Wann haben Sie das letzte Mal in einem Weiterbildungskatalog geblättert? Bestimmt haben Sie die ein oder andere Anregung gefunden und sich das Seminar vorgemerkt. Noch gibt es sie ja, die Kataloge, die auf lange Sicht hin planen. Auf Vorrat eben. 

Die Realität sieht meistens anders aus. Ob Digitalisierung oder Globalisierung. Fachkräftemangel oder der demografische Wandel schnell auf einen Bedarf reagieren und dabei noch möglichst flexibel sein, das ist heute wichtig. Allerdings erfordert das ein anderes Denken, eine neue Herangehensweise. Ein Weiterbildungsprogramm blickt weit in die Zukunft. Doch was nützt es Ihnen, wenn die für Sie relevanten Themen erst in einem halben Jahr drankommen? Von heute auf morgen ist es notwendig, dass Sie sich in eine neue Software einarbeiten. Ein aktuelles Projekt erfordert, dass Sie ad hoc in ein ganz neues Themengebiet eintauchen. Da sind Sie selbst gefordert, sich in die Logik der Software hinzudenken. Oder sich kurzerhand einen Überblick in ein komplexes Thema zu verschaffen.

Planen Sie Ihr Lernen wie eine Reise

Lernen auf Bedarf – Lernen „To go“

Das gelingt, wenn Sie ein eigenverantwortlicher und selbstorganisierter Lernender sind. „Was brauche ich, um das Projekt x zu stemmen oder überhaupt in Gang zu bekommen?“ „Wie komme ich an die Informationen? Wer kennt sich aus?“ „Wie aktiviere ich meine Kollegen und Mitarbeiter?“ Da ist Bewegung drin, das ist der Kern des agilen Lernens.

Beim agilen Lernen kommen Sie idealerweise ins Tun. Sie lernen etwas, um es demnächst anzuwenden. Nicht irgendwann einmal in drei Monaten oder nur eventuell, weil sich der Bedarf schon wieder geändert hat. Sie lernen zeitnah, denn sonst haben Sie das meiste ja schon wieder vergessen! Logischerweise ist der Frust dann groß. ‚Das habe ich schon mal gewusst und jetzt muss ich da nochmal durch! Ach nö!‘

Eine gute Planung erleichtert das Lernen

Zwei Lerntypen – anders als Sie denken!

Von heute auf morgen fällt ein Kollege für eine längere Zeit aus. Ab jetzt sofort übernehmen Sie die Aufgaben. Allerdings haben Sie nur eine vage Ahnung von dem, was zu tun ist. Und nun? 

A. Auch das noch, schon wieder was Neues! Zudem gibt es kaum Unterlagen über die Arbeit des Kollegen. Sie müssen also selbst aktiv werden und sich selbst organisieren. Mal angenommen, Sie sind es gewohnt, Neues eher über Seminare zu lernen. Dann betreten Sie jetzt Neuland. Das heißt, Sie suchen selbst die notwendigen Informationen zusammen, bewerten diese und setzen Prioritäten: was ist wirklich wesentlich? Irgendwo in Ihrem Arbeitspensum brauchen Sie noch die Zeit, um sich diesen Inhalten intensiver zu widmen. Das Lernpensum einteilen, das geht gerade noch. Kommen Sie auch gut mit der Langstrecke zurecht? Wie gelingt es Ihnen, auf längere Zeit an einem Thema motiviert dranzubleiben?

B. Vielleicht gehören Sie zu denen, die generell offen für Neues sind. Weil es Abwechslung verspricht oder sich spannend anhört. Der erste Schritt ist hier schnell getan. Mal zwischendurch hinein schnuppern und schauen, was schon intuitiv klappt. Fehler sind nicht auszuschließen, klar. Wie gehen Sie mit sich um, wenn erste Hürden auftauchen? Wenn Sie das Gefühl haben, die Logik der Software einfach nicht zu verstehen? Wenn Sie zum fünften Mal an derselben Stelle sind und wieder nicht weiterkommen? Wenn es so richtig zäh wird und aus der anfänglichen Spannung nur noch Anspannung übrig bleibt?

Ob Sie sich eher zu A oder zu B zugehörig fühlen oder ob es eine Mischung aus beiden ist: Sie brauchen vor allem die Kompetenz, in diesen Situationen mit sich selbst gut klarzukommen. Ach ja, denken Sie jetzt wahrscheinlich, das sind diese weichen Faktoren! Aber ich brauche die Fakten, die Inhalte, die Abläufe und vieles andere mehr! Das ist doch wichtig, oder? 

Wie steht es um Ihre Selbstlernkompetenzen?

Damit das alles gut gelingt, brauchen Sie genau diese Kompetenzen des selbstgesteuerten Lernens. Das, was oft ganz nach hinten geschoben wird, weil es oft heisst: „Das kann doch jeder!“ Keine Zeit, keine Ressourcen und – es geht doch auch so, oder? Irgendwie schon, klar. Aber es sind genau die Faktoren, die zukünftig an die erste Stelle gehören. Der freundliche Umgang mit sich selbst, die Regulierung der Emotionen und der Blick auf die Ressourcen. Parallel dazu die Kompetenz, selbstorganisiert das eigene Lernen zu planen und zu steuern. Beides hat als Zukunftskompetenz noch viel Nachholbedarf. Der Nutzen sei auch noch erwähnt: weniger Zeitaufwand, mehr Motivation, eine bessere Stimmung, ein offener Umgang mit Neuem.

Das Lernen organisieren

Das Lernen selbst organisieren – agil und transparent!

So, wie Sie eine Reise planen, können Sie Ihr Lernen planen. Wo stehen Sie aktuell, wo wollen Sie hin? Wie viel Zeit haben Sie täglich dazu? Wer begleitet Sie oder mit wem können Sie sich unterwegs austauschen? Wie definieren Sie die Lernschritte und teilen sie in alltagstaugliche Häppchen auf? So, dass Sie dranbleiben und weiterkommen. Den Faden nicht aus den Augen verlieren, der Sie zum (Lern-)Ziel führt. Wann machen Sie eine Pause, um sich neu zu orientieren – sind Sie noch auf dem Weg, hat sich das Ziel eventuell verändert? Flexibilität ist so ganz anders möglich als in Seminaren mit festgelegten Inhalten und Abläufen.

Mit welchen Tools lernen Sie? Sind es Videos, lernen Sie online oder klassisch? Allein oder im Austausch? Wenn Sie sich mit Kollegen vernetzen und austauschen, erfordert das wiederum andere Kompetenzen. Teamfähigkeit, Kommunikation und die Bereitschaft, andere zu unterstützen oder selbst danach fragen. Lernen geht auch prima im Team. Sie können sich die Inhalte aufteilen und sich regelmäßig darüber austauschen. Das geht schneller, als wenn jeder sich selbst alles beibringen soll. Lernen ist so viel tiefer und nachhaltiger, weil Lücken schneller sichtbar werden und ausgeglichen werden können.

All das hat Gemeinsamkeiten mit agilen Methoden wie zum Beispiel Kanban. Das Tool, ursprünglich entwickelt, um die Projektorganisation transparent zu machen, eignet sich ebensogut für Lernprojekte. Ich nutze Trello. Damit können Sie planen – was alles zu tun ist, was gerade aktuell ansteht und was Sie schon erledigt haben. Dadurch ist der (Lern-)Fortschritt sichtbar, gleichzeitig haben Sie eine hohe Flexibilität. Schnelle Veränderung sind möglich und Sie können es prima im Team nutzen. Jeder sieht, wer was zu tun (zu lernen) hat und wie der aktuelle Wissensstand- oder Lernfortschritt aussieht.

Lernen in Häppchen

Lernen in schmackhaften Portionen

Als Lernbegleiterin kenne ich die typischen Hindernisse und zeige Ihnen, wie Sie damit so umgehen, dass Ihr Lernen erfolgreich ist.

  • Die Denkfallen, die immer wieder auftauchen, können Sie diese wesentlich schneller als solche entlarven: „Das konnte ich noch nie!“
  • Neue Techniken offenbaren ihre Tücken und laden zum Stresserleben ein – mit Methoden zur Stärkung der Selbstwirksamkeit umgehen Sie diese.
  • Zum Dranbleiben an kniffligen Themen setzen Sie mentale Techniken ein.
  • Damit Sie trotz vielen Informationen den Überblick behalten, nutzen Sie visuelle Techniken.
  • Lernen Sie von sich – reflektieren Sie Ihren Lernprozess – was bringt sie weiter, was klappt wieder Erwarten doch nicht wie geplant.

All diese Kompetenzen sind bei vielen Menschen noch im Entwicklungsstadium. Da funken Glaubenssätze in den Alltag hinein, die sich bei Herausforderungen gerne in den Weg stellen: „Das ist aber echt schwierig.“ „Das ist mir zu komplex – das mache ich einfach nicht. Jedenfalls nicht jetzt.“ Manch ein Lernender kommt in Stress, weil er oder sie sich extrem anstrengen, um das alles doch hinzubekommen. Da sind die Antreiber wie Perfektionismus oder „Streng dich an!“ aktiv. Sie können lernen, damit besser und leichter klarzukommen. Lernen Sie das Lernen neu!

Lerntipp: Lernen Sie zusammen mit anderen!

Übrigens, extrem hilfreich ist es, wenn Sie sich mit jemandem austauschen können. Ein Kollege, der sich schon besser damit auskennt. Oder einer, der gerade auf demselben Weg ist. Lernen wird zukünftig viel mehr im Austausch miteinander stattfinden, in der Vernetzung. Wir alle, Sie und ich, können so vielfältig voneinander profitieren. Von den Erfahrungen, den Fragen, die jeder mitbringt.Wir können uns gegenseitig bestärken und ermutigen. Das geht vor Ort im direkten Kontakt oder immer häufiger über Online-Communities.

Wo stehen Sie in der Entwicklung Ihrer Lernkompetenzen? Was klappt gut, wo sehen Sie Handlungs- oder Entwicklungsbedarf?  Schreiben Sie mir gerne einen Kommentar

Hier können Sie an meinem Seminar teilnehmen.

Wann sind Sie so motiviert, sich anzustrengen, um etwas zu lernen? Macht es Sinn? Lohnt sich die Anstrengung? Die Frage ist immer da, ob es Ihnen bewusst ist oder nicht. Was gefällt den 83 Milliarden Neuronen denn so gut, dass sie aktiv dabei sind? Auf der diesjährigen Learntec in Karlsruhe ging es in den Vorträgen häufiger darum, wie sich Lernende offline und online motivieren, mit Hürden umgehen und erfolgreich dranbleiben.

Die erste Hürde kann schon am Start stehen, insbesondere dann, wenn es um Formale abseits des Präsenzlernens geht. Beim Präsenzlernen sind Lernende nun mal vor Ort. Beim Onlinelernen liegt es am Lernenden, wann er sich die Lernzeit nimmt. Oft ist das erst dann der Fall, wenn alles andere endlich erledigt ist.

Die zweite Hürde ist die, wenn es nicht so klappt wie geplant. Es geht nicht so schnell voran, das kann frustrieren oder es passieren Fehler. Auch das ist Teil des Lernens. Hier kommen die Selbstlernkompetenzen zum Einsatz. Wie gut können Sie sich – gerade beim E-Learning -selbst organisieren? Und wie steht es um die Emotionsregulierung? Das waren neben all den technischen Möglichkeiten die, die mir am meisten aufgefallen sind. Ohne die Kompetenzen der Lernenden wird das alles nicht funktionieren.

Wie gelingt digitales online Lernen, wenn Sie allein vor dem Monitor sitzen?

Das Gehirn funktioniert sehr verlässlich und bleibt sich treu, egal, wie sich die Technik entwickelt. Denn Menschen lernen vor allem von anderen Menschen, durch Beobachtung und Interaktion. Das fängt bereits beim Säugling an und bleibt zeitlebens bestehen. Sozusagen die Ur-Form des Lernens. Wir sind soziale Wesen und brauchen den Austausch, die Bestätigung und Rückkoppelung von anderen Menschen. Darum ging es beim Vortrag der Sozial- und Neurowissenschaftlerin und Science-Slammerin Franca Parianen, die in Utrecht forscht. Mit „83 Milliarden Nervenzellen gefällt das“ hat sie ihren sehr kurzweiligen Vortrag betitelt.

Antriebskräfte Gehirn Vortrag Learntec
Vortrag Franca Parianen

(Ab-)Lenkung und Orientierung

Was für andere Menschen eine Bedeutung hat, erkennen Sie daran, wohin sie schauen. Denn im Vergleich zu den Primaten unterscheiden sich unsere Augen auf eine sehr markante Weise. Es ist das Weiße des Augapfels. Achten Sie mal darauf! Dadurch können Sie schnell erkennen, wohin etwa Ihr Gegenüber schaut. Ist er noch bei Ihnen und präsent oder gerade abgelenkt? Sie sehen, was für andere bedeutsam oder interessant ist. Das kann durchaus auch für Sie wichtig sein. Dem kann man sich kaum entziehen.

