sie noch anders als üblich machen können!

Probieren Sie es aus – wo bietet sich für Sie ein leichter Einstieg, ein erster Versuch an? 

Wege variieren

Reflektieren Sie Ihre Lernerfahrung, hier ein paar Anregungen

Im agilen Umfeld gehört es mit dazu, nicht nur neue Erfahrungen zu machen, sondern diese auch zu reflektieren. Für Ihre Gewohnheitsveränderungen können Sie mit diesen Fragen starten:

  • Nach welchen Kriterien haben Sie ‚Raus aus der Routine’ ausgewählt?
  • Was war ganz leicht? 
  • In welchem Moment haben Sie eventuell erste Widerstände gespürt? 
  • Wie sind Sie damit umgegangen?
  • Können Sie Ihre Erfahrungen auf andere Bereiche übertragen? 

Einmal angefangen, fällt es Ihnen nach und nach leichter, gewohnte Bahnen immer wieder zu verlassen. Wenn Sie Wege variieren oder woanders als sonst einkaufen, stärken Sie damit übrigens ganz nebenbei die Konzentration und die Wahrnehmung. Das alles gehört mit zu den ‚Neurobics‘ – die Aerobic für die Nervenzellen. 

Diese Kleinigkeiten sind leicht umsetzbar. Sie lernen, immer wieder neue Blickwinkel einzunehmen. Das nutzt Ihnen im Alltag, wenn es darum geht, Probleme zu lösen und umzudenken. Die Digitalisierung braucht genau das – umdenken, neu denken und handeln. 

Vollkommen egal, wie Sie es nennen wollen, Ziel ist es, mit wenig Aufwand flexibel für Veränderungen zu werden. Agil eben. Diese Fähigkeit brauchen wir alle, da bin ich mir sicher!

Teilen Sie mir doch Ihre Erfahrungen mit ‚Raus aus der Routine – flexibel und agil denken – mit!

Am besten gleich hier unter:  mail@margit-reinhardt.de

 

Heute geht es um Bürowelten und Agilität. Es geht um die analoge Welt und die digitale Welt. Und dass Möbel doch viel mehr mit dem, wie wir die Welt sehen und in ihr agieren können, zu tun haben, als spontan gedacht. Es geht darum, wozu der Mensch imstande ist, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Möbel sind ein Element dazu.

Vitra Haus
Vitra Haus in Weil am Rhein

Ich war mal wieder mit IMPULSE auf Tour. Das Thema: „Leadership in Design und Konzept – die Entwicklung ganzheitlicher Arbeitswelten“. Die Tour führte zu Vitra in Weil am Rhein. Vitra baut Möbel und Läden und sogar Rutschen. Und Bürowelten in einem agilen Arbeitsumfeld. Vitra will Möbel bauen, die es bisher noch nicht gab, so kommt es, dass viele Produkte von Vitra in Museen stehen. Mehr zu Vitra

Der Blick nach draussen in eine Welt, die sich permanent verändert, verändert auch den Blick nach innen.

Inspirierend waren die Ausführungen von Rudolf Pütz von der Geschäftsführung und von Raphael Gielgen, dem Trendscout von Vitra. Dabei wurde ein großer Bogen gespannt, den ich so gar nicht erwartet hatte. Vor allem ging es immer wieder um neue Sichtweisen, vom Blick über den Gartenzaun. Von dem, was unser alltägliches Denken bestimmt und beeinflusst hinein in andere Denkwelten.

Denn in einer digitalen Welt kommen wir mit dem bisherigen ‚analogen‘ Verhalten nicht weiter. Es geht also darum, mit altem Verhalten zu brechen und immer wieder neue Sichtweisen zu erkunden. Ist das überhaupt möglich, wenn wir uns weiterhin in Räumen bewegen, die die alte Welt und das damit verbundene Denken repräsentieren? Eine interessante Frage. Jeder kennt bestimmt so eine Lebenssituation, wo sich etwas verändert hat und das unbedingt auch in der Raumgestaltung sichtbar gemacht werden muss. Ob es eine neue Wandfarbe ist, ein Möbelstück oder eine neue Anordnung.

Agile Bürowelten bei Vitra
Der flexibel einsetzbare Stool_Tool

Neu gestaltete Bürowelten ermöglichen andere Sichtweisen

Es stellt sich die Frage, was können ganz neu gestaltete Räume für das Denken bewirken? Welche neue Sichtweisen sind durch andere Blickwinkel möglich? Eine Frage, die bei Vitra gestellt wird, ist die, wie die Talente der Mitarbeiter entwickelt werden können. Wie kann sich das Besondere, was einen Mitarbeiter ausmacht, entwickeln? Welche Voraussetzungen sind dazu nötig?

Vom Mensch-ärger-dich-nicht zur X-Box

Der Trendscout von Vitra, Raphael Gielgen, brachte es auf den Punkt: ‚Wir leben mit alten Werten in einer neuen Welt.‘ Die alte Welt ist wie ein Mensch-ärgere-Dich-nicht Spiel. Es gibt einfache Regeln, viele Wiederholungen und Konkurrenzdenken. Wenn ich den anderen rauskicke, komme ich vielleicht als Erster ins Ziel.

