Der erste Monat ist fast rum – sind Sie wieder im alten Trott gelandet? Für dieses Jahr haben sich – laut Statistik – mehr Menschen als im vorherigen Jahr vorgenommen, etwas zu verändern: sie wollen gesünder zu leben. Mehr Sport und gesünder essen stehen an erster Stelle. Kein Wunder, haben sich doch viele im Homeoffice sogenannte Corona-Pfunde zugelegt. Also endlich mal ins Fitnessstudio oder eine Joggingrunde einlegen anstatt Serien zu gucken. Weniger Süsses (oder Salziges) und stattdessen viel mehr Gemüse. Gute Vorsätze, aber reicht das aus? Denn nach einem Monat haben 33%  Ihre neu gefassten Ziele schon wieder aufgegeben. Ups, was ist da passiert? Waren die Vorsätze zu ambitioniert? War es das falsche Ziel? Oder haben Sie die Verabredung mit Ihrem Zukunfts-Ich vergessen?

Deutschland will gesünder leben

Zwischen Wunsch und Gewohnheiten

Wünsche sind gut, Ziele sind noch besser. Doch dazu später. Ein entscheidender Grund, der Veränderungen im Wege steht, sind unsere Gewohnheiten. So zwischen 30 bis 50% unseres Alltags besteht aus den immer gleichen Routinen. Aufstehen, duschen, anziehen und die Kaffeemaschine anmachen. Unser Gehirn ähnelt so gesehen einem Discounter. Was günstig ist, mit einem überschaubaren Aufwand verbunden und sich praktisch im Alltag bewährt hat, das wird bevorzugt. Vor allem verbrauchen Gewohnheiten wenig Energie und laufen automatisiert im Hintergrund ab. Zusätzlich bringen sie Stabilität und Sicherheit in unseren Alltag.

Mit Veränderungen ist es genau umgekehrt. Sie verursachen erst einmal Unsicherheit. War es die richtige Entscheidung? Wie wird es sich anfühlen? Wird es überhaupt gelingen? Die knappen Ressourcen unseres Gehirns müssen für ein neues Verhalten eingesetzt werden. Neues lernen, das Bewährte verlernen. Da fragt Ihr Gehirn natürlich nach, ob es sich lohnt, das Vertraute zu verlassen. Lernen heißt, es müssen zwischen den Nervenzellen neue Kontakte gebildet werden. Die sind am Anfang – also nach zwei oder drei Wochen – noch sehr instabil. Leichter ist es, wieder in den alten Trott zu wechseln. Erst recht, wenn Sie gestresst sind. Oder schlecht gelaunt. Ganz fix finden Sie sich im so-wie-immer wieder. Das hebt die Stimmung erst recht nicht!

Bedrohung oder Chance?

Für das Alarmsystem unseres Gehirns ist es eine Bedrohung, wenn zu viel auf den Kopf gestellt wird. Stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt, wenn Sie ab jetzt jeden zweiten Tag joggen. Und die Tage dazwischen – anstatt auf dem Sofa den Tag ausklingen zu lassen – noch im Fitnessstudio verbringen. Puh, das ist allein in der Vorstellung anstrengend und wenig attraktiv.  

Sie wissen bereits, dass Gewohnheiten Ressourcen sparen. Das gilt erst recht für Entscheidungen! Diese sind bis zu 95% automatisiert. Im Supermarkt überlegen Sie nicht lange, welchen von den vielen Joghurtsorten Sie kaufen wollen, sondern Sie entscheiden so wie immer. Entweder eine bestimmte Sorte wie Mango-Vanille oder immer das Sonderangebot. Entscheidungen brauchen viel Energie. Am Abend ist diese schlichtweg verbraucht und erneut versinken Sie im gemütlichen Sofa.

Viele neue Entscheidungen können sogar lähmen. Was mache ich zuerst? Und an welchem Tag? Was ist wirklich wichtig und zielführend? Aus der freien Entscheidung – Sie wollen gesünder leben –  wird in Null-Komma-Nichts eine Bedrohung. Klingt paradox, ist jedoch nachvollziehbar. Und nun? Aufgeben? Auf keinen Fall – aber richtig angehen mit konkreten Plänen und kleinen Umsetzungsschritten. Und denken Sie an die Verabredung mit Ihrem Zukunfts-Ich! Tipps dazu finden Sie weiter unten. 

Zwischen Wohlbefinden und aktuellen Problemen

Je nachdem, wie Sie denken, aktivieren Sie verschiedene Gehirnbereiche. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr Ziel bereits erreicht. Wie fühlt es sich an? Das aktiviert genau die Bereiche Ihres Gehirns, die mit Wohlbefinden verbunden sind. Das, was Sie bereits aus Ihrer Erfahrung kennen.

Denken Sie jedoch an Schwierigkeiten – ‚Das mit dem Sport hat letztes Jahr auch nicht funktioniert! ‚- aktivieren Sie exakt Bereiche, die mit unangenehmen Gefühlen verbunden sind. Das lähmt mit Sicherheit die Veränderungsenergie. 

Veränderungsenergie aktivieren

Ich gehe mal davon aus, dass Ihre persönlichen Ziele selbst gewählt sind. Im beruflichen Alltag sieht das verständlicherweise oft anders aus. Hier geht es um Ihre eigenen Ziele.

Was brauchen Sie, damit die Veränderungsenergie aktiviert wird? Ganz einfach: idealerweise Begeisterung für Ihr Ziel und ein attraktives Bild von der Zukunft. Da kommt Ihr Zukunfts-Ich ins Spiel. Diese Fragen können Sie dabei unterstützen:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Wie soll meine Zukunft aussehen? 
  • Was mache ich in Bezug auf mein Ziel mit Freude und Elan? 
  • Wo und bei was fühle ich mich lebendig? 
  • Woran merke ich das konkret? 

Am besten schreiben Sie das auf. Warum? Sie denken intensiver darüber nach. Sie sehen es nochmal vor sich. Sie können es überprüfen. Oder verändern. Es macht nichts, wenn Ihnen nicht auf alle Fragen spontan etwas einfällt. Lassen Sie sich Zeit. 

Ressourcen aktivieren – Trauen Sie sich was zu!

In der Zielformulierung ist es wichtig, dass Sie wissen, wo Sie hinwollen. Damit meine ich, nicht weg von etwas, sondern auf etwas zu. Das wünschenswerte Ziel. Denken Sie an die Gehirnregionen, die dabei aktiviert werden. 