Ausserdem können wir auf etwas zeigen: da ist etwas, was wichtig ist! Und schon wird der Blick dorthin gelenkt. Wir geben eine Richtung, eine Orientierung, an: da geht es lang! Das kennen wir von Verkehrsschildern oder den Hinweisen, wo es zur nächsten S-Bahn Station oder zur Autobahn geht. Als soziale Wesen lernen wir ständig voneinander und orientieren uns an anderen, weil wir sowohl auf Bestätigung als auch auf Inspiration angewiesen sind. Doch das ist nicht alles.

Lassen Sie sich von Gefühlen anderer anstecken?

Die Blickrichtung und das Zeigen sind offensichtlich. Viel subtiler, aber genauso wirkungsvoll ist, dass sich die eigene Haltung zu einem Thema überträgt. Ob Sie es wollen oder nicht. Das kennen Sie sicher aus Besprechungen. Sie können schnell wahrnehmen, ob der Sprechende zu seinen Aussagen steht oder nicht. Diese Übertragung von Emotionen ist eine „Gefühlsansteckung“.

Diese Ansteckung ist in beiden Richtungen möglich. Sind Sie mit miesepetrigen Menschen zusammen, kann sich das auf Ihre Stimmung übertragen. Wenn Sie etwas neu lernen und es gut läuft, Sie etwas verstanden haben, einen Ablauf nachvollziehen können, dann fühlt sich das so gut an, dass Sie sogar mehr davon haben wollen. Ihr Gehirn schüttet Dopamin aus, das fühlt sich gut an und Sie wollen mehr davon. Diese gute Stimmung überträgt sich hoffentlich ebenso auf die Kollegen und motiviert diese, ebenfalls weiter zu lernen. Entscheidend für die Dopaminausschüttung dafür ist allerdings die Ausgewogenheit. Garant für Lernfrust sind entweder Überforderung oder Unterforderung.

Emotionen in Balance – jeden Tag ein wenig anders

Ich mache jeden Tag für ein paar Minuten ein Gleichgewichtstraining. Die Übung ist identisch, das Gefühl der Balance interessanterweise sehr unterschiedlich. So ähnlich ist es mit dem Lernen und mit der Motivation. Die richtige und passende Balance zu finden und zu halten, Anforderung und die eigene Erwartung immer wieder neu auszubalancieren, das ist jedes Mal wenig anders. Eine Unterforderung demotiviert. Eine zeitliche oder inhaltliche Überforderung erstickt den Lernwillen ebenso. Was davon können Sie selbst bestimmen oder mit beeinflussen?

Wie steht es um Ihre Motivation, sich mit neuen Themen zu befassen oder Ihre Einstellung zu einer Sache zu hinterfragen? Wenn es die Erwartung von aussen ist und es schwierig oder zäh wird, kippt sie ganz schnell. Wie gehen Sie in einem solchen Fall mit sich selbst um, wenn es nicht auf Anhieb oder auch im dritten Anlauf nicht klappt? Ist Weitermachen jetzt eine Option? Das kann anstrengend werden.

Wie können Sie Ihre Stimmung wieder regulieren und neu starten?

  • Abstand schaffen, erst einmal etwas ganz anderes tun, was aus Erfahrung gut läuft. Der Knoten im Gehirn lockert sich.
  • Verlassen Sie wenn möglich den Arbeitsplatz, ändern Sie den Blick auf die Situation.
  • Fragen Sie Kollegen, lassen Sie sich ermutigen oder besser noch: erklären, wie das, was Sie lernen wollen, funktioniert. Die Stimmung klärt sich.
  • Sie können sich Situationen ins Gedächtnis rufen, wo es Ihnen ähnlich ging und Sie dann doch die Kurve bekommen haben
  • Überprüfen Sie Ihr Vorhaben, ändern Sie die Ziele, schaffen Sie bessere Voraussetzungen, um weiterzumachen. Atmen Sie tief durch!

Lernen und Austauschen

Zu leicht, zu schwer oder gerade richtig?

Mit zu leichten Aufgaben und Anforderungen gibt es aus Sicht des Gehirns keinen Grund zur Belohnung. Zu schwer darf es auch nicht sein. Die Balance beim Lernen besteht darin, mit einer positiven Erwartung („Das bekomme ich hin!“) auf ein Ziel „Das will ich erreichen!“ hinzuarbeiten.

Der ideale Lernzustand. Wenn Sie oder andere zu viel erwarten, was Sie gar nicht leisten können, wird Anti-Dopamin ausgeschüttet und Sie erleben Frust und sind schneller erschöpft. Bei zu viel Druck und Anpassung wird die eigene Performance etwa 20 Minuten gut aufrecht erhalten, um dann kontinuierlich abzusacken, so Franca Parianen.

Wenn etwas gut klappt, dann wollen Sie mehr davon! Deswegen ist die Einteilung des Stoffes oder der Lektionen ja so entscheidend beim Selbstlernen. Denn die eigene, intrinsische Motivation kann sich regenerieren. Bei der Motivation von aussen ist das nicht so. Sie brauchen mehr Geld oder mehr Anerkennung, um irgendwie dranzubleiben.

Wenn die Anforderungen gut ausgewogen sind, werden Dopamin und Endorphine ausgeschüttet und Sie freuen sich sogar auf die nächste Herausforderung. Diese gehen Sie mit positiver Erwartung an. Gerne wollen Sie andere daran teilhaben lassen. Ganz selbstverständlich ergibt sich daraus der Austausch unter Kollegen. Diese lernen wiederum von Ihnen und umgekehrt. So sieht das Lernen der Zukunft aus, denn einer allein kann nicht alles wissen und können. Gut sind wir nur in der Gemeinschaft. Diese braucht als Grundgefühl das Vertrauen. Ohne dies trauen Sie isch nicht, auch mal Fehelr zu machen. Die gehören zum Lernen immer mit dazu.

Wenn Kinder das lernen, können Erwachsene das auch, oder?

In der digitalen Welt klappt das mit der sozialen Interaktion leider nicht mehr so gut. Sie sehen nicht, wie es anderen geht oder wie andere reagieren. Das Spiegeln, was schon Säuglinge können, nämlich auf die Mimik des Gegenüber reagieren, fällt hier aus. Gerade deswegen sind soziale Kompetenzen in der digitalen Welt enorm wichtig. Zwischentöne wahrzunehmen, statt davon auszugehen zu wissen, was der andere meint. Dazu gehört ebenso, die eigenen Gefühle in ihrem ganzen Spektrum überhaupt wahrzunehmen und in der Lage zu sein, angemessen damit umzugehen. Sie zu artikulieren oder zu regulieren. Das ist übrigens keine Sache von Erwachsenen, sondern das können schon Kinder im Kindergarten lernen! wenn das für Sie interessant ist, aus dem Modellprojekt des znl (Zentrum für Neurowissenschaft und Lernen) in Ulm ist jetzt eine Akademie entstanden: www.znl-emil.de.

Ohne diese Kompetenz neigen Menschen dazu, ihre Gefühle lieber auszublenden. Sie machen sich zum Beispiel weniger die Mühe, genau zuzuhören. Selbstüberschätzung auf der einen Seite und Anpassung an die allgemeine Meinung auf der anderen Seite sind mögliche und fatale Folgen.

Lebenslanges Lernen ist notwendig, aber weit weg von der Realität

Lernen und Veränderung gehen Hand in Hand. Wie schnell lernen Sie und wie gut kommen Sie mit Veränderungen zurecht? Die Veränderungskompetenz ist neben dem Lernen das, was neben den digitalen Kompetenzen die Zukunft entscheidend mit bestimmen wird. Das hat Dirk Röhrborn, Mittelstands-Sprecher der Bitkom e.V., in seinem Vortrag thematisiert.

Beim Stichwort Lebenslanges Lernen nicken zwar die die meisten Menschen: „Ja, klar, das ist wichtig und wohl notwendig.“ Aber, laut Röhrborn, haben nur 4 von 10 Firmen überhaupt eine Strategie dazu. 78% der Unternehmen sind sich bewusst, dass digitale Kompetenzen wichtig sind, aber im Alltag bleibt das oft auf der Strecke. Ein weiteres Vorurteil sei, dass man die älteren und erfahrenen Mitarbeiter sowieso nicht mehr ins Boot bekommt. Was ein großer Irrtum und ganz nebenbei eine Missachtung von Ressourcen sei, so Röhrborn. Lernen ist uns angeboren und es hört auch mit einem bestimmten Alter oder einer Erfahrung nicht auf. Es verändert sich. Um arbeitsfähig zu bleiben, ist eine permanente Anpassung und damit Veränderungsbereitschaft notwendig. Auch diese ist übrigens lernbar!

Für was lohnt es sich denn nun?

Für was lohnt sich der Aufwand? Im Vortrag von Julien Boppert wurde das sehr übersichtlich dargestellt: Lernen brauchen wir für Neues, um vorhandenes Wissen oder Kompetenzen zu vertiefen, um das wiederum nicht nur zu wissen, sondern auch um es anzuwenden und vor allem dazu, um Probleme zu lösen. Das wiederum führt zu neuen Veränderungen. Dieses Lernen auf den verschiedenen Ebenen wird zukünftig viel mehr auf der Eigeninitiative basieren. Mitarbeiter sehen, was ihnen an Wissen oder Kompetenzen fehlt und eignen sich diese an.

Meine Quintessenz von der Learntec

Atmosphäre auf der Learntec 2019 Karlsruhe

Veränderung geht nur mit Anpassung und dafür ist Lernen die Voraussetzung. Es gelingt in Eigeninitiative und selbstorganisiert, wenn das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und das Zutrauen von aussen vorhanden ist. Ein zeitlicher und im wahrsten Sinne des Wortes ein realer Rückzugsraum ist hilfreich. Doch da sollte Lernen nicht stehen oder steckenbleiben. Sondern es sollte selbstverständlich weitergehen, indem die Ergebnisse mit Kollegen geteilt, ins Intranet gestellt und in Lerngruppen diskutiert wird. Die diesjährige Learntec bot eine überaus angenehme Atmosphäre, um zu pausieren, sich auszutauschen und den Input sacken zu lassen.

Fragen, die mich weiter beschäftigen:

  • Was brauchen Sie oder Ihre Mitarbeiter neben Tools und Programmen, um nicht schon am Anfang ans Scheitern zu denken?
  • Wie können sie ihre Kompetenz zur Selbstorganisation, insbesondere beim E-Learning, ausbauen und stärken?
  • Sind Sie im Unternehmen offen für Lerngruppen? Die sich etwa komplexe Themen aufteilen und das Wissen zusammenzutragen und darüber diskutieren?
  • Wie gehen Sie mit Emotionen um, um das Denken bei Problemlösungen nicht zu blockieren?

Auf all diese Fragen gibt es keine perfekten und schnell erfolgreich umsetzbare Antworten. Doch viele Ideen und Anregungen dazu, was Sie und Ihre Kollegen an ergänzenden Kompetenzen brauchen, um selbstorganisiert und gelingend zu lernen. Damit Dopamin ausgeschüttet wird und Sie motiviert weiterlernen und dranbleiben.

Sprechen wir darüber! Gerne nehme ich mir die Zeit, um mit Ihnen in einen Austausch zu kommen.

Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir!

Wie oft haben Sie schon versucht, eine Gewohnheit zu verändern und es ist Ihnen auch gelungen? Also auf Dauer gelungen? Ich vermute mal, dass die Quote des wieder-in-das-alte-Muster-zurückfallen höher ist als die Quote des Gelingens. Übrigens liegt die übliche Erfolgsquote bei dem Verändern von Gewohnheiten bei mageren 8%! Oder anders herum, in 92% aller Fälle gelingt die Veränderung des Gewohnten nicht. Woran liegt das bloss?

Gerade der Jahresbeginn ist oft der Anlass, etwas anders machen zu wollen. In der Hitliste der Neujahrsvorsätze sind mehr Sport und Gesundheit immer unter den ersten 5. Doch viele fangen erst gar nicht mit etwas Neuem an. „Klappt ja doch nicht!“ Und wer möchte schon wissentlich Frust erleben? Dann lässt man es lieber gleich so, wie es ist.

DAK-Umfrage zu guten Vorsätzen

Laut dieser Statistik sind 37 % mit guten Vorsätzen in das Jahr gestartet, die Hälfte, das sind 18,5%, hat sich mehr oder weniger lange darangehalten. Die anderen haben ihr Vorhaben nicht umgesetzt. Da leidet natürlich das Selbstwertgefühl. Sie kennen das sicherlich auch. Wenn Ihnen etwas, was Sie tun wollten, nicht gelungen ist. Bei der nächsten Gelegenheit kann es sein, dass Sie sich das, was Sie tun wollen, gar nicht mehr zutrauen. Das wäre echt schade! Aber warum ist es bloß so schwierig, etwas zu verändern?

Machen Sie es sich leichter!