Die neue Welt ist wie eine X-Box. Wir lernen jeden Tag etwas dazu und komme so auf ein neues Level. Wenn Sie nicht weiterkommen, fragen Sie jemanden, der sich schon auskennt oder eine Idee hat und so kommen Sie gemeinsam weiter. Es gibt keine Ende des Spiels, es geht immer weiter.

Die analoge trifft auf die digitale Welt

Im Unternehmen treffen die alte analoge und die neue, digitale Welt täglich aufeinander. Das spiegelt sich im Mobiliar, in der Technik und dem Stand der Digitalisierung wieder. Es ist das Denken in Prozessen, wie es schon immer war. Daneben wächst das neue Denken, das von Neugier und Offenheit geprägt ist und auf Vernetzung gebaut ist. Schon Charles Eames sagte in Bezug auf seine Designentwicklung: „Alles beginnt mit engen menschlichen Beziehungen. Da ist ein Freund, der sich mit etwas befasst. Er braucht etwas und man wird involviert.“ Das war 1957 und ist heute aktueller denn je.

Mehr dazu lesen Sie hier in einem Interview mit Raphael Gielgen.

Immer wieder um diese Gegensätze!

In unserem Leben bewegen wir uns zwischen den Polen von Bequemlichkeit und Erlebnisfaktor. Die Frage ist die nach der Dosis – wie viel von dem einen, wieviel von dem anderen brauchen wir jeweils? Oder wann ist welche Dosierung hilfreich und sinnvoll?

Die Bequemlichkeit ist nicht negativ zu sehen, denn sie steht für Sicherheit, für Vertrautes und Beständigkeit. In einem Unternehmen sind beide genauso wichtig wie die Offenheit für Neues, die Bereitschaft, Gewohntes zu hinterfragen und die Komfortzone zu verlassen. Gerade Gewohnheiten machen mehr als die Hälfte unseres Denkens aus, das macht schon Sinn, weil es Energiesparend ist. Sich nur mit Neuem auseinanderzusetzen, geht auf Dauer auch nicht. Es ist die Frage nach der passenden Dosierung.

Anders herum kann die Bequemlichkeit sogar als Basis für das Erlebnis dienen. Kreuzfahrten sind ein Beispiel dafür. Maximale Bequemlichkeit mit etwas Erlebnis gepaart. Andere möchten mehr Erlebnis, probieren sich aus, suchen zum Beispiel den Extremsport, um beim Klettern oder Snowboarden den Kick zu erleben.

Agile Bürowelten bei Vitra
Voraussetzungen zum Austausch schaffen

Je komplexer die Welt ist, desto mehr Bedeutung bekommt das Erleben. Die damit verbundene Emotion bleibt in Erinnerung und das ist es, was wir gerne weitererzählen und damit auch selbst wiederum stärker im Gedächtnis verankern.

Die Neugier ist der Schlüssel, um über das Gewohnte hinauszublicken. Die richtige Dosis ist sicherlich noch ein Faktor, der individuell und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ist. Manche vertragen mehr davon, andere kommen schon mit kleinen Dosierungen an ihre Grenze. Doch je häufiger Sie es probieren, desto offener werden Menschen und damit auch die Unternehmen, in denen sie arbeiten.

Wann haben Sie sich das letzte Mal inspirieren lassen?

  • Den Blick nach draussen über den eigenen Gartenzaun gerichtet und mit Erstauen gesehen, was dort möglich ist?
  • Sich mit anderen darüber ausgetauscht?

Mehr zu Rapahel Gielgen im Interview über Trendforschung bei Vitra.

Der Raum verbindet die Gegensätze

Räume in Unternehmen orientieren sich zunehmend an öffentlichen Räumen. Sie schaffen Platz für Begegnung und Austausch. New Work bietet offene Räume für das Teilen von Erfahrungen, für das gemeinsame Entwickeln von Ideen. Das setzt Wohlfühlen voraus. Statt funktionalen und nüchternen Räumen wohnliche Umgebungen. Dazu gehören gerade in einer digitalen Welt die Farben und die Wahl der Materialien, die Haptik.

Beispiele, wie die Verbindung der Gegensätze aussehen kann, finden Sie hier in dieser Bildergalerie, die die Zentrale von Airbnb zeigt.

All das zusammen erzeugen sie ein Gefühl der Erdung, im besten Fall eine Identifizierung, ein Dazugehören. Dazu fiel mir wieder die Kernaussage von Gerald Hüther, einem bekannten Hirnforscher, ein: laut Hüther sind unsere Grundbedürfnisse die nach Zugehörigkeit, nach Verbundenheit und nach Sinn in dem, was wir tun.

Übertragen könnte das hier so zu verstehen sein:

  • Zugehörigkeit – zu den Werten und der Kultur eines Unternehmens
  • Verbundenheit – mit den Menschen und der Umgebung
  • Sinn – es lohnt sich, Energie einzusetzen

Wie sieht Ihr Raum aus, in dem Sie arbeiten? Oder anders herum:

In welchem Raum möchten Sie sich in Zukunft aufhalten?

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