Wenn Ihr Ziel ambitioniert ist, sollten Sie sich fragen, was Sie in den vergangenen Jahren schon alles erreicht haben. Hätten Sie sich das vorher zugetraut? Oder gedacht, dass es Ihnen gelingen wird? Nehmen Sie bewusst das Positive wahr. Unser Wahrnehmungsfilter ist super darin, Gefahren zu erkennen. Das Gelingende rutscht dabei schnell  in den Hintergrund. Holen Sie es bewusst immer wieder hervor. Überlegen Sie auch, was Sie können und was Sie ergänzend noch zur Umsetzung brauchen können. Weitere Anregungen finden Sie in diesem Blogartikel.  

Verabreden Sie sich regelmäßig mit Ihrem Zukunfts-Ich 

Stellen Sie sich einen Tag in der Zukunft vor. Den 1. Dezember 2022. Oder den 5. Januar 2023. Sie sind mit sich selbst verabredet. In einem Café oder zu einem Spaziergang. Ihr Zukunfts-Ich hat das bereits umgesetzt, was noch vor Ihnen liegt. Fragen Sie doch mal nach, wie sich das anfühlt: 

  • Wie erlebst Du dich jetzt? 
  • Was ist jetzt ganz konkret anders? 
  • Welche Gefühle sind damit verbunden? 
  • Welche kleinen Schritte bringen waren am Anfang wichtig? 
  • Welche Widerstände hast Du überwunden und wie? 

Kleine Schritte – so kann die Umsetzung gelingen

Starten Sie die Umsetzung mit kleinen Zielen. Für das nächste Quartal und dann noch kleiner für die nächsten 4 Wochen. Was sind die ersten Schritte für die nächsten Tage? Ihre Entscheidungsenergie ist am Abend schwächer. Umgehen Sie diese Hürde mit konkreten Plänen:  entweder starten Sie schon am Morgen mit dem Ziel ‚Gesünder essen‘ oder Sie machen gleich in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang. Oder Sie planen vorher, was Sie wann genau am Abend noch umsetzen möchten. Mit einer Kleinigkeit, ohne gleich zu viel zu wollen. Denn gerade in Veränderungsprozessen brauchen wir neben dem Neuen mindestens genau soviel Sicherheit und Stabilität. 

Planen Sie Widerstände mit ein. Die kommen mit Sicherheit, ob es das ungünstige Wetter, ein stressiger Tag oder etwas anderes Ungeplantes ist. Wie können Sie damit umgehen, welche Strategien helfen Ihnen dabei? Wenn Sie hier schon vorher Ideen haben, wird Sie das Ungeplante nicht so leicht vom Weg abbringen. 

All das ist gut, wird jedoch nicht ganz ausreichen. Suchen Sie sich Verbündete: Wer kann Sie unterstützen oder sogar mitmachen? Wie können Sie Ihren Fortschritt überprüfen, etwa mit einem Habit-Tracker (da notieren Sie, was Sie an welchen Tagen machen wollen und haken das entsprechend ab – Vorlagen dazu finden Sie zum Beispiel hier.) 

Wie können Sie sich selbst belohnen? Machen Sie dazu am besten gleich eine Liste mit kleinen Belohnungen, aus denen Sie  wöchentlich eine auswählen können. Selbst dann, wenn Sie Ihr Ziel nur zu 70% erreicht haben. Sie sind immerhin unterwegs, das ist eine Belohnung wert!

Wenn Sie darüber hinaus Unterstützung brauchen, schreiben Sie mir: mail@margit-reinhardt.de

Bleiben Sie dran – es ist schließlich Ihre Zukunft!

 

 

 

Egal, wie Sie Ihren inneren Widerstand nennen, er ist nun mal da. Ob es der Schweinehund ist (das ist eine durchaus nette Vorstellung) oder ob Sie mit Ihrer Disziplin hadern (das hört sich nach Anstrengung an), es läuft auf dasselbe hinaus. Sie fangen nicht an, das zu tun, was Sie tun sollten oder ursprünglich wollten.

‚Eigentlich wollte ich ja nach der Arbeit noch rausgehen.Stattdessen habe ich mir auf YouTube noch etwas angeschaut und dann war es zu spät und zu dunkel. Hinterher habe ich mich über mich selbst geärgert.’ ‚Eigentlich wollte ich längst meine Steuererklärung machen. Stattdessen ertappe ich mich dabei, dass ich die Küche aufräume, das hätte aber noch Zeit gehabt.’ ‚Und ganz bestimmt werde ich mir morgen noch die Inhalte von der Excel-Schulung letzte Woche anschauen. Also vielleicht. Weil bestimmt wieder etwas dazwischen kommt. Ich weiß jetzt schon, dass ich hinterher unzufrieden mit mir bin.’

Auf dem Berg der unerledigten Dinge wacht Ihr Schweinehund

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Die Inhalte lassen sich variieren und beliebig anpassen. Das, was Sie tun wollen, liegt wie ein riesiger Berg vor Ihnen. Auf dem wacht Ihr Schweinehund. Er hält sie offenbar ab, das zu tun was Sie tun wollen. Gleichzeitig macht er Ihnen ein schlechtes Gewissen. Eine paradoxe Situation.

Gleichzeitig erleben Sie hier ein wichtiges Prinzip unseres Gehirns. Es will möglichst wenig Energie verbrauchen:„Ist es wirklich richtig wichtig, das zu tun?“  Und das Gehirn meidet unangenehme Emotionen. Es sei denn, es lohnt sich. Doch dazu später.

Machen Sie es überschaubar!

Würden Sie sich auf eine Bergtour einlassen, von der Sie wissen, dass Sie anstrengend ist (vielleicht, ja) aber nicht klar ist, ob es unterwegs Verpflegung, Berghütten für die Übernachtung und eine ungefähre Vorstellung gibt, wann Sie das Ziel erreichen können? Die Verlockung hält sich in Grenzen. Doch wenn die einzelnen Etappen der Bergtour klar und überschaubar sind, fällt die Entscheidung leichter. Der Energieverbrauch ist abschätzbar.