Das Verändern von Gewohnheiten beginnt zuerst im Kopf. Und zwar im Gehirn. Doch viele Menschen – das erlebe ich ganz oft in meiner Praxis – wissen gar nicht, wie Ihr Gehirn ‚tickt‘ und sie machen es sich unnötig schwer. Wer gegen die Arbeitsweise seines Gehirns antritt, verbraucht nicht nur unnötig viel Energie, sondern die Veränderungen gelingen oft nicht. Denn was das betrifft, ist unser Gehirn ziemlich träge. Es sei denn, Sie sind schwer verliebt. Oder Ihnen brennt etwas unter den Nägeln und es geht gar nicht mehr anders.

In den meisten anderen Fällen ist es sinnvoll, wenn Sie die Arbeitsweise und damit auch die Trägheit Ihres Gehirns besser kennen und nutzen. So stehen Sie sich nicht selbst im Weg, sondern finden Wege, wie Sie neue Gewohnheiten etablieren.

Das Gute an Gewohnheiten

Etwa 45% unseres Tuns basiert auf Gewohnheiten. Unser Gehirn liebt und braucht Gewohnheiten, denn sie verbrauchen wenig Energie. Routinen und wiederkehrende Abläufe werden zu einer Gewohnheit, an die wir nicht mehr bewusst denken müssen. Das ist tief in unserem Gehirn verankert (in den sogenannten Basalganglien). Das ist der Energiesparmodus. Damit befinden Sie sich in Ihrer Komfortzone. Das ist das, was Sie kennen und wo Sie sich auskennen. Eben die Gewohnheiten.

Für all die Situationen, in denen Sie aufmerksam sind oder Entscheidungen treffen müssen, zuhören oder etwas planen, brauchen Sie einen anderen Bereich, das ist der hinter Ihrer Stirn (der präfrontale Kortex). Der verbraucht viel Energie und ist nach einer Weile einfach ausgepowert. Dieser Bereich steht übrigens auch für die Willensstärke und Ausdauer.

Von der Autobahn auf den Trampelpfad

Gewohnheiten und Routinen sind wie Autobahnen in Ihrem Gehirn. Es läuft schnell und reibungslos. Wenn Sie hier etwas verändern wollen, ist es so, wie wenn Sie auf einer Autobahn, auf der Sie gerade zügig unterwegs sind, plötzlich die Ankündigung einer Baustelle sehen. Sie würden verständlicherweise lieber weiterfahren als im Stau zu stehen. So geht es unserem Gehirn auch. Gewohnheiten sind wie 6-spurige Autobahnen. Das sind dicke Nervenstränge, über die die Impulse echt schnell unterwegs sind.

Es ist leichter, neben der Autobahn nach und nach einen neuen Weg zu bauen, der den Verkehr auf der Autobahn nicht behindert. Nach und nach wird der Weg breiter und Sie können ihn alternativ zur Autobahn nutzen. In Ihrem Gehirn bilden sich dazu neue Verknüpfungen. Das allerdings geht nicht von heute auf morgen, sondern braucht etwas Geduld. Das geht am besten mit kleinen Schritten und stetigen Wiederholungen.

Kleine Schritte erzeugen keinen Widerstand

Neue Wege im Gehirn zu bauen klappt am besten mit neuen kleinen Gewohnheiten. Also keine Großbaustelle, sondern kleine Schritte, die wenig Energie verbrauchen. Denn das Gehirn ist ein Energiesparer und Sie kennen das: bei Veränderungen gibt es einen inneren Widerstand. Sie wollen, aber die Komfortzone des Gewohnten will doch nicht. Wenn Sie mehr Sport machen möchten, dann fangen Sie an, jeden Tag einmal für ein Stockwerk Treppen zu steigen anstatt den Fahrstuhl zu nehmen. Mehr nicht, aber das jeden Tag einmal. Das ist eine Mini-Gewohnheit.

Nervenzellen verknüpfen sich für neue Gewohnheiten
Neue Gewohnheiten brauchen neue Verknüpfungen

Wenn Sie joggen gehen wollen, fangen Sie damit an, dass Sie Ihre Schuhe in den Flur stellen. Am nächsten Tag können Sie sie anziehen und mal vor die Tür gehen. Mehr nicht. Am Folgetag vielleicht bis zum Briefkasten, aber nicht mehr. Sie könnten auch bis zum Fitnessstudio gehen und dann wieder umkehren. Mehr nicht. Sie gehen damit den Weg des geringsten Widerstands, erleben sich selbst gleichzeitig als selbstwirksam!

Eine Minute haben Sie doch, oder?

Eine kleine Gleichgewichtsübung beim Zähneputzen, das tun Sie ja sowieso. Oder Sie lernen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit eine Vokabel. Oder Sie machen jeden Tag eine kleine Achtsamkeits- oder Entspannungsübung von einer Minute.

Wenig Aufwand, viel Wirkung – auf Dauer

Was ist Ihre Idee, die klein ist und sich ohne Aufwand ausführen lässt? Etwas, was Sie tatsächlich jeden Tag tun können? Diese Mini-Aktivitäten haben den Charme, dass sie wenig Überwindung oder Motivation erfordern. Auf Dauer wird tatsächlich eine Gewohnheit daraus. Diese wiederum bedeutet für Ihr Gehirn einen geringeren Energieverbrauch und wird sogar zu einem Teil Ihrer Komfortzone!

Viel Aufwand, wenig Wirkung

Große Vorhaben – jede Woche dreimal joggen gehen, mindestens 30 Minuten – erfordern einen hohen Energieaufwand. Oder eine richtig gute Entspannungstechnik erlernen, alle zwei Tage 20 Minuten. Zuerst einmal geht es ja darum, im vollen Tages- und Wochenablauf überhaupt diese Zeit zu finden, um joggen zu gehen oder sich zu entspannen. Wenn Sie nach Hause kommen und müde sind, erfordert es einen ziemlichen Energieaufwand, sich zu etwas Neuem zu überwinden. Ihr Körper ist das gar nicht gewohnt und will viel lieber auf das Sofa. Schnell finden Sie ganz viele Gründe, warum es doch nicht geht. Zumindest aktuell nicht. Vielleicht morgen. Oder übermorgen. Dann, wenn schönes Wetter ist, der Tag nicht so anstrengend war. Und so weiter.

Stabilität durch Wiederholungen

Gewohnheiten brauchen Wiederholung, bis sie stabil sind. Ich werde oft gefragt, wie viele Wiederholungen denn nun notwendig sind. Hier gibt es keine feste Messgröße. Es kommt darauf an, ob es um eine größere oder kleinere Veränderung geht. Im Durchschnitt brauchen Sie etwa 66 Wiederholungen oder 66 Tage, bis sich eine neue Gewohnheit etabliert hat, die dann kaum noch Energie erfordert und woran sich der Körper und Ihr Denken auch gewöhnt hat. Es kann durchaus kürzer oder wesentlich länger sein.

Eine Besonderheit: Gewohnheiten und Stress

Wenn Sie gestresst sind, fallen Sie eher in die üblichen unerwünschten Angewohnheiten zurück. Ihre Energie ist sowieso schon stark reduziert, denn im Stress verbrauchen Sie entsprechend viel davon. Wenn Sie jetzt noch zu entscheiden haben, ob Sie nach Feierabend eine Runde joggen gehen wollen oder nicht, werden Sie es eher nicht tun. Doch gleichzeitig ärgern Sie sich über sich selbst, weil Sie ja vorhatten, etwas anders zu machen. In einem solchen Frust kann es sogar sein, dass der Griff zur Schokolade oder zur Chipstüte (oder was es bei Ihnen auch immer ist) schon vorprogrammiert. Das ist – was Ihr ursprüngliches Ziel betrifft – ziemlich kontraproduktiv. Erst recht dann, wenn Sie abnehmen wollten.

5 Tipps, wie Sie neue Gewohnheiten etablieren

  • Fangen Sie mit kleinen Schritten an, halten Sie die Schwelle zum Widerstand bewusst sehr niedrig! Eine Runde joggen? Das ist viel. Einmal ums Haus oder den Block herum ist wenig und eher machbar. Fangen Sie damit an und bleiben Sie bei diesem kleinen Schritt.
  • Kombinieren Sie zwei kleine neue Gewohnheiten miteinander. Einmal um den Block herum gehen oder joggen – da sind Sie ja schon in Bewegung. Sie können noch eine Kräftigungsübung damit verbinden. Oder – für diejenigen, die viel am Bildschirm sitzen – noch eine Nackendehnung mit einbauen. Oder mit einer kleinen Entspannung enden.
  • Verbinden Sie die neue kleine Gewohnheit mit einem festen Zeitpunkt. Genau dann und nicht später. Sie und Ihr Gehirn wissen, was zu tun ist und danach kann es abgehakt werden. Immer um 18.00 Uhr ist leichter, als jeden Tag neu zu entscheiden, wann Sie jetzt was tun werden. Wenn Ihnen das aber zu eng ist, können Sie sich auch vornehmen, etwas im Laufe des Tages oder innerhalb von 24 Stunden zu tun, wenn es sich praktischerweise ergibt.
  • Suchen Sie sich Verbündete! Es ist viel leichter, etwas zu lernen, sich mehr zu bewegen oder etwas Neues zu beginnen, wenn Sie das mit anderen zusammentun. Sich zu verabreden, ist schon eine andere positive Verpflichtung, als alleine die Energie aufzubringen, jetzt doch noch etwas zu tun.
  • Belohnen Sie sich, das gehört unbedingt mit dazu! Belohnungen können ganz unterschiedlich sein. Gut, wenn Sie abnehmen wollen, ist eine Süßigkeit sicherlich nicht das Optimale. Belohnungen können sehr individuell ausfallen: wenn Sie lernen, registrieren Sie bewusst, wieviel mehr Sie nach einer Woche oder einem Monat wissen! Wenn Sie sich mehr bewegen, beobachten Sie, wie sich Ihr Körper nach zwei oder drei Wochen schon anders anfühlt und die Anstrengung anders wahrgenommen wird. Wenn Sie etwas erreicht haben, kann auch einKino- oder Konzertbesuch eine tolle Belohnung sein.

Wichtig ist es hier, auch die kleinen Schritte und Erfolge zu sehen und sich wirklich zu belohnen und diese nicht aufzuschieben, weil Sie Ihr großes Ziel noch nicht erreicht haben. Sich selbst zu beschummeln ist keine clevere Strategie.

Eine Gewohnheit ist eine Gewohnheit und hat immer einen Auslösereiz

Ob es Ihnen bewusst ist oder nicht, eine Gewohnheit folgt immer einem bestimmten Muster.

Im Frust oder auch aus Langeweile oder weil die Stimmung im Keller ist, greifen Sie zur Schokolade. Es gibt also einen Auslösereiz (Stress oder Frust als Beispiel), dann die Routine (der Griff zur Schokolade) und die Belohnung (durch das Essen der Schokolade).

Wenn Sie eine solche Gewohnheit verändern wollen, ist die Preisfrage die nach dem Auslöser. Ist es Hunger oder Langeweile, das Bedürfnis nach Kontakt oder einer Pause, die man sich aber nicht gönnt? Einfach das Bedürfnis nach einer Belohnung, weil die Aufgaben echt fordernd sind? Welches Bedürfnis steckt tatsächlich dahinter? Das bedarf dann einer genauen Analyse, die Sie durchaus selbst durchführen können. Selbstbeobachtung und ein bisschen Experimentierfreude ist dabei echt hilfreich. Sie lernen sich besser kennen und wissen nach ein paar Wochen genauer, was Sie wirklich in welcher Situation brauchen und was Ihnen tatsächlich guttut!

Manche Gewohnheiten sind leicht zu verändern. Andere Angewohnheiten sind vielschichtig und komplex. Hier dauert es länger, die Mechanismen aufzudecken, um eine passende Strategie zum Verändern von Gewohnheiten zu erarbeiten. Eine professionelle Begleitung unterstützt Sie, damit aus eingefahrenen Routinen neue hilfreiche Gewohnheiten entstehen. Zumal es mit einer Begleitung leichter ist, geduldig und ausdauernd dranzubleiben.

Schreiben Sie mir eine Mail oder rufen Sie mich an, damit wir einen Termin für ein kostenfreies Erstgespräch vereinbaren können.

Meine Literaturtipps dazu:

„Die Macht der guten Gefühle“, das ist der Titel eines Buches von Barbara Frederickson, den ich vor einer Weile wieder auf meinem Bücherstapel hatte. Sie hat insbesondere die Aspekte der positiven Gefühle und ihre Wirkung über Jahre hinweg genau untersucht. Dabei geht es ihr nicht um ein plakatives positives Denken. Sondern darum, zu verstehen, was die „guten Gefühle“ bewirken.

Zusammenhänge verstehen, die uralte Frage nach dem „Warum ist das so und was kann ich daraus lernen?“ das ist etwas, was mir am Herzen liegt. Hier stelle ich Ihnen einige Kernaussagen des Buches „Die Macht der guten Gefühle“ vor, die mich besonders zum Nachdenken angeregt haben.

Sie kennen das sicherlich. Der Tag lief gut, doch ausgerechnet dieses eine Meeting lief sowas von verquer, eine Aneinanderreihung von Missverständnissen, so dass ein Kollege schließlich entnervt gegangen ist. Dabei wollten Sie lediglich den Stand Ihres Projektes mitteilen. Bekommen Sie das wieder schnell aus dem Kopf? Wahrscheinlich beschäftigt Sie das noch eine Weile. Doch warum beschäftigen uns negative Gefühle immer viel mehr als die positiven Gefühle? Die positiven Gefühle sind schnell wieder vergessen, schade!

