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Der letzte Blogtext hat sich mit Erinnerungen beschäftigt, jetzt geht es um das Merken, insbesondere um das, was Sie sich merken müssen, aber nicht unbedingt wollen. Klingt ziemlich paradox, oder? Ist aber Alltag und ich bin mir sicher, dass Sie das auch kennen: „Ich muss mir was merken, interessiert mich aber nicht!“

Was meinen Sie, wie Ihr Gedächtnis vorgeht, wenn Sie etwas lernen oder sich merken wollen, was Sie gar nicht interessiert? „Ich muss mir das da merken, interessiert mich aber überhaupt nicht!“ Das haben Sie doch bestimmt auch schon mal gedacht oder gesagt. Das ist so, als ob Sie 1.000 Meter schwimmen wollen, ohne dazu ins Wasser zu gehen.

Eine Trockenübung sozusagen. Ihr Gedächtnis hingegen braucht die Emotion, um etwas in seiner Bedeutung einschätzen zu können. Ebenso sucht es übrigens immer nach Sinn und Bedeutung. Ohne irgendein Interesse kann das also kaum klappen.

Ein anderer Aspekt ist die Wichtigkeit. Das Interesse kann, naja, mäßig sein, aber Sie wissen, es ist einfach wichtig für Ihre nächste Aufgabe oder das nächste Projekt!

Ist es wichtig für Sie?

Interesse ist das eine, aber wie wichtig ist der Inhalt für Sie? Brauchen Sie das, was Sie lernen oder sich merken wollen, für Ihre Arbeit?

  • Etwa Produktinformationen mit allen Einzelheiten, die Sie für Ihre Kunden parat haben wollen?
  • Verschiedene Geschäftsstrategien oder Modelle, die Sie zur Diskussion stellen wollen, ohne ständig auf einen Zettel zu schauen oder gar eine PowerPoint Folie ablesen?
  • Die Inhalte für eine Prüfung, die Sie beruflich weiterbringt?
  • Sind es Vokabeln oder gar Grammatik, ohne die Sie sich nicht verständlich ausdrücken können?
  • Die Zuordnung von Kollegen, mit denen Sie seltener zu tun haben, zu verschiedenen Abteilungen oder Projekten?

Wenn Sie sich selbst klar machen, wie wichtig es für Sie ist, fällt es Ihnen leichter, sich diese Inhalte zu merken. Stellen Sie sich dazu eine Skala von 0 bis 10 vor.

Dabei steht die 0 für „Ist mir egal.“ und die 10 für „Will ich unbedingt wissen oder können!“. Mit dieser Einordnung können Sie sich leichter motivieren oder umgekehrt auch feststellen, dass sich für Sie im Moment der Aufwand nicht lohnt. Seien Sie lieber ehrlich zu sich selbst, als sich über Ihr angeblich schlechtes Gedächtnis zu ärgern.

Interesse können Sie entwickeln, Schritt für Schritt!

Die Fähigkeit, Ausdauer und Interesse zu entwickeln, ist enorm hilfreich. Oft ist es doch so, dass man sich um ungeliebte Aufgaben drückt, sie schiebt und schiebt. Der Energieaufwand des drumherum mogeln ist oft höher, als wenn Sie diese Aufgabe schon längst erledigt hätten. Trotzdem passiert es immer wieder. Oder sind Sie frei davon?

Die drei Phasen zum Handeln

  1. Erst einmal wägen Sie ab. Will ich oder nicht? Die Argumente gehen mal in die eine Richtung, dann in die andere. Diese Phase dauert unter Umständen recht lange.
  2. Wenn Sie sich dazu entschliessen, eine Aufgabe anzugehen, ist der Wille aktiv und Sie handeln tatsächlich.
  3. Bewertung – wie fühlen Sie sich, wenn Sie diese Aufgabe – oder die Lernsession – tatsächlich gemeistert haben?

Wie gehen Sie jetzt am besten vor?

Den ersten Schritt tun

Je länger Sie mit sich hadern und zwischen ‚soll ich oder soll ich nicht‘ und ‚ich will nicht, aber ich muss‘ hin und herpendeln, verbrauchen Sie sowohl emotionale als auch mentale Energie. Wie gehen Sie mit dem inneren Widerstand um? Am besten, indem Sie sich einen konkreten Zeitpunkt setzen und einfach anfangen.