Herausforderungen sind durchaus in Ordnung

Eine Herausforderung ist durchaus ein Anreiz für unser Gehirn. Packe ich die Bergtour so wie geplant? Vielleicht finde ich noch ein paar Abkürzungen? Das wirkt sich wiederum auf die Emotion aus, aus anfänglicher Unlust entsteht Motivation. Oder am Ende der Bergtour erleben Sie den Ausblick als Belohnung für die Anstrengung.

Meine 3 praktischen Tipps, um endlich ein Vorhaben anzupacken:

  1. Starten Sie zu einem festen Zeitpunkt, für 5-8 Minuten. In der Zeit können Sie Ihre Unterlagen sortieren, prüfen, was schon alles da ist. Was ist der nächste Schritt? Wie viel Zeit werden Sie im besten Fall brauchen? Jetzt haben Sie – analog zur Bergtour – eine Idee, wie es vorangeht. Unübersichtliche Berge versetzen das Gehirn in Stress, dann ist es mit der Stressbewältigung beschäftigt. Übersichtliche Etappen erleichtern Ihnen den Weg.
  2. Die 5 oder 8 Minuten sind vorbei, das könnte erstmal reichen. Zumindest etwas ist getan. Sie haben „einen Fuß in der Tür“ und beim nächsten Mal fällt es leichter, da wieder anzuknüpfen. Vielleicht denken Sie sich: „Jetzt habe ich schon mal angefangen, ein bisschen könnte ich auch weitermachen.“ Warum auch nicht? So könnten Sie noch 12-18 Minuten dranhängen. So dehnen die Zeit peu à peu ein Stück weiter aus.
  3. Jetzt darf Schluss sein. Doch bevor Sie enden, planen Sie die nächste Etappe: wann machen Sie weiter? Was genau werden Sie tun und wie lange? So kommen Sie nach und nach mit Ihren Vorhaben voran, ohne sich und Ihren Schweinehund zu überfordern. Sie können zufrieden mit sich sein. Denn mit wenigen Minuten pro Tag oder Woche kommen Sie auch ans Ziel. Die Zufriedenheit stärkt die Motivation, zum nächsten Zeitpunkt daran anzuknüpfen.

Der ultimative Tipp: Vom Ende her denken und Belohnung einplanen!

Kleine Belohnungen sind eine legitime Unterstützung, um in Bewegung zu kommen. Mein Vorschlag: sammeln Sie in einer Liste kleine Belohnungen. Denn eine Belohnung haben Sie sich verdient! Das ist das Leckerli für Ihren Schweinehund – geniessen werden Sie gemeinsam.

Diese Liste erstellen Sie, wenn Sie in guter Stimmung sind. Eine Vorfreude-Erledigungs-Liste. Warum vorher? Damit Sie, wenn Sie mit Ihrem Vorhaben fertig sind, tatsächlich geniessen dürfen und nicht erst lange überlegen müssen, was Ihnen gut tun könnte. Klar, wenn Ihnen spontan etwas einfällt, ist das vollkommen in Ordnung!

Was könnte auf der Vorfreude-Liste draufstehen? Idealerweise kleine Dinge, die nicht viel Zeit und Aufwand brauchen und fast nichts kosten. Eine heiße Schokolade trinken, eine besondere Leckerei, mal süss oder salzig. Sie können Ihre Lieblingsmusik hören (und mitsingen) oder einen Film anschauen. Einen Freund oder Freundin zum Kaffeetrinken einladen, einen Podcast hören und bestimmt noch vieles mehr.

Aus der Liste wählen Sie nach Erledigung Ihrer Vorhaben aus, was Ihnen aktuell zusagt. Darauf können Sie sich schon vorab freuen. Ihr Gehirn hat jetzt ‚Pause‘ und Sie dürfen gemeinsam mit Ihrem Schweinehund geniessen!

Wie halten Sie es mit Ihrem Schweinehund – schreiben Sie mir doch:  mail@margit-reinhardt.de

Und wenn Sie motiviert sind, mehr für Ihre Gesundheit zu tun, dann habe ich hier noch einen Podcast-Tipp der Fresenius Hochschule für Sie: Vom Sportmuffel zur SportskanoneKönnen Sie gut auf dem Sofa anhören (38 Minuten). 

 

Es ist zermürbend, sagte meine Freundin, als wir uns zu unserer wöchentlichen Runde trafen. Ja, so ist es, zumindest ab und zu. Bereits letztes Jahr habe ich in einem meiner Blogartikel Jetzt erst recht – gestalten Sie aktiv Ihre Zukunft! darüber nachgedacht, dass uns eine Langstrecke bevorsteht. Kein mal-schnell-zusammenreissen-bis-wieder-alles-so-ist-wie-vorher. Stattdessen erleben wir eine Langstrecke, einen Marathon. Allerdings hat der eine fest definierte Länge!

Überlastung oder Runner’s High?

Nun, ich bin zwar sehr bewegungsfreudig, aber kein Marathonläufer. Doch ich weiß, dass es neben dem Runner’s High, einem euphorischen Glückszustand, andere Phasen gibt. Solche, in denen alles schmerzt, die noch zu laufende Strecke sich ewig lang anfühlt und der Läufer am liebsten alles hinschmeißen möchte. Um dem vorzubeugen,  ist Stabilität, eine ausgewogene Körperbalance wichtig, um Überbelastungen möglichst zu vermeiden.

Was der Marathon mit 42,195 Kilometern mit der mentalen Grenze zu tun hat

Im Unterschied zum Marathon, wo das Ziel genau 42,195 Kilometer entfernt ist, haben wir keine Ahnung, wann wir das Ziel erreichen. Das ist zermürbend. Vom Runner’s High sind wir noch ein ganzes Stück entfernt. Mir gibt zu denken, was ich kürzlich in einem Vortrag von Jürgen Lieske auf dem Resilienzkongress gehört habe: Er nannte es die mentale Grenze am Beispiel von Soldaten. Wenn die wissen, dass sie  einen echt anstrengenden Marsch vor sich haben, immer einen Berg hoch, 30 Kilometer lang und da müssen sie durch – dann erreichen 98% das Ziel.

Wir stecken in einem Dilemma

Wenn man das Ganze aber aufteilt in 3×10 Kilometer und jeweils nach der geleisteten Etappe erfährt, dass es noch nochmal weiter geht so nach dem Motto:  „Ach, jetzt  kommen nochmal 10 Kilometer…“ und das wiederholt sich und wiederholt sich – dann erreichen nur 60% das Ziel!