Unser Gehirn legt den Fokus dessen, was Sie erleben, eher auf die Gefahren: es neigt dazu, sich auszumalen, was alles passieren kann. Klar, denn Ihr Gehirn ist immer bestrebt, das Überleben seines Besitzers, also Ihres, zu sichern! Insofern hat der Blick auf Gefahren und das, was passieren könnte, auf jeden Fall seine Berechtigung.

Tun Sie etwas für Ihre Gefühlswelt!

Wenn allerdings dieses Denken (was alles passieren kann) in den Vordergrund rückt, blockieren Sie sich auf Dauer selbst, Ihr Selbstvertrauen leidet und die Stimmung geht sicher in den Keller. Sie überlegen jetzt vielleicht, wie Sie morgen dem Kollegen auf dem Flur begegnen. So tun, als ob nichts war? Die Situation noch einmal ansprechen? Das nächste Meeting abwarten?

Barbara Frederickson hat aufgrund vieler Studien herausgefunden, wie Menschen ihre Gefühlswelt selbst beeinflussen können, um ein gutes Maß von Vorsicht und Nachdenken auf der einen Seite und Zutrauen in sich selbst auf der anderen Seite für sich zu erreichen. Dazu ist eine positive optimistische Grundeinstellung, wie sie auch in der Resilienzforschung beschrieben ist, eine hilfreiche Basis.

Interessanterweise ist es so, dass positive, stärkende und glückliche Erlebnisse bei den meisten Menschen durchaus vorhanden sind! Wie viele kleine positive und erfreuliche Erlebnisse haben Sie täglich? Wie viele davon nehmen Sie bewusst wahr? Die meisten Menschen nehmen diese Emotionen im Gegensatz zu den ärgerlichen oder frustrierenden Erlebnissen weniger intensiv wahr. Das kleine Glück ist allzu sehr flüchtig, ein Fehler oder ein Missgeschick wirkt noch lange nach.

Ohne Emotionen keine Kommunikation
Die Balance zwischen positivem und negativem Erleben

Wie können Sie Ihre Gefühle ausbalancieren? Welches Verhältnis zu einem Ausgleich führt, hat Frederickson genau untersucht. Das Ergebnis Ihrer Forschung ist der Quotient 3-zu-1. Er bedeutet, dass drei positive Ereignisse ein negatives ausgleichen kann. Damit ist kein aufgesetztes Lächeln gemeint. Sondern tatsächlich ein Ausgleich in Form von Wertschätzung einem anderen gegenüber, einer freundlichen Geste oder einem konstruktiven Feedback. Sie kommen schneller wieder in eine gute Stimmungsbalance. Beste Voraussetzung für ein produktives Arbeiten.

Menschen mit einer positiven Grundeinstellung sind laut Frederickson gesünder und erfolgreicher. Sowohl im Beruf, in Partnerschaften als auch im Umgang mit anderen Menschen.

Wie kommen Sie denn zu (mehr) positiven Gefühlen?

10 Varianten positiver Gefühle, die am häufigsten anzutreffen sind (nach Frederickson)

  1. Freude – Leichtigkeit, Beschwingtheit
  2. Dankbarkeit – öffnet das Herz, erzeugt den Wunsch, ebenfalls etwas Gutes zu tun
  3. Heiterkeit – ein Gefühl des entspannt-zurücklehnend und einfach nur genießen wollen
  4. Interesse – erforschen und lernen wollen, Neugier, Anstrengung ist ok.
  5. Hoffnung – Sehnsucht nach Veränderung, die Überzeugung, dass sich etwas verändern kann
  6. Stolz – das Bewusstsein, etwas geleistet zu haben, was anerkannt wird, wirkt wieder motivierend
  7. Vergnügen – gemeinsam zu lachen, das wirkt ansteckend
  8. Inspiration – fesselt die Aufmerksamkeit, zieht in den Bann, nacheifern wollen, wachsen
  9. Ehrfurcht – innehalten, Faszination, erleben eines großen ganzen
  10. Liebe – umfasst und beinhaltet alle anderen Gefühle
  11. Wie gehen Sie jetzt am besten vor?

Anregung für Ihren Alltag – beobachten Sie Ihre Gefühle über eine Woche und nehmen Sie diese bewusst in Ihrem Alltag wahr.

Hier noch einige Anregungen zur genaueren Reflexion

  • Was sind für Sie die Auslöser für diese Gefühle?
  • Wann haben Sie das Gefühl in welcher Situation erlebt?
  • Was haben Sie in dem Moment getan?
  • Was können Sie tun, um dieses Gefühl erneut oder häufiger zu erleben?

Die Macht der Gefühle in Meetings

Frederickson berichtet in ihrem Buch von der Zusammenarbeit mit Dr. Marcial Losada. Er erforschte die Art der Kommunikation innerhalb von Teams im Verhältnis zu ihrer Performance.

Dabei ging er von 3 Fragen aus:

1. Ist die Kommunikation im Team positiv oder negativ?

2. Sind die Teammitglieder eher auf sich selbst zentriert oder können sie sich auf die anderen konzentrieren?

3. Sind sie untereinander fragend aktiv oder verteidigen sie ihren jeweiligen Standpunkt?

Dazu untersuchte er die Kommunikation in Meetings von 60 Teams. Dabei gehörten 25 Prozent zu den Teams, die am besten abschnitten. Die Teammitglieder waren angesehen, leistungsstark und erzielten hohe Werte z.B. bei der Kundenzufriedenheit. Dem gegenüber betrug die Quote der leistungsschwächsten Teams 30 Prozent. Ihre Leistung war schwach und sie Sie verfügten über wenig Flexibilität. Dazwischen lag die Mehrheit von 45 Prozent. Was genau macht nun den Unterschied zwischen den Teams aus?

Hier kommt wieder der Quotient ins Spiel. Sie erinnern sich – der Ausgleich von negativen zu positiven Ereignissen. Bei den leistungsstarken Teams wurde ein Quotient von 6-zu-1 gemessen! Im Vergleich: bei den leistungsschwachen Teams lag dieser gerade mal bei 1-zu-1. Eine negative Aussage gegenüber einer positiven Aussage. Hier findet kein Ausgleich statt!

Die Merkmale der leistungsstarken Teams in der Kommunikation

  • Viele Fragen und eine große Vielfalt an Fragen
  • Ebenso eine Vielfalt in der Argumentation des eigenen Standpunktes
  • Das Verhalten war sowohl von Flexibilität als auch von Kreativität im Umgang miteinander geprägt

Genau gegenteilig sind die Merkmale der leistungsschwachen Teams. Negative Gefühle, Frust und eine geringe Bereitschaft, Fragen zu stellen oder dem anderen überhaupt zuzuhören, sind die markanten Kennzeichen. Das Ergebnis ist oft das, dass es kein Ergebnis gibt und jeder noch frustrierter an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. Jeder kennt solche Besprechungen, die zu nichts als zu einer schlechten Stimmung führen.

Die gemischten Teams, die Mehrheit also, zeigte zwar schon eine gewisse Frage- und Zuhörkultur, die jedoch sehr fragil war und ebenso schnell zusammenbrechen konnte. Ein stärkeres negatives Gefühl reichte mitunter schon als Auslöser und führte dazu, dass jeder nur noch seinen Standpunkt und Blickwinkel verteidigte.

Selbst wenn Sie der Überzeugung sind, dass Sie im Meeting nur mit Fakten zu tun haben, in der Kommunikation untereinander sind es die Emotionen, die zum Gelingen oder zum Scheitern beitragen.

Achten Sie doch einmal im nächsten Meeting auf die positiven und negativen Aussagen. Was überwiegt im Schnitt? Wie ist die Fehlerkultur in Ihrem Team? Wie das Feedback untereinander?

Was können Sie tun?

Das wirksamste ist, wenn Sie bei sich selbst anfangen. Klingt banal, ich weiss. Beobachten Sie Ihr Frage- und Zuhörverhalten. Nehmen Sie die Stimmung bewusst wahr, mit der Sie Gespräche führen. Teilen Sie Ihre Beobachtungen mit Ihren Kollegen. Es ist ein Aspekt, mit dem Sie bewusster umgehen können. Nichts, was Ihnen oder mir einfach so in den Schoß fällt. Sondern etwas, worauf Sie achten können. Immer mal wieder. Das wiederum stärkt Ihre Selbstwirksamkeit. Sie nehmen wahr, dass Sie etwas tun und bewirken können.

Eine positive Grundstimmung ist auch die Voraussetzung für die Stärkung Ihrer inneren Ressourcen. Legen Sie Ihren Fokus mehr auf das, was gelingt. Und wenn es nur der Versuch ist, es aber noch nicht gelungen ist. Allein der Versuch verdient die Wertschätzung!

Der letzte Blogtext hat sich mit Erinnerungen beschäftigt, jetzt geht es um das Merken, insbesondere um das, was Sie sich merken müssen, aber nicht unbedingt wollen. Klingt ziemlich paradox, oder? Ist aber Alltag und ich bin mir sicher, dass Sie das auch kennen: „Ich muss mir was merken, interessiert mich aber nicht!“

Was meinen Sie, wie Ihr Gedächtnis vorgeht, wenn Sie etwas lernen oder sich merken wollen, was Sie gar nicht interessiert? „Ich muss mir das da merken, interessiert mich aber überhaupt nicht!“ Das haben Sie doch bestimmt auch schon mal gedacht oder gesagt. Das ist so, als ob Sie 1.000 Meter schwimmen wollen, ohne dazu ins Wasser zu gehen.

Eine Trockenübung sozusagen. Ihr Gedächtnis hingegen braucht die Emotion, um etwas in seiner Bedeutung einschätzen zu können. Ebenso sucht es übrigens immer nach Sinn und Bedeutung. Ohne irgendein Interesse kann das also kaum klappen.

Ein anderer Aspekt ist die Wichtigkeit. Das Interesse kann, naja, mäßig sein, aber Sie wissen, es ist einfach wichtig für Ihre nächste Aufgabe oder das nächste Projekt!

Ist es wichtig für Sie?

Interesse ist das eine, aber wie wichtig ist der Inhalt für Sie? Brauchen Sie das, was Sie lernen oder sich merken wollen, für Ihre Arbeit?

  • Etwa Produktinformationen mit allen Einzelheiten, die Sie für Ihre Kunden parat haben wollen?
  • Verschiedene Geschäftsstrategien oder Modelle, die Sie zur Diskussion stellen wollen, ohne ständig auf einen Zettel zu schauen oder gar eine PowerPoint Folie ablesen?
  • Die Inhalte für eine Prüfung, die Sie beruflich weiterbringt?
  • Sind es Vokabeln oder gar Grammatik, ohne die Sie sich nicht verständlich ausdrücken können?
  • Die Zuordnung von Kollegen, mit denen Sie seltener zu tun haben, zu verschiedenen Abteilungen oder Projekten?

Wenn Sie sich selbst klar machen, wie wichtig es für Sie ist, fällt es Ihnen leichter, sich diese Inhalte zu merken. Stellen Sie sich dazu eine Skala von 0 bis 10 vor.

Dabei steht die 0 für „Ist mir egal.“ und die 10 für „Will ich unbedingt wissen oder können!“. Mit dieser Einordnung können Sie sich leichter motivieren oder umgekehrt auch feststellen, dass sich für Sie im Moment der Aufwand nicht lohnt. Seien Sie lieber ehrlich zu sich selbst, als sich über Ihr angeblich schlechtes Gedächtnis zu ärgern.

Interesse können Sie entwickeln, Schritt für Schritt!

Die Fähigkeit, Ausdauer und Interesse zu entwickeln, ist enorm hilfreich. Oft ist es doch so, dass man sich um ungeliebte Aufgaben drückt, sie schiebt und schiebt. Der Energieaufwand des drumherum mogeln ist oft höher, als wenn Sie diese Aufgabe schon längst erledigt hätten. Trotzdem passiert es immer wieder. Oder sind Sie frei davon?

Die drei Phasen zum Handeln

  1. Erst einmal wägen Sie ab. Will ich oder nicht? Die Argumente gehen mal in die eine Richtung, dann in die andere. Diese Phase dauert unter Umständen recht lange.
  2. Wenn Sie sich dazu entschliessen, eine Aufgabe anzugehen, ist der Wille aktiv und Sie handeln tatsächlich.
  3. Bewertung – wie fühlen Sie sich, wenn Sie diese Aufgabe – oder die Lernsession – tatsächlich gemeistert haben?

Wie gehen Sie jetzt am besten vor?

Den ersten Schritt tun

Je länger Sie mit sich hadern und zwischen ‚soll ich oder soll ich nicht‘ und ‚ich will nicht, aber ich muss‘ hin und herpendeln, verbrauchen Sie sowohl emotionale als auch mentale Energie. Wie gehen Sie mit dem inneren Widerstand um? Am besten, indem Sie sich einen konkreten Zeitpunkt setzen und einfach anfangen.