Dieses Anfangen von etwas, was Ihnen schwerfällt, können Sie üben. Tun Sie jeden Tag eine Kleinigkeit aus dem Pool: „Womit ich mich schwertue.“ Am besten setzen Sie sich dazu noch eine punktgenaue Zeit, wann Sie anfangen und wann Sie damit wieder aufhören. Also zum Beispiel um 10.30 Uhr bis 10.40 Uhr. Für manche Aufgaben brauchen Sie sicherlich mehr als ein paar Minuten, aber es geht ja hier um das Einüben von Routinen. Später können Sie diesen festen Beginn für Lernsessions, Sport oder die Steuererklärung nutzen.

So umgehen Sie Ausweichhandlungen, dass Sie doch noch schnell Blumen giessen, eine Mail schreiben oder irgendetwas anderes tun müssten.

„Eat the Frog“ – aktiv sein und locker gute Gewohnheiten etablieren

Das Tolle ist, wenn Sie sich jeden Tag um die gleiche Zeit so eine kleine Sache vornehmen, ist das der Beginn einer Gewohnheit. Das ist so wie „Eat the Frog“ womit gemeint ist, jeden Tag mit einer Aufgabe zu beginnen, mit der man sich etwas schwer tut. Diese Energie und das gute Gefühl, die dabei freigesetzt werden, können Sie gleich für die nächsten Aufgaben nutzen.

Methode eat the frog

Feste Zeitpunkte sparen Energie, weil Sie nicht vorher mit sich hadern oder sich immer wieder neue Ausreden einfallen lassen müssen, um eben erst 5 Minuten später anzufangen. Ganz ehrlich, die durch Ausreden gewonnenen Minuten können Sie doch so richtig nicht geniessen, oder?

Rückblick und Bewertung

Wenn Sie diese ungeliebte Aufgabe angepackt haben und fertig sind – wie geht es Ihnen jetzt? Wie ist Ihre Stimmung? Von Erleichterung bis hinzu „Endlich habe ich das geschafft, was ich schon (längst) tun wollte!“

Mit diesem guten Gefühl werden in Ihrem Gehirn Botenstoffe, die Endorphine, ausgeschüttet. Ganz nebenbei stärkt es Ihre Selbstwirksamkeit (Link). Das heisst, dass Sie das Vertrauen zu sich selbst haben, mit ähnlichen Situationen besser klarzukommen. Mit jeder neuen Aufgabe, die Sie zum Beispiel auf diese Art und Weise angehen, wird Ihre Selbstwirksamkeit weiter gestärkt. Das hilft Ihnen auch dann, wenn mal etwas gar nicht klappt und Sie mit einem Misserfolg zurechtkommen müssen.

Ohne Emotion passiert (fast) nix!

Was Sie rein objektiv wahrnehmen, bleibt weniger gut im Gedächtnis. Das Gehirn ist immer subjektiv. Auch wenn Sie meinen, ganz objektiv zu sein. Nur die Fakten sehen zu wollen. Wenn es um eine Entscheidung geht, kommen immer die Emotionen ins Spiel. Genau die bewerten das, was Sie erleben und geben ihm eine Bedeutung.

Das kennen Sie aus Ihrem Alltag. Sie sollten sich die Inhalte aus dem Meeting von heute Vormittag merken. Wollten Sie auch . Aber Ihre Gedanken sind noch beim letzten Telefonat mit einem Kunden. Das lief nicht so gut und Sie verfallen ins Grübeln, woran das gelegen hat. Das beschäftigt Sie, weil es verständlicherweise eine andere Bedeutung für Sie hat.

Was dabei in Ihrem Gehirn abläuft

Direkt hinter Ihrer Stirn befindet sich der präfrontale Cortex. Stellen Sie sich diesen Bereich als Ihren persönlichen Vorstandsvorsitzenden vor. Für ihn oder sie ist es wichtig, einen Überblick zu haben. Stellen Sie sich mal vor, dass jeder Mitarbeiter mit jeder Kleinigkeit zum Vorstandsvorsitzenden kommt und eine Einschätzung haben will. Mit so vielen einzelnen Informationen ist er schnell überlastet.

Deswegen hat Ihr Vorstandsvorsitzender einen persönlichen Assistenten. Im Gehirn ist das der Gyrus cingulatus. Dieser Assistent filtert die Informationen aus und lässt nur das durch, was für den Vorstand richtig wichtig ist. Doch das ist noch nicht alles! Er organisiert ausserdem er die notwendigen Telefon- und Videokonferenzen mit anderen Gehirnteilen. Das ist fast ständig der Fall.