Gefühlt stecken wir genau in diesem Dilemma. Kommt nochmal eine Strecke von 5 oder 10 oder 15 Kilometern? Geht es den Berg rauf, ist es eine gerade Strecke? Kein Wunder, dass sich viele Menschen mental erschöpft fühlen und es schwer fällt, eine Perspektive sehen.

 

Ziele und kein Ende in Sicht

Ziele und doch kein Ende in Sicht

Im Ärger steckenbleiben oder eine Challenge draus machen

Und nun? Es ist vollkommen in Ordnung, sich zu ärgern und frustriert zu sein. Den Kopf zu schütteln, dass nach dem Hoffnung-machen wieder ein Rückschlag kommt. Wenn Sie das rausgelassen haben, können Sie langsam wieder in eine neue Spur kommen.

Denn Sie allein entscheiden, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten. Sie können im Frust und Ärger verharren. Oder die Situation – unseren Marathon – als eine Challenge sehen:

  • Setzen Sie sich Ziele, auch wenn diese ganz klein sind. Mit solchen, die Sie erreichen können, um wieder ein Gefühl der Kontrolle zu erleben. Um aus Gedankenschleifen herauszukommen. Oder um sich aus dem lähmenden Gefühl herauszuschälen.
  • Sehen Sie es als Training dafür, wie es Ihnen immer wieder gelingt, sich an neue Situationen anzupassen. Sie lernen jeden Tag dazu. Es ist erstaunlich, was trotzdem alles möglich ist.
  • Begeben Sie sich auf Schatzsuche: Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit dahin, was trotzdem alles möglich ist. Anders als vorher, aber machbar.

Den Blickwinkel ein ganzes Stück weiter verschieben

Vieles relativiert sich, wenn ich dran denke, wie Familien etwa in afrikanischen Ländern oder in Indien mit den geringsten Mitteln versuchen, durch diese Pandemie zu kommen. Ja, es ist nicht einfach, doch Fakt ist: wir leben in einem der reichsten Länder weltweit. Laut UNICEF haben 463 Millionen Kinder überhaupt keinen Zugang zum Online-Lernen haben. Viele Eltern haben ihren Job verloren und rutschen weiter in die Armut. Während wir ausreichend Masken haben, die mittlerweile sogar überall auf Wegen, in Parks und im Wald herumliegen. Das mit dem Impfstoff hat bis jetzt nicht so geklappt wie angekündigt – bisher. Aber es gibt einen! Sogar mehrere, das ist ebenfalls nicht selbstverständlich. Das mit den Ansprüchen ist so eine Sache für sich und der Blick über den Tellerrand des Alltag macht mich eher dankbar dafür, wo ich leben darf.

Und überhaupt – gibt es einen Anspruch darauf, dass das Leben leicht zu sein hat?

Als ich mit meiner Freundin darüber gesprochen habe, ist mir eines wieder ganz deutlich geworden. Es kommt immer wieder darauf an, wie wie wir selbst Einfluss nehmen und den Tag gestalten. Egal, welche materiellen Ressourcen Sie besitzen, sie sind kein Garant für eine gute Stimmung oder positive Einstellung. Dafür kann jeder etwas tun.

Denn das Leben findet weiterhin statt. Vollkommen unbeeindruckt, jetzt, hier und heute. Nicht in drei, sechs oder wieviel Monaten auch immer. Sondern in diesem Augenblick, der jeder für sich immer einzigartig ist.

Meine 5 erprobten Tipps für unseren Marathon – und Ihre?

Machen Sie das Beste draus! Hier meine fünf – erprobten – Tipps dazu. Sie haben bestimmt noch andere – immer her damit! So dass möglichst viele davon profitieren können!

Tagesstruktur im Homeoffice

  1. Dosieren Sie die Nachrichten, Eilmeldungen und Sondersendungen. Je häufiger Sie sich ausführlich mit all den Einzelheiten beschäftigen, desto mehr beschäftigt es Ihr Gehirn. Keine Frage, auch ich will informiert sein. Mir reichen 5 oder 10 Minuten für das wirklich Wesentliche.
  2. Verlieren Sie Ihre gute Laune nicht! Tun Sie etwas dafür: Ihre 5 besten gute-Laune-Songs zum jederzeit-abrufen. Singen oder summen Sie mit, bewegen Sie sich dazu. Nach einigen Minuten ist das alles in Ihrem Gehirn angekommen und hellt Ihre Stimmung für eine ganze Weile auf.
  3. Es ist immer wieder überraschend – aber wenn Sie jemand anderem eine kleine Freude machen, wirkt das positiv stärkend auf sie selbst zurück. Ob das ein Lächeln ist, ein paar nette Worte oder ein Dankeschön für eine Mini-Kleinigkeit.
  4. Wir alle führen ständig innere Gespräche. Achten Sie mal auf Ihre Worte: sprechen Sie wohlwollend und freundlich mit sich selbst? Ermutigend und wertschätzend? Viele Menschen gehen eher abwertend mit sich um: ‚Bin ich doof! Das hätte auch schneller gehen können!’ Das hat erheblichen Einfluss auf ihr gesamtes Wohlbefinden.
  5. Rituale und feste Zeiten geben dem Tag eine Struktur. Das wiederum bedeutet Sicherheit. Ich lebe wie so viele andere seit einem Jahr im Home-Office. Die Welt ist einerseits klein, andererseits von den virtuellen Kontakten her riesig geworden. Um hier eine Balance zu finden, gehe ich jeden Tag für etwa eine Stunde raus. Dabei wechsele ich natürlich die Routen ab und bringe auch sonst immer wieder gezielt Abwechslung in meinen Alltag. Denn auch das ist ein nicht zu unterschätzendes Bedürfnis: ein bisschen was anderes als das, was den Alltag ausmacht.

Widrige Umstände ‚veredeln‘

Der Einfluss dessen, was jeder Einzelne bewirken kann, wird wie so oft unterschätzt. Doch genau da ist ein Ansatzpunkt mit einer enormen Wirkung. Wir können selbst etwas tun. Um ‚widrige Umstände zu veredeln’, so Jürgen Lieske.

Was sind aktuell Ihre besten Tipps im Umgang mit unserer Langstrecke?  Den vielen 5 oder 10 Kilometer-Etappen? Das würde mich echt interessieren! Ich freue mich, wenn Sie mir das verraten. Übrigens, ich werde jede Mail persönlich beantworten!