Dieses Anfangen von etwas, was Ihnen schwerfällt, können Sie üben. Tun Sie jeden Tag eine Kleinigkeit aus dem Pool: „Womit ich mich schwertue.“ Am besten setzen Sie sich dazu noch eine punktgenaue Zeit, wann Sie anfangen und wann Sie damit wieder aufhören. Also zum Beispiel um 10.30 Uhr bis 10.40 Uhr. Für manche Aufgaben brauchen Sie sicherlich mehr als ein paar Minuten, aber es geht ja hier um das Einüben von Routinen. Später können Sie diesen festen Beginn für Lernsessions, Sport oder die Steuererklärung nutzen.

So umgehen Sie Ausweichhandlungen, dass Sie doch noch schnell Blumen giessen, eine Mail schreiben oder irgendetwas anderes tun müssten.

„Eat the Frog“ – aktiv sein und locker gute Gewohnheiten etablieren

Das Tolle ist, wenn Sie sich jeden Tag um die gleiche Zeit so eine kleine Sache vornehmen, ist das der Beginn einer Gewohnheit. Das ist so wie „Eat the Frog“ womit gemeint ist, jeden Tag mit einer Aufgabe zu beginnen, mit der man sich etwas schwer tut. Diese Energie und das gute Gefühl, die dabei freigesetzt werden, können Sie gleich für die nächsten Aufgaben nutzen.

Methode eat the frog

Feste Zeitpunkte sparen Energie, weil Sie nicht vorher mit sich hadern oder sich immer wieder neue Ausreden einfallen lassen müssen, um eben erst 5 Minuten später anzufangen. Ganz ehrlich, die durch Ausreden gewonnenen Minuten können Sie doch so richtig nicht geniessen, oder?

Rückblick und Bewertung

Wenn Sie diese ungeliebte Aufgabe angepackt haben und fertig sind – wie geht es Ihnen jetzt? Wie ist Ihre Stimmung? Von Erleichterung bis hinzu „Endlich habe ich das geschafft, was ich schon (längst) tun wollte!“

Mit diesem guten Gefühl werden in Ihrem Gehirn Botenstoffe, die Endorphine, ausgeschüttet. Ganz nebenbei stärkt es Ihre Selbstwirksamkeit (Link). Das heisst, dass Sie das Vertrauen zu sich selbst haben, mit ähnlichen Situationen besser klarzukommen. Mit jeder neuen Aufgabe, die Sie zum Beispiel auf diese Art und Weise angehen, wird Ihre Selbstwirksamkeit weiter gestärkt. Das hilft Ihnen auch dann, wenn mal etwas gar nicht klappt und Sie mit einem Misserfolg zurechtkommen müssen.

Ohne Emotion passiert (fast) nix!

Was Sie rein objektiv wahrnehmen, bleibt weniger gut im Gedächtnis. Das Gehirn ist immer subjektiv. Auch wenn Sie meinen, ganz objektiv zu sein. Nur die Fakten sehen zu wollen. Wenn es um eine Entscheidung geht, kommen immer die Emotionen ins Spiel. Genau die bewerten das, was Sie erleben und geben ihm eine Bedeutung.

Das kennen Sie aus Ihrem Alltag. Sie sollten sich die Inhalte aus dem Meeting von heute Vormittag merken. Wollten Sie auch . Aber Ihre Gedanken sind noch beim letzten Telefonat mit einem Kunden. Das lief nicht so gut und Sie verfallen ins Grübeln, woran das gelegen hat. Das beschäftigt Sie, weil es verständlicherweise eine andere Bedeutung für Sie hat.

Was dabei in Ihrem Gehirn abläuft

Direkt hinter Ihrer Stirn befindet sich der präfrontale Cortex. Stellen Sie sich diesen Bereich als Ihren persönlichen Vorstandsvorsitzenden vor. Für ihn oder sie ist es wichtig, einen Überblick zu haben. Stellen Sie sich mal vor, dass jeder Mitarbeiter mit jeder Kleinigkeit zum Vorstandsvorsitzenden kommt und eine Einschätzung haben will. Mit so vielen einzelnen Informationen ist er schnell überlastet.

Deswegen hat Ihr Vorstandsvorsitzender einen persönlichen Assistenten. Im Gehirn ist das der Gyrus cingulatus. Dieser Assistent filtert die Informationen aus und lässt nur das durch, was für den Vorstand richtig wichtig ist. Doch das ist noch nicht alles! Er organisiert ausserdem er die notwendigen Telefon- und Videokonferenzen mit anderen Gehirnteilen. Das ist fast ständig der Fall.

Es gibt eine Anwesende bei allen Konferenzen, das ist die Amygdala. Hier werden alle eintreffenden Eindrücke auf Gefahren überprüft. Sie ist weiter zuständig, um entsprechende Gefühle und ihre Intensität auszulösen. Noch wissen die anderen Gehirnteile nicht, wie die Amygdala eine Information oder ein Erlebnis bewertet. Deswegen heftet die Amygdala Klebezettel an die Ereignisse, die ein Gefühl auslösen. Ob es positive Gefühle sind oder negative. Klebezettel gibt es hier in einer großen Menge und in unterschiedlichen Größen. Wir kennen sie im Alltag als Post-it.

Auch das Gehirn macht sich Notizen

Wenn also ein Ereignis oder eine Information mit einer Emotion verbunden ist, erhält sie sofort einen Klebezettel. Diese damit verbundene Information wird von den anderen Gehirnregionen bevorzugt und intensiver verarbeitet.

Hinzu kommt noch Ihre Aufmerksamkeit: Je aufmerksamer Sie für ein Thema oder eine Situation sind, desto intensiver verknüpft Ihr Gehirn all die damit verbundenen Bilder, Gedanken und Fakten. Bei der Fülle der ständig eintreffenden Informationen bleiben neutrale Informationen logischerweise oft auf der Strecke. Sie schieben das auf Ihr schlechtes Gedächtnis!

Was können Sie tun? Es ist ganz einfach, aber sicherlich ungewohnt. Sie wollen oder sollen sich etwas merken, was für Sie uninteressant ist: Machen Sie es interessanter!

  • Verbinden Sie es mit Details, die für Sie ungewöhnlich und interessant sind.
  • Hauchen Sie den neutralen Fakten Leben ein, indem Sie Beispiele dazu suchen.
  • Oder sprechen Sie mit denen, für die das Thema spannend ist. Wie ist ihr Zugang?
  • Was sehen die, was Sie nicht sehen? Oder noch nicht sehen?

Aus einem anderen Blickwinkel betrachten

Beispiele?

Ganz unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Wasser finden Sie hier: http://blogs.esa.int/alexander-gerst/de/2018/08/31/wide-world-of-water/

Ein neuer Blick auf Daten, die unser Leben zunehmend beeinflussen finden Sie hier: https://zkm.de/de/ausstellung/2017/10/open-codes

Zugegeben, diese veränderte Sichtweise fällt nicht vom Himmel. Ein bisschen Nachdenken oder „Hirnen“ ist schon notwendig. Mit dem Fazit, dass Klebezettelchen an Ihre Gedanken angeheftet werden!

Schauen Sie nicht auf die Details!

Warum denn das nicht? Gerade die Details und die Fakten sind es ja, die Sie sich merken wollen. Drehen Sie den Spiess um! Unser Gehirn merkt sich zuerst einmal das Wesentliche, die Gesamtsituation. Wann waren Sie das letzte Mal auf einem Vortrag? Woran erinnern Sie sich – an Details oder zuerst einmal an den Raum, die Gesamtsituation. Vielleicht auch kleine Details: Sie kamen gerade noch pünktlich an, weil Sie natürlich mal wieder in einem Stau gestanden sind.

Von dem großen Erinnerungsbild fallen Ihnen nach und nach immer mehr Einzelheiten ein. Die Haltung des Redners, seine Pointen und das, was Sie nachdenklich gestimmt hat. Die Pointen können Sie wortgetreu nicht wiedergeben, aber das, was Sie noch beschäftigt hat. Und einige Details, klar!

Den Blick für das Wesentliche schärfen

Das Blick auf das Wesentliche ist die Voraussetzung, um Details zu erinnern. Das Wesentliche können Sie in einem Kerngedanken oder einer Kernbotschaft zusammenfassen. Stellen Sie sich vor, dass Sie am nächsten Morgen Ihren Kollegen erzählen, was Sie an dem Vortrag begeistert hat. Das, was Sie erzählen, sind die Kerngedanken. Das, was nach einem Tag oder nach einer Woche noch da ist.

So arbeitet unser Gehirn nun mal. Also verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick, schälen Sie den Kern heraus, bevor Sie sich mit (zu vielen!) Details verausgaben.

Diese 5 Fragen können Sie dabei begleiten:

  • Was ist die Kernaussagen und was ist wirklich wichtig?
  • Warum ist diese Neuausrichtung oder Veränderung notwendig?
  • Was hat das mit mir und meiner Arbeit zu tun?
  • Welche Folgen oder Konsequenzen ergeben sich bei der Anwendung?
  • Wie verändert sich meine Sichtweise darauf?

Dranbleiben!

Die Aufmerksamkeit ist wie eine Diva. Mal ist sie schnell weg – in Vorträgen oder in einer Vorlesung im Schnitt nach 10 Minuten, ein anderes Mal ist sie so präsent, dass Sie gar nicht merken, wie die Zeit verfliegt.

Dazu mehr im nächsten Beitrag!

In den nächsten Beiträgen steht das Gedächtnis und wovon es beeinflusst wird, im Fokus.

  1. Es beginnt mit den Erinnerungen und welche Gedächtnistechniken für welches Ziel sinnvoll sind.
  2. Weiter geht es mit dem, was man sich ‚merken muss‘, aber uninteressant ist und wie Anfangs-Hindernisse leichter überwunden werden können.
  3. Was Emotionen mit dem Gedächtnis zu tun haben ist ein Thema und damit kommt die Motivation ins Spiel
  4. Was auf gar keinen Fall fehlen darf, ist die Konzentration. Sie ist die Voraussetzung für fast alles, wenn es um neue Inhalte, Lernen und Merken geht.

Freuen Sie sich auf ein Tipps, Anregungen und spannende Erkenntnisse rund um Ihr Gehirn und Gedächtnis!

Ein gutes Gedächtnis ist klasse – ist es auch realistisch?

Sie können sich an alles mögliche erinnern. Was Sie letzte Woche gelesen haben, der Name des Schauspielers, der in dem Film mitgespielt hat, den Sie vorletzte Woche gesehen haben. Ausserdem wissen Sie natürlich, was im letzten Meeting angesprochen wurde und wer jetzt für was zuständig ist. Ach ja, Einkaufszettel sind ja sowieso passé und die Französischvokabeln aus dem letzten Sprachkurs können Sie fast aus dem Ärmel schütteln.

Ihr Gedächtnis ist ja so wie eine Festplatte. Alles drauf, eine passende Suchfunktion und es wird auf dem Silbertablett präsentiert. Wirklich? Also, mein Gedächtnis funktioniert nicht so und ich vermute ganz stark, dass Ihres auch nicht so wie gerade beschrieben arbeitet.

Aber viele Menschen hätten das gerne so. Weil es auf der Festplatte Ihres Computers oder dem Chip Ihres Smartphones doch auch klappt. Es ist oft ernüchternd festzustellen, dass unser Gedächtnis ganz viele Lücken und Unzulänglichkeiten hat. Trotzdem kommen wir (meistens) gut damit klar.

Wenn Sie mehr darüber wissen, wie die Prinzipien unseres Gedächtnisses sind, können Sie sogar mit dem, was nicht perfekt ist, besser klarkommen.

Unser Gedächtnis ist keine Festplatte

Es ist verständlich, dass Sie Daten, Fakten und Erlebnisse gerne sicher abgespeichert haben wollen. Eben wie auf einer Festplatte. Aber im Gedächtnis ist nichts fest verankert. Bitte nicht erschrecken, das ist einfach so. Erinnern Sie sich an Ihren letzten Urlaub oder Ihre letzte Geburtstagsfeier (oder die Ihrer Kinder). Da wird keine Schublade geöffnet, in der die kleinen Erinnerungsschnipsel in Form von Videosequenzen drin liegen. Die, die Sie jetzt gerade vor Ihrem inneren Auge gesehen haben. Ihr Gedächtnis sucht Fragmente zusammen, die mit dieser Erinnerung zusammenhängen. Es rekonstruiert daraus so rasant einen inneren Film, dass Sie gar nicht merken, was da alles an Prozessen dahintersteckt.

Unser Gedächtnis ist subjektiv, emotional und einseitig

Ihre Erinnerung an Ereignisse ist immer mit den damit erlebten Emotionen verknüpft. Das hilft Ihrem Gedächtnis auch, ein Erlebnis nach der Bedeutung einzuordnen. Wenn Sie zum Beispiel auf einem Seminar waren und dort die Erklärung für ein Problem erlebt haben. So ein richtiges „Ach so ist das! Jetzt kapiere ich, was da schief gelaufen ist!“ dann wird das entsprechend intensiv und tief abgespeichert. Dieses AHA-Erlebnis hat für Sie eine ganz besondere Bedeutung. Unter Umständen können Sie sich noch Jahre danach genau daran erinnern.