Es gibt eine Anwesende bei allen Konferenzen, das ist die Amygdala. Hier werden alle eintreffenden Eindrücke auf Gefahren überprüft. Sie ist weiter zuständig, um entsprechende Gefühle und ihre Intensität auszulösen. Noch wissen die anderen Gehirnteile nicht, wie die Amygdala eine Information oder ein Erlebnis bewertet. Deswegen heftet die Amygdala Klebezettel an die Ereignisse, die ein Gefühl auslösen. Ob es positive Gefühle sind oder negative. Klebezettel gibt es hier in einer großen Menge und in unterschiedlichen Größen. Wir kennen sie im Alltag als Post-it.

Auch das Gehirn macht sich Notizen

Wenn also ein Ereignis oder eine Information mit einer Emotion verbunden ist, erhält sie sofort einen Klebezettel. Diese damit verbundene Information wird von den anderen Gehirnregionen bevorzugt und intensiver verarbeitet.

Hinzu kommt noch Ihre Aufmerksamkeit: Je aufmerksamer Sie für ein Thema oder eine Situation sind, desto intensiver verknüpft Ihr Gehirn all die damit verbundenen Bilder, Gedanken und Fakten. Bei der Fülle der ständig eintreffenden Informationen bleiben neutrale Informationen logischerweise oft auf der Strecke. Sie schieben das auf Ihr schlechtes Gedächtnis!

Was können Sie tun? Es ist ganz einfach, aber sicherlich ungewohnt. Sie wollen oder sollen sich etwas merken, was für Sie uninteressant ist: Machen Sie es interessanter!

  • Verbinden Sie es mit Details, die für Sie ungewöhnlich und interessant sind.
  • Hauchen Sie den neutralen Fakten Leben ein, indem Sie Beispiele dazu suchen.
  • Oder sprechen Sie mit denen, für die das Thema spannend ist. Wie ist ihr Zugang?
  • Was sehen die, was Sie nicht sehen? Oder noch nicht sehen?

Aus einem anderen Blickwinkel betrachten

Beispiele?

Ganz unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Wasser finden Sie hier: http://blogs.esa.int/alexander-gerst/de/2018/08/31/wide-world-of-water/

Ein neuer Blick auf Daten, die unser Leben zunehmend beeinflussen finden Sie hier: https://zkm.de/de/ausstellung/2017/10/open-codes

Zugegeben, diese veränderte Sichtweise fällt nicht vom Himmel. Ein bisschen Nachdenken oder „Hirnen“ ist schon notwendig. Mit dem Fazit, dass Klebezettelchen an Ihre Gedanken angeheftet werden!

Schauen Sie nicht auf die Details!

Warum denn das nicht? Gerade die Details und die Fakten sind es ja, die Sie sich merken wollen. Drehen Sie den Spiess um! Unser Gehirn merkt sich zuerst einmal das Wesentliche, die Gesamtsituation. Wann waren Sie das letzte Mal auf einem Vortrag? Woran erinnern Sie sich – an Details oder zuerst einmal an den Raum, die Gesamtsituation. Vielleicht auch kleine Details: Sie kamen gerade noch pünktlich an, weil Sie natürlich mal wieder in einem Stau gestanden sind.

Von dem großen Erinnerungsbild fallen Ihnen nach und nach immer mehr Einzelheiten ein. Die Haltung des Redners, seine Pointen und das, was Sie nachdenklich gestimmt hat. Die Pointen können Sie wortgetreu nicht wiedergeben, aber das, was Sie noch beschäftigt hat. Und einige Details, klar!

Den Blick für das Wesentliche schärfen

Das Blick auf das Wesentliche ist die Voraussetzung, um Details zu erinnern. Das Wesentliche können Sie in einem Kerngedanken oder einer Kernbotschaft zusammenfassen. Stellen Sie sich vor, dass Sie am nächsten Morgen Ihren Kollegen erzählen, was Sie an dem Vortrag begeistert hat. Das, was Sie erzählen, sind die Kerngedanken. Das, was nach einem Tag oder nach einer Woche noch da ist.

So arbeitet unser Gehirn nun mal. Also verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick, schälen Sie den Kern heraus, bevor Sie sich mit (zu vielen!) Details verausgaben.

Diese 5 Fragen können Sie dabei begleiten:

  • Was ist die Kernaussagen und was ist wirklich wichtig?
  • Warum ist diese Neuausrichtung oder Veränderung notwendig?
  • Was hat das mit mir und meiner Arbeit zu tun?
  • Welche Folgen oder Konsequenzen ergeben sich bei der Anwendung?
  • Wie verändert sich meine Sichtweise darauf?