Bleiben Sie weiterhin gesund und zuversichtlich!

Die Jahreszeiten wechseln, das Frühjahr kommt, die Pandemie bleibt. Ein erneuter Anlass,  den Blick darauf zu richten, was jeder selbst tun kann, um mental stark zu sein und die Zuversicht zu düngen!

Dazu möchte ich Ihnen einige Redner des Kongresses „Mentale Balance und Gesundheit in stürmischen Zeiten“ vorstellen. Fand bereits im Herbst statt, aber wie gesagt, das Thema ist brandaktuell. Der Zugang ist kostenfrei, damit möglichst viele Menschen sich die Vorträge ansehen können. Das einzige, was Sie brauchen, ist eine Anmeldung.

Lebensbejahende Menschen, die ihre Zukunft aktiv gestalten

„Gerade jetzt brauchen wir starke, lebensbejahende Menschen, die für Ihre Position einstehen und Ihr Leben trotz der Herausforderungen positiv gestalten und Ihre Zukunft in die Hand nehmen.“ So schreibt es der Initiator, Weert Jacobsen Kramer in der Begrüßung.

Holen Sie sich Inspiration, was Sie aktiv werden können

Zentral ist hier die Hilfe zur Selbsthilfe – Sie können mit Sicherheit etwas für sich mitnehmen, ein AHA-Erlebnis, eine Erkenntnis oder eine Idee, wie Sie aus Stress, Anspannung oder negativer Stimmung wieder rauskommen. Die Aufnahmen bestehen jeweils aus einem Interview, teilweise haben die Referenten noch einen Bonus mit zur Verfügung gestellt. Es sind durch die Bank bekannte und renommierte Experten. Sie haben also etwas davon, wenn Sie sich das ein oder andere Video bzw. Interview anschauen.

5 Referenten von insgesamt 15 – meine ganz persönliche Vorauswahl

Die Referenten und Interviewpartner kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Einige von ihnen kenne ich aus Seminaren oder von Kongressen. Es ist eine Auswahl ohne eine Bewertung, eher so aus dem Bauch heraus. Bestimmt finden Sie noch andere Referenten, die Ihnen zusagen.

  • Dr. Michael Bohne kenne ich aus meiner PEP®-Weiterbildung. Ich schätze seinen Humor und die Leichtigkeit, mit der er auch schwere Themen angeht ebenso wie seine Energie und sein unermüdliches Engagement.

    Er vermittelt mit PEP® eine einfach zu erlernende Klopftechnik für den Umgang mit Angst und Unsicherheit. Das gilt für Alltagssituationen aber auch für Auftritte aller Art, übrigens eines seiner Spezialgebiete. In weiteren Videos können Sie seine Klopfmethode direkt anschauen und gleich mit ausprobieren. Ergänzt wird das mit Materialien zur Selbststärkung, übrigens alles kostenfrei zum Download.

  • Das Interview mit Antje Heimsoeth, Sport- und Mentaltrainerin, Autorin und Coach hat Ziele und Dankbarkeit zum Thema. Ein Element daraus ist die ‚Wall of Happiness‘ ein Board bestückt mit Fotos, worauf sie sich freut. Eine Idee, die mich gleich angesprochen hat. Außerdem berichtet Antje Heimsoeth aus ihrer Arbeit mit Sportlern und welche Zielbilder dort eingesetzt werden. Eine Technik, die sie selbst mehrmals am Tag nutzt, ist das Ruhebild. Sie versetzt sich für wenige Minuten gedanklich an einen schönen Ort und verbindet das mit einer tiefen Atmung. Was mich hier noch beeindruckt hat, ist, dass mit einer Mentaltechnik in den Tag startet und ihren Tag mit einem Dankbarkeitsritual abschließt.
  • Astrid Keweloh ist Hypnotherapeutin und Autorin. Im Interview spricht sie darüber, wie Sie Ressourcen entwickeln, die Sie ganz leicht im Alltag umsetzen können. Auch sie nutzt die Klopftechnik wie von Michael Bohne beschrieben. Es ist eine recht einfache Möglichkeit, um aus einem akuten Stresserleben schnell wieder herauskommen. Denn Stress engt das Denken ein und lenkt den Fokus auf das Negative. Das wirkt wiederum auf die Stimmung und so ‚beisst sich die Katze in den Schwanz‘.

    Zusätzlich stellt sie zwei kleine Atemtechniken direkt vor. Die erste ist eine Überkreuzübung, die Sie einsetzen können, um sich besser konzentrieren. Eine verblüffend einfache Methode, die ich für schon lange für mich selbst und auch in meinen Seminaren einsetze.

    Die zweite entspannt mehr und bringt Sie in eine angenehme Stimmung. Lohnt sich, das anzusehen. Im zweiten Video stellt sie eine Trance zur Ressourcenstärkung vor. All diese Aspekte finden sich auch in ihrem Buch „Wie bringe ich die Kuh tanzend vom Eis?“

  • Ich beschließe meine Reihe mit Ortwin Meiss. Er ist Psychotherapeut, Coach und Autor. Ich kenne ich von mehreren Seminaren. Er beeindruckt mich immer wieder mit seinem umfangreichen Erfahrungsschatz. Er spricht über den mentalen Umgang mit Krankheit und Krise. Unser Immunsystem bezeichnet er als unseren 6. Sinn. In diesem Zusammenhang stellt er eine Trance vor, die Ihr Immunsystem stärkt. Wussten Sie, dass Ihr Immunsystem Augen und Ohren hat? Ein interessanter Aspekt, den Ortwin Meiss in seiner typischen unaufgeregten und doch sehr intensiven Art vorstellt.

Negatives wirkt stärker – leider!

Bestimmt können Sie aus den Gesprächen und den vorgestellten Methoden etwas für sich mitnehmen. Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass unser Gehirn Negatives stärker wahrnimmt als das positive. Wichtig, um Gefahren schnell zu erkennen. Insbesondere bei Stress neigt unser Gehirn dazu, den Negativblick noch einmal zu intensivieren.

Gleichzeitig lernt das Gehirn, mehr auf das zu achten, worauf Sie sich fokussieren. Viel Negatives (viele Nachrichten…) lenkt den Blick immer wieder auf diese Themen.