Unser Gedächtnis ist flexibel, spontan und sehr lückenhaft

Wenn Sie auf einem Vortrag oder einer Tagung waren, können Sie sich an bestimmte Inhalte ganz gut, an andere weniger gut erinnern. Die Erwartung ist natürlich da, dass Sie sich ziemlich genau erinnern können. Aber mal ganz ehrlich, was bleibt wirklich übrig?

Eine amerikanische Psychologin, Elisabeth Loftus, die darüber forscht, an was wir uns erinnern, wollte es ganz genau wissen. Dazu nutze Sie eine Konferenz der Cambridge Psychological Society, Teilnehmer waren Psychologen. Die wissen von Berufs wegen viel über Lern- und Gedächtnisprozesse. Die Inhalte der Konferenz wurden aufgezeichnet, so dass ein genauer Vergleich möglich war. Zwei Wochen nach der Konferenz wurden die Teilnehmer aufgefordert, zu notieren, an welche Inhalte sie sich noch erinnerten.

Was meinen Sie, wie hoch war die Erinnerungsrate?

  • 23%
  • 8%
  • 31%

Dazu sollten Sie noch wissen, dass eine gewisse Vergessensrate ganz normal ist. Übrigens, die Teilnehmer der Konferenz befassen sich mit diesem Thema! Und die Erinnerungsrate – es waren gerade mal acht Prozent! Das ist der Schnitt aller Teilnehmer. Aber das ist noch nicht alles. Von diesen acht Prozent, die erinnert wurden, waren die Hälfte falsche oder fehlerhafte Erinnerungen. Manches wurde zum Beispiel mit einer anderen Konferenz verbunden. Oder eben verwechselt.

Elisabeth Loftus erzählt in ihrem TED-Auftritt, was viele Menschen glauben dass unser Gedächtnis wie ein Aufnahmegerät funktioniert. Beim Abruf sucht das Gedächtnis genau die Stelle und spielt sie ab. Aber unsere Erinnerungen ähneln eher einer Wikipedia-Seite. Man ruft sie auf und kann etwas hinzufügen oder verändern. „Andere allerdings auch“, so Elisabeth Loftus.

Was können Gedächtnistechniken leisten

Es gibt viele Merk- und Gedächtnistechniken, die die Arbeitsweise unseres Gehirns optimal unterstützen.

Als erstes gilt: unser Gedächtnis bevorzugt Bilder, Beispiele und eigene Erlebnisse.

Wenn Sie sich jetzt ganz viele Fakten merken wollen, ist der spontane Einwand bestimmt dahingehend, dass Bilder für Zahlen gar nicht funktionieren. Oder doch? Schauen Sie doch mal auf diese Statistik. Zahlen und Ihre Verhältnisse lassen sich so doch viel leichter merken, oder?

Infografik: Podcasts werden am liebsten abends gehört | Statista

Quelle: https://de.statista.com/infografik/15276/beliebteste-tageszeit-fue-podcasts/

Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Ähnlichkeiten sind hilfreich „Klingt so ähnlich wie..“, „Das habe ich in einem anderen Zusammenhang doch schon mal gehört“.

Oder die Anknüpfung an Vorwissen. „Was fällt mir spontan zu Thema X ein?“ Ihr Gedächtnis begibt sich auf die Suche und wird Ihnen nach ein oder zwei Minuten etwas präsentieren. Diese Zeitspanne – oft ist es viel kürzer – lohnt sich! Probieren Sie es aus: Was fällt Ihnen spontan zur letzen Fussballweltmeisterschaft ein? Ob Sie sich nun für Fußball interessieren oder auch nicht – Ihr Gehirn wird Ihnen eine Fülle an Bildern und Anknüpfungspunkten liefern. Zusammen mit eigenem Erleben während der Spiele.

Es ist viel leichter für das Gedächtnis, neue Inhalte mit auch nur wenig Vorwissen zu verknüpfen als etwas ganz neu zu lernen. Oder die klassischen Eselsbrücken, die Sie irgendwann bestimmt schon genutzt haben. Zum Beispiel, um sich Namen zu merken. Es erfordert ein wenig Überlegung, sich einen Namen tatsächlich zu merken. Genau dieser Aufwand des darüber-Nachdenkens wird von Ihrem Gedächtnis so gewertet, dass es Ihnen wohl wichtig ist. Das, worauf Sie Energie verwenden, gelangt eher im Langzeitgedächtnis. Und schon können Sie sich leichter daran erinnern.

Memotechniken als Alleskönner?

Das kennen Sie schon alles? Und Sie nutzen es auch? Prima, dann gibt es ja noch die klassischen Gedächtnistechniken, die Memo- oder Loci-Techniken. Neu sind diese Techniken nicht, sie wurden vor über 2.000 Jahren erfunden. In einer Zeit, als es weder Festplatten geschweige denn Bücher gab, musste man sich mehr auf das eigene Gedächtnis verlassen können. Grundlage ist eine Verortungstechnik. So können Sie Ihren Körper, Zimmer Ihrer Wohnung verorten oder ganze (Gedächtnis-) Paläste einrichten. Das, was Sie sich merken wollen, ordnen Sie den einzelnen Körperregionen (zum Beispiel Fuss, Knie und Hüfte) zu oder einer einmal festgelegten Reihenfolge im Raum. Das klappt super, denn eine Verortung – wo liegt was – ist eine enorme Unterstützung für unser Gedächtnis.

Loci-Technik
Ein geeigneter Raum für eine Verortungstechnik

Doch als erstes gilt es, die Prinzipien dieser Technik zu erlernen, um diese bei Bedarf anzuwenden. Etwa dann, wenn Sie sich bestimmte Fakten merken wollen, ganz egal, ob das Zahlen oder Begriffe sind. Bevorzugt dann, wenn es um einzelne Begriffe zu einem bestimmten Thema geht. Das können Artikelnummern sein. Oder die Paragrafen von Gesetzen. All die Knochen eines Handgelenks, falls Sie das genau wissen wollen.

Was oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass Sie sich natürlich erst einmal mit dieser Technik vertraut machen sollten. Sonst funktioniert das nicht.

TIPP

Damit Sie diese Technik schnell und eloquent anwenden können, sammeln Sie im Alltag erste Erfahrungen. Entweder mit einer Einkaufsliste oder einer To-Do Liste oder mit den 5 Stichworten zu einem Thema.

Memotechniken unter der Lupe: Ergebnisse einer Studie

Sie haben bestimmt schon einmal Gedächtniskünstler erlebt, vielleicht in einer TV-Sendung, die sich unglaublich viel merken konnten. Etwa 200 Namen innerhalb von wenigen Minuten oder eine lange Reihe von Zahlen. Um das zu bewerkstelligen, trainieren die Gedächtnisprofis Ihre Merkfähigkeit intensiv – jeden Tag! Es ist also kein Glück, Zufall oder eine besondere Begabung, die dahintersteckt, sondern ausdauerndes Training. Übrigens wirkt sich dieses positiv auf die Alltagstauglichkeit des Gedächtnisses – falls Sie das selbst testen wollen!

Ob diese Memotechniken tatsächlich eine Wirkung auf das Gedächtnis haben, wurde 2017 am Münchner Max-Planck Institut und der Radbound Universität in Nijmegen untersucht. Dazu wurden 23 Gedächtnisprofis eingeladen. Ihre Gehirnaktivität wurde beim Merken von Wortlisten exakt vermessen.

Zum Vergleich waren 51 Probanden eingeladen, die keine Kenntnis von Memotechniken hatten und deren Gehirnaktivität ebenso untersucht wurde.

Dann begann der Test, es galt, sich 72 Wörter zu merken. Nicht nur einmal und schon gar nicht immer die gleichen Wörter, sondern 6 Wochen lang immer wieder neu. Die Probanden trainierten dazu mit der Loci-Technik. Im Anfang – noch neu mit der Technik – kamen die Gedächtnisnovizen gerade mal auf 20 Wörter. Nach 6 Wochen waren es bereits 60 Wörter!

Eine dritte Gruppe versuchte sich ebenfalls, Wörter zu merken, ganz ohne Technik. Hier veränderte sich rein gar nichts.

Bei der Trainingsgruppe waren deutliche Veränderungen in der Gehirnaktivität nachweisbar. Es war viel mehr los! Die Vernetzung zwischen den Gehirnarealen war wesentlich stärker! Sowohl visuell, als auch räumlich und was die Bedeutung (der Wörter) betraf.


Aktivität bedeutet mehr Vernetzung im Gehirn!

Dieser Trainingseffekt war sogar noch 4 Monate danach wirksam. Da wendeten die Teilnehmer die Technik gar nicht mehr an, aber das Gedächtnis war immer noch vernetzter aktiv. Mit einer guten Vernetzung haben Sie eine bessere Erinnerungsfähigkeit. Muskeln sind dann stark, wenn sie genutzt und beansprucht werden.

Aktivität wird belohnt!

Es lohnt sich also tatsächlich, etwas für das Gedächtnis zu tun. Dazu können Sie mit den Techniken arbeiten oder Ihr Gedächtnis bewusst immer wieder beanspruchen und fordern. Mit einer solchen Gedächtnistechnik fällt es viel leichter, sich PIN-Nummern oder Passwörter zu merken!

Die wesentliche Grundlage ist eine bewusste intensivere Vernetzung im Gehirn.

Wussten Sie, dass es einen Einfluss auf Ihre Merkfähigkeit hat, wenn Sie gelernte oder gemerkte Inhalte auf Ihrem Computer oder Smartphone abspeichern? Die Merkfähigkeit lässt nach, weil Sie ja wissen, dass es gespeichert ist. Wenn Ihnen allerdings gesagt wird, dass die Inhalte demnächst gelöscht werden, können Sie sich besser erinnern!

Je besser Sie die Arbeitsweise Ihres Gehirns verstehen, desto gezielter können Sie es nutzen. Im Seminar erfahren Sie, wie Sie die Arbeitsweise Ihres Gedächtnisses unterstützen und Ihr Gedächtnis stärken können. Mit Tipps, Tools und der passenden Einstellung kommen Sie leichter voran!

So können Sie Hindernisse, die für viele alltäglich sind, leichter überwinden. Etwa, wenn es darum geht, überhaupt mit einer uninteressanten (Merk-)Aufgabe oder Lernsession zu beginnen. Oder um konzentriert dranzubleiben.

Mehr dazu im nächsten Blogartikel!

Abonnieren Sie doch meinen Newsletter, um immer auf dem Laufenden zu sein!

Newsletter-Abonnenten profitieren zudem von Zusatzmaterial und Literaturtipps.

Heute geht es um Bürowelten und Agilität. Es geht um die analoge Welt und die digitale Welt. Und dass Möbel doch viel mehr mit dem, wie wir die Welt sehen und in ihr agieren können, zu tun haben, als spontan gedacht. Es geht darum, wozu der Mensch imstande ist, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Möbel sind ein Element dazu.

Vitra Haus
Vitra Haus in Weil am Rhein

Ich war mal wieder mit IMPULSE auf Tour. Das Thema: „Leadership in Design und Konzept – die Entwicklung ganzheitlicher Arbeitswelten“. Die Tour führte zu Vitra in Weil am Rhein. Vitra baut Möbel und Läden und sogar Rutschen. Und Bürowelten in einem agilen Arbeitsumfeld. Vitra will Möbel bauen, die es bisher noch nicht gab, so kommt es, dass viele Produkte von Vitra in Museen stehen. Mehr zu Vitra

Der Blick nach draussen in eine Welt, die sich permanent verändert, verändert auch den Blick nach innen.

Inspirierend waren die Ausführungen von Rudolf Pütz von der Geschäftsführung und von Raphael Gielgen, dem Trendscout von Vitra. Dabei wurde ein großer Bogen gespannt, den ich so gar nicht erwartet hatte. Vor allem ging es immer wieder um neue Sichtweisen, vom Blick über den Gartenzaun. Von dem, was unser alltägliches Denken bestimmt und beeinflusst hinein in andere Denkwelten.

Denn in einer digitalen Welt kommen wir mit dem bisherigen ‚analogen‘ Verhalten nicht weiter. Es geht also darum, mit altem Verhalten zu brechen und immer wieder neue Sichtweisen zu erkunden. Ist das überhaupt möglich, wenn wir uns weiterhin in Räumen bewegen, die die alte Welt und das damit verbundene Denken repräsentieren? Eine interessante Frage. Jeder kennt bestimmt so eine Lebenssituation, wo sich etwas verändert hat und das unbedingt auch in der Raumgestaltung sichtbar gemacht werden muss. Ob es eine neue Wandfarbe ist, ein Möbelstück oder eine neue Anordnung.

Agile Bürowelten bei Vitra
Der flexibel einsetzbare Stool_Tool

Neu gestaltete Bürowelten ermöglichen andere Sichtweisen

Es stellt sich die Frage, was können ganz neu gestaltete Räume für das Denken bewirken? Welche neue Sichtweisen sind durch andere Blickwinkel möglich? Eine Frage, die bei Vitra gestellt wird, ist die, wie die Talente der Mitarbeiter entwickelt werden können. Wie kann sich das Besondere, was einen Mitarbeiter ausmacht, entwickeln? Welche Voraussetzungen sind dazu nötig?

Vom Mensch-ärger-dich-nicht zur X-Box

Der Trendscout von Vitra, Raphael Gielgen, brachte es auf den Punkt: ‚Wir leben mit alten Werten in einer neuen Welt.‘ Die alte Welt ist wie ein Mensch-ärgere-Dich-nicht Spiel. Es gibt einfache Regeln, viele Wiederholungen und Konkurrenzdenken. Wenn ich den anderen rauskicke, komme ich vielleicht als Erster ins Ziel.

Die neue Welt ist wie eine X-Box. Wir lernen jeden Tag etwas dazu und komme so auf ein neues Level. Wenn Sie nicht weiterkommen, fragen Sie jemanden, der sich schon auskennt oder eine Idee hat und so kommen Sie gemeinsam weiter. Es gibt keine Ende des Spiels, es geht immer weiter.

Die analoge trifft auf die digitale Welt

Im Unternehmen treffen die alte analoge und die neue, digitale Welt täglich aufeinander. Das spiegelt sich im Mobiliar, in der Technik und dem Stand der Digitalisierung wieder. Es ist das Denken in Prozessen, wie es schon immer war. Daneben wächst das neue Denken, das von Neugier und Offenheit geprägt ist und auf Vernetzung gebaut ist. Schon Charles Eames sagte in Bezug auf seine Designentwicklung: „Alles beginnt mit engen menschlichen Beziehungen. Da ist ein Freund, der sich mit etwas befasst. Er braucht etwas und man wird involviert.“ Das war 1957 und ist heute aktueller denn je.

Mehr dazu lesen Sie hier in einem Interview mit Raphael Gielgen.

Immer wieder um diese Gegensätze!

In unserem Leben bewegen wir uns zwischen den Polen von Bequemlichkeit und Erlebnisfaktor. Die Frage ist die nach der Dosis – wie viel von dem einen, wieviel von dem anderen brauchen wir jeweils? Oder wann ist welche Dosierung hilfreich und sinnvoll?

Die Bequemlichkeit ist nicht negativ zu sehen, denn sie steht für Sicherheit, für Vertrautes und Beständigkeit. In einem Unternehmen sind beide genauso wichtig wie die Offenheit für Neues, die Bereitschaft, Gewohntes zu hinterfragen und die Komfortzone zu verlassen. Gerade Gewohnheiten machen mehr als die Hälfte unseres Denkens aus, das macht schon Sinn, weil es Energiesparend ist. Sich nur mit Neuem auseinanderzusetzen, geht auf Dauer auch nicht. Es ist die Frage nach der passenden Dosierung.

Anders herum kann die Bequemlichkeit sogar als Basis für das Erlebnis dienen. Kreuzfahrten sind ein Beispiel dafür. Maximale Bequemlichkeit mit etwas Erlebnis gepaart. Andere möchten mehr Erlebnis, probieren sich aus, suchen zum Beispiel den Extremsport, um beim Klettern oder Snowboarden den Kick zu erleben.

Agile Bürowelten bei Vitra
Voraussetzungen zum Austausch schaffen

Je komplexer die Welt ist, desto mehr Bedeutung bekommt das Erleben. Die damit verbundene Emotion bleibt in Erinnerung und das ist es, was wir gerne weitererzählen und damit auch selbst wiederum stärker im Gedächtnis verankern.

Die Neugier ist der Schlüssel, um über das Gewohnte hinauszublicken. Die richtige Dosis ist sicherlich noch ein Faktor, der individuell und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ist. Manche vertragen mehr davon, andere kommen schon mit kleinen Dosierungen an ihre Grenze. Doch je häufiger Sie es probieren, desto offener werden Menschen und damit auch die Unternehmen, in denen sie arbeiten.

Wann haben Sie sich das letzte Mal inspirieren lassen?

  • Den Blick nach draussen über den eigenen Gartenzaun gerichtet und mit Erstauen gesehen, was dort möglich ist?
  • Sich mit anderen darüber ausgetauscht?

Mehr zu Rapahel Gielgen im Interview über Trendforschung bei Vitra.

Der Raum verbindet die Gegensätze

Räume in Unternehmen orientieren sich zunehmend an öffentlichen Räumen. Sie schaffen Platz für Begegnung und Austausch. New Work bietet offene Räume für das Teilen von Erfahrungen, für das gemeinsame Entwickeln von Ideen. Das setzt Wohlfühlen voraus. Statt funktionalen und nüchternen Räumen wohnliche Umgebungen. Dazu gehören gerade in einer digitalen Welt die Farben und die Wahl der Materialien, die Haptik.

Beispiele, wie die Verbindung der Gegensätze aussehen kann, finden Sie hier in dieser Bildergalerie, die die Zentrale von Airbnb zeigt.

All das zusammen erzeugen sie ein Gefühl der Erdung, im besten Fall eine Identifizierung, ein Dazugehören. Dazu fiel mir wieder die Kernaussage von Gerald Hüther, einem bekannten Hirnforscher, ein: laut Hüther sind unsere Grundbedürfnisse die nach Zugehörigkeit, nach Verbundenheit und nach Sinn in dem, was wir tun.

Übertragen könnte das hier so zu verstehen sein:

  • Zugehörigkeit – zu den Werten und der Kultur eines Unternehmens
  • Verbundenheit – mit den Menschen und der Umgebung
  • Sinn – es lohnt sich, Energie einzusetzen

Wie sieht Ihr Raum aus, in dem Sie arbeiten? Oder anders herum:

In welchem Raum möchten Sie sich in Zukunft aufhalten?

Schreiben sie mir Ihren Kommentar!

Wenn Sie regelmäßig über Neues informiert sein wollen, abonnieren Sie meinen Newsletter! Er erscheint alle 4-6 Wochen. Themen sind neben Neugier, Lernen und Agilität vor allem die innere Stärke, die Sie brauchen, damit Veränderungen gelingen.

Nach einem Misserfolg noch einmal neu beginnen?

Haben Sie heute schon einen Misserfolg erlebt? Oder waren Sie schon gestresst? Also, ich schon, da ich aus Versehen diesen Text – gerade fertiggestellt – gelöscht hatte. Ich dachte, so was passiert mir doch nicht! Haben Sie so etwas richtig Ungeschicktes schon erlebt? Für mich war das zwar ganz schön nervig, aber so etwas passiert einfach. Ironischerweise gerade bei solch einem Text, der sich mit dem Stresserleben befasst! Im Nachhinein kann ich meinem Missgeschick sogar etwas Positives abgewinnen. Doch meistens wird mit Stress etwas Negatives verbunden.

Wenn ich im Seminar auf das Thema Resilienz zu sprechen komme, ist die Assoziation zum negativen Stress schnell aktiviert. Stress wird als als etwas Nerviges und Belastendes wahrgenommen und dann gilt es, mit der aktuellen Situation erst einmal klarzukommen.

Negativer und positiver Stress – gibt’s das überhaupt?

Situationen, die Stress auslösen, können durchaus auch herausfordernd, spannend und aufregend sein. Ein bisschen Aufregung ist da, aber das wird sogar als angenehm und prickelnd empfunden. Bei akutem Stress werden Stresshormone ausgeschüttet, die es uns ermöglichen, konzentriert zu sein und schnell zu handeln. Im Sport ist das zum Beispiel ganz wichtig, etwas, wenn ein Mountainbiker den Berg hinunter rast oder wenn ein Läufer auf das Startsignal wartet.

Im beruflichen Alltag ist das Stresserleben viel subtiler geworden, die Reaktion des Körpers ist seit Jahrmillionen gleich geblieben. Ein Sportler kann die Stresshormone durch die Bewegung abbauen, am Schreibtisch ist das nur schwer möglich. Was einen Menschen heute in Stress versetzt, ist sowieso sehr individuell. Und es kann von Tag zu Tag anders sein, je nachdem, wie etwa die körperliche Verfassung ist. Der eine lebt auf, wenn es darum geht, im nächsten Meeting den Projektstand einer größeren Runde zu präsentieren. Ein anderer ist schon am Vormittag nervös und unruhig und froh, wenn es vorbei ist.

Für den einen bedeutet es Stress, wenn der Berg an unerledigten Aufgaben immer größer wird und die Herausforderung und zeitliche Belastung dadurch zunimmt. Genauso kann eine Unterforderung oder eine eintönige Arbeit auf Dauer ebenso Stress auslösen. Das kann sich in unkonzentriertem Arbeiten oder in der Stimmung bemerkbar machen.


Entscheidung treffen – wohin?

Entscheiden Sie unter Stress anders als sonst?

Akuter Stress wirkt mit auf das Gedächtnis, auf die Merkfähigkeit und auf die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie in Ruhe sind, können Sie das Für und Wider viel besser abwägen und in die Zukunft hineindenken. Wenn Sie unter Stress entscheiden müssen, ist diese Entscheidung weniger nachhaltig, dafür aber oft risikoreicher. Mir fallen da sofort die Börsianer ein, die tagtäglich und oft unter Zeitdruck weitreichende Entscheidungen treffen.

Was ist für uns, bzw. für das Gehirn der Unterschied? Wenn Sie ausgeglichen sind, können Sie sich gut konzentrieren, Wichtiges gegenüber Unwichtigem abwägen und sich das Wesentliche davon merken. Dazu brauchen Sie eine Kontrollinstanz, die befindet sich direkt hinter Ihrer Stirn. Das ist das Arbeitsgedächtnis und die damit verbundene Impulskontrolle. Das heißt, Sie können zum Beispiel eine Ablenkung leichter ignorieren und beiseiteschieben. Wenn Sie – Sie ahnen es bestimmt schon – gestresst sind, sind Sie leichter ablenkbar, die Konzentration leidet und damit auch die Merkfähigkeit und erst recht das komplexe Denken. Auch die Fähigkeit, schnell umzuschalten und flexibel auf eine Situation zu reagieren, ist davon beeinträchtigt.

Wenn Sie von Stresshormonen geflutet werden, ist Ihre Impulskontrolle schnell beeinträchtigt. Viellicht ist es Ihnen auch schon mal so ergangen (oder Sie haben es bei anderen beobachtet) , dass Sie überreagiert haben und sich im Nachhinein kopfschüttelnd gefragt haben, wie es dazu kommen konnte. Normalerweise verhalten Sie sich ganz anders!

Jeder reagiert anders – und das täglich und stündlich

Zurück zum Beispiel mit der Präsentation des aktuellen Projekts. Eigentlich keine große Sache. Doch plötzlich erinnern Sie sich an das Meeting letzter Woche, in dem Sie sich ziemlich verzettelt haben. Schon beim Gedanken daran wird Ihnen ein wenig mulmig. Dieses Mal soll es besser werden! Doch schon der Gedanke an diese eine Situation aktiviert eine entsprechende Ausschüttung von Stresshormonen. Sie bereiten sich gut vor, denken an alles und trotzdem sind Sie nervös. Wenn Sie jetzt in das Meeting gehen, kann zweierlei passieren:

  1. Das Adrenalin und Cortisol aktiviert Ihre Wachheit und Sie sind präsent und können sich – zumindest eine Zeitlang – super gut konzentrieren, haben alles im Blick, finden die richtigen Worte und Argumente. Sie rufen Ihre Leistung optimal ab. So kann es übrigens auch bei Bewerbungsgesprächen sein. Trotz Aufgeregtheit sind Sie voll konzentriert da.
  2. Wenn Ihr Stresshormoncocktail stark aktiviert ist, kann es anders herum passieren, dass Sie in dem Meeting angestrengt auf Ihre Notizen schauen, alles ablesen, um ganz sicher zu sein, sich bei Fragen doch verhaspeln und heilfroh sind, wenn Ihr Part vorbei ist. Was ist passiert? Ihre Impulskontrolle ist überfordert. Deswegen schaltet Ihr Gehirn auf das zurück, was Ihnen irgendwie Sicherheit gibt. Auf etwas, was sich bewährt hat (Folien oder Notizen ablesen), das braucht weniger Energie. Auch wenn der gewünschte Erfolg momentan ausbleibt und Sie im Gegenteil einen Misserfolg erleben, was die Präsentation betrifft.

Gewohnheiten sind stark – neues Verhalten ist fragil

Natürlich können Sie in einer solchen Situation auch was ganz Neues ausprobieren. Vielleicht denken Sie: ‚Gestern habe ich doch die 5 Tipps zum erfolgreichen Präsentieren gelesen, wann, wenn nicht jetzt ausprobieren?’ Doch diese Tipps haben Sie noch gar nicht erprobt, ergo brauchen Sie dazu viel mehr Aufmerksamkeit, die momentan für anderes reserviert ist – das, was Sie inhaltlich sagen wollen. Zwei Sachen gleichzeitig – das ist riskant, egal ob Sie Mann oder Frau sind. Neues erproben Sie am besten in aller Ruhe mit der entsprechenden Reflexion. Welche von den 5 Tipps sind in so einem Fall die richtigen für Sie? Und wie können Sie die optimal einsetzen, damit Sie persönlich unterstützt werden?