Giesskanne für Pflänzchen Zuversicht

Füllen Sie Ihre Giesskanne!

Die gute Nachricht: das lässt sich auch umdrehen! Deswegen ist der bewusste Blick auf das, was gelingt, was sich zum Positiven verändert, so enorm wichtig. Aber Achtung, es reicht nicht, ein negatives Ereignis mit einem positiven Ereignis auszugleichen. Unser Gehirn braucht etwa 5-7 Ereignisse oder den Blickwechsel auf etwas Positives, um Negatives auszugleichen.

All dies hilft, das zarte Pflänzchen Zuversicht jeden Tag weiter zu düngen. Füllen Sie Ihre Giesskanne -am besten täglich!

Bleiben Sie gesund und werden Sie zuversichtlicher!

Hilfe zur Selbsthilfe durch stärkende Sätze und Klopfen

Wir leben in besonderen Zeiten, viele erleben sie als beunruhigend und verunsichernd. Da ist es gut, ein paar Techniken selbst anwenden zu können, um sich zu beruhigen und wieder in eine gute Balance zu kommen. Dazu haben Michael Bohne und Sabine Ebersberger ein Kartenset mit stärkenden Sätzen für normale Alltagsunsicherheiten entwickelt. Die, die jeder kennt, wenn man nicht weiß, wie sich die Situation entwickeln wird. Ein Tool zur Selbsthilfe, zur inneren Stärkung und Beruhigung.

Selbstwirksamkeit stärken

Schauen Sie mal auf die Webseite https://www.innen-leben.org/karten-set/, dort können Sie sich das Kartenset herunterladen. Eine weitere Anleitung mit Videos von Michael Bohne zur Klopftechnik finden Sie hier https://www.innen-leben.org/klopfen-gegen-angst/.

Wenn Sie eigene unterstützende Sätze für Ihre Herausforderungen entwickeln wollen, um Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken, dann können Sie sich an mich wenden – entweder per mail an info@margit-reinhardt.de oder Sie rufen mich unverbindlich an (0721) 753361.

Noch stecken die meisten von uns in einer Starre, so wie das Kaninchen vor der ‚Virusschlange‘. Es ist etwas passiert, womit kaum jemand gerechnet hat und es hat uns kalt erwischt. Das normale Leben ist auf einmal umgekrempelt. Auf den Kopf gestellt. 

Veränderungen, die wir gerade kollektiv erleben, haben verschiedene Stufen und Etappen. Je nachdem bewegt sich jeder Einzelne von uns noch im Schockzustand oder hofft, dass beim nächsten morgendlichen Erwachen alles nur ein Alptraum war. Andere stecken schon in der Bewältigungsphase, die wiederum von zeitweiser Lähmung unterbrochen werden kann. 

Die Welt danach wird auf jeden Fall anders sein. Wir werden resilienter sein, mehr auf uns und andere achten. Uns bewusst sein, was wir mit unserem Verhalten bewirken können und wo wir andere unterstützen und bestärken können.

Dazu habe ich einen Artikel entdeckt, der einen Blick in die Zukunft wirft. Eine Methode, die sich der Rückwärts-Prognose bedient. Dies ist auch eine Methode im Coaching. Stellen Sie sich vor, es ist September 2020. Lesen Sie weiter im Artikel von Matthias Horx, Leiter des Zukunftinstituts. https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/im-rausch-des-positiven-die-welt-nach-corona/?

Wenn Sie leichter durch diese aktuelle Phase kommen wollen, mit all ihren Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, dem emotionalen Auf und Ab, biete ich Ihnen aktuell bis Ende April meine Coachingpakete um 50% reduziert an. Zu Stärkung Ihrer Resilienz, dem Umgang mit emotionalem Stress oder einem anderen Thema, das Sie beschäftigt. http://www.margit-reinhardt.de/coaching

Natürlich so, wie es aktuell sein soll: Virenfrei per Video – über Zoom oder per Telefon. Ein kostenfreies Erstgespräch ist selbstverständlich mit dabei. Rufen Sie mich unter (0721) 75 33 61 an oder senden Sie mir eine Mail!

Bleiben Sie gesund. Halten Sie Abstand. Bleiben Sie verbunden. 

Ein heikles Thema, gerade deswegen ist es wichtig, darüber zu sprechen. Was macht Ihr innerer Schweinehund? Sitzt der auch bei Ihnen auf dem Sofa?

Tja, warum nicht den Urlaub dazu nutzen, um die persönliche Veränderungsfähigkeit zu reflektieren? Das ergab sich einfach so. Unabsichtlich. Alles begann mit einer Zugfahrt. Anstatt mit dem Auto, sind wir zur Abwechslung mit dem Zug in den Urlaub gefahren. In die Berge, nach Italien. Allein das ergab schon neue Blickwinkel –  mal vom Zug aus die Autobahn sehen, auf der wir sonst unterwegs gewesen wären. Abgesehen davon hatten wir interessante Begegnungen im Zug, eine Familie aus Chicago auf dem Weg nach Venedig, ein Paar, dass zum Wandern unterwegs war, bei dem man das auf den ersten Blick echt nicht vermutet hätte. Genau, es ging ja auch um den Blick über den Tellerrand und die Reflektion. Um schnelle Einschätzungen, die ebenso schnell revidiert wurden.

Ein Urlaub ist ja geradezu prädestiniert für dieses Thema – allerdings ist es eine selbstgewählte Veränderung des Alltäglichen. Wenn ich in meinen Seminaren die Frage nach der Offenheit für Neues stelle, wird diese nach einem kurzen Zögern bejaht: “Na, grundsätzlich schon!“.  Warum auch nicht? Doch mit Veränderungen bzw. der Offenheit für Neues wird oft der private Alltag gemeint. Dinge, die man selbst steuern und beeinflussen kann. “ Klar probiere ich Neues aus! Sehr gern sogar – neue Rezepte, mal woanders hinfahren, etwas anschauen.“  Veränderungen in Mini-Dosierung. Reicht das aus, um für die Veränderungen, die sich in den nächsten Jahren ereignen werden, fit zu sein?

Neue unbekannte Wege ausprobieren und sich überraschen lassen

Sehen Sie Veränderungen als eine Chance, sich weiterzuentwickeln zum Beispiel? Nicht nur als Abwechslung im Urlaub, sondern auch im beruflichen Umfeld?

Dauerzustand oder Ausnahme?

Veränderung wird keine Ausnahme mehr sein, die alle paar Jahre mal irgendwie stattfindet.   Allein die Halbwertszeit unseres technischen Wissens beträgt ungefähr 1,5 Jahre. Das Umfeld – die Stadt, die Natur und die Gesellschaft verändern sich permanent. Egal, ob Sie angestellt oder selbstständig sind, wer sich nicht anpasst oder besser: immer weiter dazu lernt, wird irgendwann den Anschluss verlieren! Ob es die Digitalisierung ist, die Ihr Arbeitsumfeld verändert oder ob Sie sich ein ganz neues Arbeitsgebiet erschließen werden. Veränderung kommt von innen – Sie wollen etwas Neues tun und Sie kommt von außen: ‚Schon wieder eine neue Software? Ich komme doch gerade mit der alten Version klar! Und überhaupt – es funktioniert doch noch alles!‘ 

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie Ihr aktueller Arbeitsplatz in 3, 5 oder 7 Jahren aussehen wird? Menschen überschätzen was sich in 10 Jahren verändert und unterschätzen oft, was sich in 2 oder 3 Jahren wandelt. Was viele Menschen verunsichert, ist die Ungewissheit, die Unberechenbarkeit.

Was hat sich verändert?

Nach 15 Jahren Pause sind wir wieder an einen Ort gefahren, den wir schon kannten. Mal sehen, was sich verändert hat!  Dort haben wir uns Fahrräder ausgeliehen, um die Gegend auf diese Weise zu erkunden. Ungewöhnliche Situationen regen das Gehirn bekanntermaßen an.

Gewohnheitsmäßige und schon X – mal Erlebtes wird im Gehirn als eine Art Muster, wie ein Grundgerüst, abgespeichert. So ist es auch mit dem Fahrradfahren. Neue Erfahrungen – mit anderen Rädern und Strecken – werden mit dem Bestehenden abgeglichen und hinzugefügt. Mit meinem Citybike bin ich mittlerweile fast verwachsen. Aber das steht ja zuhause. Hier war ich nun zum ersten Mal mit einem Mountainbike unterwegs. Die Leichtigkeit dieses Fahrrades war schon toll. Gänge ohne Ende. Nur, das Fahrgefühl war erst einmal ziemlich irritierend. Die Haltung eine ganz andere, weil der Lenker so tief ist. Meine Komfortzone quengelte! Ich habe mich dabei ertappt, dass ich mir spontan“ mein Fahrrad“ hierher gewünscht habe. Diese Reaktion fand ich schon interessant und das spornte mich erst recht an, mich auf das Neue einzulassen.  Es wird Zeit, dachte ich mir, mein verfestigtes Fahrrad-Denkmuster etwas zu irritieren. Auch die Strecken waren natürlich ganz anders als hier im Karlsruher Flachland. Ein Muskelstärkendes Auf und Ab, super anstrengend, aber sehr sinnvoll angesichts des hervorragenden Essens!

Ihre Komfortzone liebt das – garantiert!

Ja, die liebt nicht nur gutes Essen, sondern auch Gewohnheiten und Sicherheit.

Neues mag ja ganz interessant sein, doch die persönliche Komfortzone ist oft noch viel lockender. Es ist das Gewohnte, dass was Sie kennen, was Ihnen vertraut ist und wo Sie sich sicher fühlen. Sie können einschätzen, was Sie erwartet. Für unser Gehirn ist es der Energiesparmodus und wird deswegen bevorzugt angesteuert.

Neues oder Veränderungen hingegen verbrauchen einfach mehr Energie. Abläufe dauern länger, Sie fühlen sich unsicher, werden ungeduldig oder wissen nicht, wann Sie mit bestimmten Aufgaben fertig sein werden. Da ist es doch viel leichter, auf der gehirneigenen Autobahn unterwegs zu sein. Ein Dilemma!

Damit sie von Neuem nicht so überrascht werden, können Sie Ihre Komfortzone regelmäßig mit Kleinigkeiten trainieren.  Das ist ja das geniale mit unserem Gehirn!  Wenn Sie Ihre Komfortzone in ein Trainingslager schicken, können sie mit großen und kleinen Neuerungen viele besser und souveräner umgehen! Wie das geht?  Es ist super einfach: tun Sie etwas, was ihnen fremd ist. Oder etwas, was sie bisher aus ihrem Denken ausgeschlossen haben. Unser Denken basiert ja wiederum auf unseren Gewohnheiten. Schon sind wir wieder in der Komfortzone gelandet. Die breiten Autobahnen, die uns weismachen wollen, dass hier das beste Leben stattfindet.

3 Varianten des Radfahrens

Um noch einmal auf das Radfahren zurückzukommen. Nach 4 Stunden – gefühlte 2 Stunden ging wirklich nur stetig bergauf – hatte ich erst einmal genug. Insgesamt haben wir in unserem Urlaub 3 Fahrradarten getestet: ganz einfach, nur ein paar Gänge (naja… das machte ausgerechnet an einem heißen Tag nicht so viel Spaß) und schließlich noch ein E-Bike. Wollte ich vorher nie…. abgeschreckt durch die Radler, die in einem Affenzahn (wahrscheinlich dem Tagesziel von 150 Kilometern geschuldet) an uns vorbeipreschten. In den Gesichtern sah ich eher Stress als Erholung.

Lieber im Autopilot der Routine oder Neues anpacken?

Wie ist das bei Ihnen? Welcher Veränderungstyp sind Sie?

Sind Sie eher ein Veränderungsjunkie und können nicht genug bekommen vom Ausprobieren? Da hätten Sie jeden Tag ein anderes Fahrrad gewählt! Im Berufsalltag sind Sie für neue Projekte oder einem Wechsel in eine andere Niederlassung nicht abgeneigt. Eine ganz neue Arbeitsweise – na endlich! Diese Menschen sind es, die oft etwas vorantreiben und bewegen wollen.

Oder gehören Sie eher zu den Vorsichtig-Prüfenden?

In diesem Fall hätten Sie im Vorfeld gecheckt, wo es welche Fahrräder gibt. Dann hätten Sie diese ausprobiert und nach gründlicher Überlegung eins ausgewählt. Im Berufsalltag gehören Sie eher zu denen, die lieber erst einmal abwarten oder sich ganz gründlich informieren und dann entscheiden. Das neue Projekt und noch so etwas wie agiles Arbeiten – lass doch die mal machen, wahrscheinlich wird es nichts, warten wir einfach mal ab.