Volle Konzentration

Ausprobieren und Erfahrungen sammeln

Im Coaching können Sie neue Verhaltensweisen erproben und reflektieren. Sie erweitern Ihren Handlungshorizont, können Erfahrungen sammeln und Sicherheit gewinnen. Und dabei finden Sie heraus, was für Sie persönlich passt und stimmig ist. Ihr Gehirn ist nur durch Erfahrungen zu überzeugen, so einfach ist das und manchmal doch so knifflig!

Ein Sportler übt nie im Wettkampf – würden Sie es tun?

Ein Satz, der mich seit Jahren begleitet, ist dieser: „Ein Sportler übt nicht im Wettkampf.“

Was oft vergessen wird – im Seminar XY habe ich doch geübt, wie ich mich verhalte und eine neue Situation meistere. Dann klappt das doch auch in drei Wochen wieder, wenn ich das brauche, oder? Solange ein neues Verhalten im wahrsten Sinne des Wortes Neuland ist, ist es noch nicht automatisiert. Eine Gewohnheit hingegen ist es. Wenn Sie in Stress kommen, rutschen Sie schnell in gewohntes Verhalten zurück. Auch wenn es ein uraltes Verhalten ist, aber das funktioniert. Ein Sportler trainiert x-mal im Training, um bei Bedarf im Wettkampf sein Verhalten blitzschnell variieren und auf die Situation anpassen zu können. Wie können Sie das für Ihre Ziele umsetzen?

  • Welche Situationen wollen Sie in zukünftig besser meistern?
  • Wo wollen Sie es noch einmal versuchen – cleverer als beim ersten Mal?
  • Wo fehlen Ihnen noch Handlungsalternativen?

Als Sparringspartner kann ich Ihnen die Rückmeldung geben, die im Alltag oft fehlt. Hier können Sie Neues erproben, Sicherheit gewinnen und sich außerdem auf anspruchsvolle Situationen mental vorbereiten. Damit Sie Ihre Ziele erreichen, mit Aufregung, aber ohne Stress! Nutzen Sie das kostenfreie Erstgespräch.

Was mich bei der Resilienz so anspricht, ist, dass jeder für sich herausfinden kann, welche der sieben Faktoren ausreichend vorhanden sind und welche noch gestärkt oder überhaupt einmal beachten werden sollten. Wenn Sie etwa feststellen, dass Ihr Optimismus eher schwach ausgeprägt ist, dafür die Skepsis umso mehr, haben Sie die Möglichkeit, sich im Alltag immer mal wieder zu beobachten und zu entscheiden, ob und wie Sie Ihren Blickwinkel in eine Richtung verändern können, um die Welt etwas freundlicher oder optimistischer zu betrachten. Damit ist keinesfalls ein Zweckoptimismus gemeint! Sondern die alltägliche Betrachtungsweise – sehen Sie eher Chancen und Möglichkeiten, die eine Situation bietet oder sehen Sie nur das, was partout nicht geht? Richten Sie Ihren Fokus auf das, was Ihnen gelingt oder auf das, was schiefgeht? Fast jede Situation lässt sich unter unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. So wie es ja auch kein schlechtes Wetter, sondern die jeweils passende Kleidung für das Wetter gibt.

Resilienz können Sie lernen

Kürzlich erzählte mir ein Teilnehmer aus einem Unternehmen, dass er grundsätzlich nie Zeit hätte, eine Pause zu machen. So nebenbei erfuhr ich im Gespräch, dass er sich oft nicht mehr konzentrieren könne und dann zur Ablenkung – wie automatisch – sein Smartphone hervorholte und die Nachrichten durchging. Wie viele Minuten ginge das dann so? war meine Frage. ‚Hm, na mindestens 10 Minuten, manchmal auch länger.’ Danach kamen wir darüber ins Gespräch, wie Pausen denn zu definieren sind. ‚Wenn Sie etwas komplett Anderes beinhalten als das, was Sie sonst die ganze Zeit tun, ist es ja in Ordnung’, erwiderte ich. ‚Es ist ja doch eine Pause, wenn es denn hilft, sich wieder besser zu konzentrieren.’ Das war aber nicht immer der Fall, denn oft führten die Nachrichten wieder in eine ganz andere Richtung, so dass er mit den Gedanken dann auf einem, wie er es nannte, ‚ganz anderen Planeten landete’. Ich gab ihm dann die Anregung, dass der Impuls, nach dem Smartphone zu greifen, offenbar ein Signal war, dass es Zeit für eine Abwechslung ist. ‚Das’ meinte er, ‚ist ja ein ganz anderer Blickwinkel!’
Wie diese Abwechslung dann konkret aussehen könnte, vielleicht auch in Form einer kleinen Achtsamkeitsübung oder einem kurzen Austausch mit einem Kollegen, würde er im jeweiligen Moment entscheiden. Denn diesen Moment wollte er sich dann nehmen, um wahrzunehmen, was jetzt hilfreich ist.

Das beinhaltet aus der Resilienzsicht die Übernahme der Verantwortung für das eigene Tun, verbunden mit der Selbstwirksamkeit. Stellen Sie sich, wie mein Teilnehmer, die Frage: „Wie kann ich gut auf mich einwirken? Was tut mit im Moment gut?“ So kam er noch auf die Option, dass der Austausch mit dem Kollegen eine gute Abwechslung sein kann, im Sinne der Netzwerkstärkung. Auch dies ist ein Aspekt der Resilienz.

Gleichzeitig wird das lösungsorientiertes Denken aktiviert, denn mit der Frage „Was tut mir im Moment gut?“ entdecken Sie leichter mehr Blickwinkel als es das automatische Tun (in diesem Fall der Griff zum Smartphone) bieten kann.

5 Tipps für den Start in die Resilienzumsetzung

Fangen Sie am besten mit Kleinigkeiten an. Oder mit kleinen Momenten. Akzeptieren Sie, was im Augenblick möglich ist und was jetzt trotzdem weiterhilft.

  • Mini-Pausen im Alltag, in denen Sie kurz innehalten. Nutzen Sie dazu Signale, wie das Ende einer Besprechung oder den Gang zur Kaffeemaschine, Unterbrechungen, die sowieso stattfinden. Nutzen Sie kleine Momente, um dem Vogel zuhören, Farben wahrnehmen, oder um einige bewusste und zugleich entspannte Atemzüge zu genießen, ein ‚innerliches Lüften’.
  • Stärken Sie Ihren Ressourcenrucksack, tun Sie etwas, dass Ihnen so richtig gut tut. Und das am besten regelmäßig. Wandern, ins Kino gehen, ein Eis essen, für und mit Freunden kochen, ein Konzertbesuch… Etwas, worauf Sie sich freuen und an was Sie gerne erinnern.
  • Schauen Sie bewusst nach der zweiten Lösungsmöglichkeit oder nach Chancen, die sich bieten können.
  • Pflegen Sie Ihr unterstützendes Netzwerk, nehmen Sie sich Zeit für andere Menschen, die Ihnen wichtig sind.
  • Seien Sie freundlich, unterstützend und wertschätzend zu sich selbst!

Wenn Sie einen Sparringspartner für den Blick auf Ihre Resilienzfaktoren suchen, nutzen Sie mein Coachingangebot. Der erste Schritt ist ein unverbindliches Telefongespräch oder auch per Mail.

Wie viele Freunde haben Sie denn so? 653, das ist ja schon was oder sind es nur 278? Keine Bange, hier geht es nicht um die Anzahl Ihrer Freunde, wie sie bei Facebook, Twitter & Co gelistet sind, sondern um das „analoge“ Leben. Natürlich sind Sie mit vielen Freunden und Kollegen auch digital verbunden. Aber was tun Sie, wenn Sie Sorgen haben? Wenn Sie nur noch das Problem sehen, aber keinen blassen Schimmer haben, wie Sie den Konflikt mit dem Kollegen klären sollen? Wer ist dann für Sie da? Wem können Sie vorbehaltlos vertrauen, wer ist ehrlich zu Ihnen und wer nimmt sich die Zeit, Ihnen zuzuhören? Wer lässt sich auf Sie ein und versteht Sie mit all Ihren Gefühlen und Widersprüchlichkeiten, die nun mal einen Menschen ausmachen? Wem können und wollen Sie sich so zeigen?

Wozu brauchen Sie Netzwerke?

Menschen zu haben, die da sind und die Sie unterstützen und umgekehrt genauso, das ist ein starker Faktor in der Resilienz. Gemeinsam können wir mehr aushalten oder bewegen als wenn wir alleine sind. Und das macht Netzwerke auch aus.

Netzwerke gab es schon immer und wir alle haben eins, beginnend beim Partner/in, der Familie, den Freunden und Bekannten bis hin zu Nachbarn, Kollegen und Sportsfreunden. Dieses Netzwerk ist idealerweise von Freundschaft und Sympathie oder von Respekt und Wertschätzung geprägt.

Im beruflichen Umfeld sind es Kollegen, mit denen Sie sich besprechen oder mit denen Sie bestimmte Themen diskutieren können. Berufsverbände, online und offline sind ein Teil Ihres Netzwerks, aber auch Ärzte, Fitnesstrainer, Physiotherapeuten oder Frisöre. Berater und Coaches können ebenso dazugehören. Es sind Menschen, denen Sie sich in bestimmten Fragen anvertrauen, um Ihren eigenen Blickwinkel zu erweitern.

Unterstützung stärkt Sie nach innen

Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen, jeder ist auf andere Menschen angewiesen. Es ist ein tiefes Bedürfnis, zu einer Gruppe oder Gemeinschaft dazuzugehören, nach Vertrauen, nach Aufgehoben-sein und Unterstützung.

Deswegen stärken Netzwerke die innere Stabilität. Von daher lohnt es sich, das eigene Netzwerk einmal etwas genauer zu betrachten. Oder wie wäre es, wenn Sie sich Ihr ideales Netzwerk ausmalen würden? Das gibt Ihnen schon mal Anhaltspunkte, was eventuell momentan in Ihrem Netzwerk zu kurz kommt.

Checken Sie Ihr Netzwerk

  • Welche Netzwerke haben Sie, privat und beruflich?
  • Was ist Ihnen bei Freundschaften besonders wichtig?
  • Wer hat Zeit für Sie und hört Ihnen vorbehaltlos zu?
  • Wem hören Sie vorbehaltlos zu, wo hören Sie weg?
  • Auf wen können Sie in Ihrem beruflichen Netzwerk zählen?

Idealerweise hat ein Netzwerk eine gute Balance zwischen Geben und Nehmen. Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen, dass Sie einem Freund mehrmals beim Umzug geholfen haben und als Sie selbst Unterstützung brauchten, hatte dieser nie Zeit? Bei der nächsten Anfrage Ihres Umzugsfreundes finden Sie es dann auch gerechtfertigt, jetzt keine Zeit für ihn zu haben, oder? Fairness ist ein wichtiger Aspekt zwischen Menschen. Wenn Angehörige krank oder pflegebedürftig sind, ist die Balance natürlich schwerer auszugleichen. Dann ist es erst recht wichtig, sich an anderer Stelle Unterstützung oder Zuspruch zu holen, um sich selbst zu regenerieren.

Was wollen Sie verändern?

  • Welche Netzwerke oder Verbindungen tun Ihnen jetzt besonders gut?
  • Wo, in welchen Bereichen, brauchen Sie Unterstützung?
  • Was genau baut Sie im Umgang mit anderen Menschen auf?
  • Wer ist ehrlich zu Ihnen – und umgekehrt?
  • Zu wem hätten Sie gerne etwas mehr Abstand?

Ein weiterer Aspekt ist der zwischen Nähe und Distanz.

Manche Menschen brauchen etwas mehr Abstand und Ruhe für sich alleine. Andere wiederum fühlen sich in der Gemeinschaft am wohlsten und genießen die Nähe. Wie ist das bei Ihnen, erleben Sie diese Balance und wenn ja, können Sie das gut für sich ausgleichen?

Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf das Wunschnetzwerk zurückkommen.

Angenommen, Sie möchten Ihr privates oder berufliches Netzwerk erweitern. Stellen Sie sich doch mal vor, was sich dadurch verändern würde. Oder woran würden Sie denn merken, dass Sie ein ideales Netzwerk haben. Was erleben die anderen Menschen in Ihrem Netzwerk? Es ist ja immer ein Geben und Nehmen, eine Inspiration geben und neue Ideen bekommen.

  • Wo möchten Sie demnächst etwas verändern?
  • Wer fehlt in Ihrem Netzwerk?
  • Wo möchten Sie neue Kontakte herstellen?
  • In welchen idealen Netzwerken anderer könnten Sie zu finden sein?

Auf ein gutes Netzwerken, offline und online!

Wenn Sie Ihr Netzwerk einmal genauer betrachten wollen, können Sie das mit einem Coaching verbinden. Interessiert? Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine Mail.