Brauchen Sie eine Anschubunterstützung?

Ach ja, gibt ja noch eine dritte Variante: das sind die, die zuerst ein wenig zögerlich sind, dann aber gerne mitmachen! In meinem Fahrradbeispiel hätten Sie erst mal nach anderen Meinungen und Erfahrungen gefragt. Wer hat denn das Rad schon gefahren? Wie ist das hier in der Gegend, was empfehlen Sie? Nach der ersten Skepsis und wenn Sie andere beobachten, fällt es Ihnen leichter, mitzumachen und dann packt auch Sie die Motivation!

Wohin tendieren Sie eher? Zu denen, die sofort beim Neuen mit dabei sind, mit Neugier und Entdeckerfreude? Oder tendieren Sie zu denen, die lieber erstmal abwarten und schauen?  Melden sich schnell ihre inneren Bedenkenträger, die sofort mindestens 9 Gründe finden, warum das wahrscheinlich nicht funktionieren wird.

Warum eine Veränderungskompetenz Voraussetzung für eine gelingende Zukunft ist

Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass Sie in 3, 5 oder 10 Jahren nicht mehr so arbeiten werden, wie Sie es heute tun. Überlegen Sie mal, wie es in Ihrem Beruf oder in Ihrer Branche aussieht: Ist die Entwicklung klar vorhersehbar? Vieles ist ungewiss. Das ist für manche schwer auszuhalten, leichter ist es, einfach zu hoffen, dass es schon nicht so heftig werden wird. Ich meine, sich in Flexibilität zu üben, ist immer sinnvoll. Besser noch, sich die Offenheit oder und Neugier lebenslang zu bewahren. Die Zukunft wird mit Sicherheit eins beinhalten: viele Unwägbarkeiten. Das braucht Mut, Lernbereitschaft, Frustrationstoleranz, einen guten Umgang mit Stress – kurzum eine solide Belastbarkeit. Das war auch in meinem Urlaub so, aber bevor es damit weitergeht, hier ein Überblick über die Veränderungskompetenzen.

Überblick über die Veränderungskompetenzen

  • Neugier – Entdeckungen machen
  • Optimismus – positiv an Neues herangehen, das Gelingen im Blick haben
  • Frustrationstoleranz – wenn etwas nicht gleich gelingt, länger dauert als erwartet oder bei Lernprozessen, die langwierig sind
  • Das Aushalten von Mehrdeutigkeit (Ambiguität)
  • Offen für andere Menschen sein – sich mit anderen Menschen vernetzen und austauschen, voneinander lernen
  • Die Bereitschaft, sich mit seinen Fähigkeiten einzubringen

Wie gesagt, ich war veränderungsbereit. Also auch ein E-Bike. Unsinnig, dachte ich mir anfangs, ich will mich ja bewegen und nicht bewegt werden! Aber – ich gebe zu, bei den Bergstrecken war es dann doch cool, mit dieser Unterstützung voranzukommen. Wir konnten so unsere Touren ausweiten, haben uns ausgepowert, waren aber nicht fix und alle. Haben uns Zeit für den Duft der Wiesen genommen, haben viele Nah- und Fernaussichten genossen und waren einfach im Hier und Jetzt. Und es hat so gut getan!

Fünf Tipps – auch ohne Urlaub, für mehr Neugier und Entdeckerfreude

  • Etwas anders machen – ein anderes Fortbewegungsmittel als üblich wählen
  • Wenn Sie Zug fahren, legen Sie Ihr Handy mal weg. Lassen Sie die Landschaft vorbei gleiten und die Gedanken schweifen. Eine leichte Langeweile trägt das Denken an und Sie können auch super neue Ideen kommen. Beispiel: Rowling –  die Idee mit Harry Potter kam ihr auf einer langweiligen Zugfahrt
  • Lesen Sie mal eine ganz andere Zeitschrift oder Zeitung als sonst – regen Sie damit Ihr Denken an
  • Gehen oder fahren Sie andere Wege als die, die sie gewohnheitsmäßig nutzen.  Ärgern Sie sich nicht über Umleitungen oder Baustellen, sondern nutzen Sie diese als Anregung, Neues zu entdecken.
  • Gehen Sie an einer Woche mit Kollegen aus einer ganz anderen Abteilung in die Kantine – oder mit Bekannten, mit denen sie sonst nicht so viel zu tun haben. Wir geben unser gerne mit Menschen, die wir kennen oder die so ähnlich denken wie wir.  Bringen Sie so frischen Wind in Ihr Gehirn!

Am Anfang mag es sich ein wenig komisch anfühlen. Je häufiger Sie einen Ausflug aus ihrer Komfortzone machen, einen Blick über den Tellerrand Ihres Denkens wagen, desto interessanter wird es und desto leichter wird es ihnen fallen! Praktischer Nebeneffekt: Sie werden mit Veränderungen leichter und gelingender umgehen können.

Ohne Energieeinsatz geht es nicht – sind Sie bereit, sich ein wenig anzustrengen?

  • Altes und auch Vertrautes loslassen
  • Verändern Sie die Blickrichtung – schauen Sie über den Tellerrand
  • Verlassen Sie immer wieder bewusst Ihre Komfortzone

Schließlich geht es darum, das eigene Leben gut zu gestalten. Denn Veränderungen macht ja nicht vor dem privaten Leben halt. oder dem gesellschaftlichen. Es trifft uns sozusagen alle. Von daher ist ein Austausch so wichtig – auch weil sich das Wissen so schnell

Verändert. Was können Sie von anderen lernen? Und umgekehrt natürlich auch.

“ Die wahren Entdeckungen liegen da, wo uns die Dinge fremd und neu sind.“

Svenja Hofert, Mindshift

Der Urlaub endete dann doch ganz anders als gedacht. Beim Absteigen bin ich aus dem Gleichgewicht gekommen: zwei Wochen Gipsarm. Immerhin – es war der letzte Urlaubstag. Soviel Neues wollte ich dann doch nicht, aber auch daraus habe ich, wenn auch unfreiwillig, meine Kompetenzen in Geduld und Frusttoleranz gestärkt. Nicht einfach, aber auch dies eine Sache des Blickwinkels.