Dranbleiben!

Die Aufmerksamkeit ist wie eine Diva. Mal ist sie schnell weg – in Vorträgen oder in einer Vorlesung im Schnitt nach 10 Minuten, ein anderes Mal ist sie so präsent, dass Sie gar nicht merken, wie die Zeit verfliegt.

Dazu mehr im nächsten Beitrag!

Hier steht das Gedächtnis im Mittelpunkt!

Eine Miniserie über und um das Gedächtnis, damit sie es besser kennenlernen und verstehen werden!

  1. Es beginnt mit den Erinnerungen und welche Gedächtnistechniken für welches Ziel sinnvoll sind.
  2. Weiter geht es mit dem, was man sich ‚merken muss‘, aber uninteressant ist und wie Anfangs-Hindernisse leichter überwunden werden können.
  3. Was Emotionen mit dem Gedächtnis zu tun haben ist ein Thema und damit kommt die Motivation ins Spiel
  4. Was auf gar keinen Fall fehlen darf, ist die Konzentration. Sie ist die Voraussetzung für fast alles, wenn es um neue Inhalte, Lernen und Merken geht.

Freuen Sie sich auf ein Tipps, Anregungen und spannende Erkenntnisse rund um Ihr Gehirn und Gedächtnis!

Ein gutes Gedächtnis ist klasse – ist es auch realistisch?

Sie können sich an alles mögliche erinnern. Was Sie letzte Woche gelesen haben, der Name des Schauspielers, der in dem Film mitgespielt hat, den Sie vorletzte Woche gesehen haben. Ausserdem wissen Sie natürlich, was im letzten Meeting angesprochen wurde und wer jetzt für was zuständig ist. Ach ja, Einkaufszettel sind ja sowieso passé und die Französischvokabeln aus dem letzten Sprachkurs können Sie fast aus dem Ärmel schütteln.

Ihr Gedächtnis ist ja so wie eine Festplatte. Alles drauf, eine passende Suchfunktion und es wird auf dem Silbertablett präsentiert. Wirklich? Also, mein Gedächtnis funktioniert nicht so und ich vermute ganz stark, dass Ihres auch nicht so wie gerade beschrieben arbeitet.

Aber viele Menschen hätten das gerne so. Weil es auf der Festplatte Ihres Computers oder dem Chip Ihres Smartphones doch auch klappt. Es ist oft ernüchternd festzustellen, dass unser Gedächtnis ganz viele Lücken und Unzulänglichkeiten hat. Trotzdem kommen wir (meistens) gut damit klar.

Wenn Sie mehr darüber wissen, wie die Prinzipien unseres Gedächtnisses sind, können Sie sogar mit dem, was nicht perfekt ist, besser klarkommen.

Unser Gedächtnis ist keine Festplatte

Es ist verständlich, dass Sie Daten, Fakten und Erlebnisse gerne sicher abgespeichert haben wollen. Eben wie auf einer Festplatte. Aber im Gedächtnis ist nichts fest verankert. Bitte nicht erschrecken, das ist einfach so. Erinnern Sie sich an Ihren letzten Urlaub oder Ihre letzte Geburtstagsfeier (oder die Ihrer Kinder). Da wird keine Schublade geöffnet, in der die kleinen Erinnerungsschnipsel in Form von Videosequenzen drin liegen. Die, die Sie jetzt gerade vor Ihrem inneren Auge gesehen haben. Ihr Gedächtnis sucht Fragmente zusammen, die mit dieser Erinnerung zusammenhängen. Es rekonstruiert daraus so rasant einen inneren Film, dass Sie gar nicht merken, was da alles an Prozessen dahintersteckt.

Unser Gedächtnis ist subjektiv, emotional und einseitig

Ihre Erinnerung an Ereignisse ist immer mit den damit erlebten Emotionen verknüpft. Das hilft Ihrem Gedächtnis auch, ein Erlebnis nach der Bedeutung einzuordnen. Wenn Sie zum Beispiel auf einem Seminar waren und dort die Erklärung für ein Problem erlebt haben. So ein richtiges „Ach so ist das! Jetzt kapiere ich, was da schief gelaufen ist!“ dann wird das entsprechend intensiv und tief abgespeichert. Dieses AHA-Erlebnis hat für Sie eine ganz besondere Bedeutung. Unter Umständen können Sie sich noch Jahre danach genau daran erinnern.

Unser Gedächtnis ist flexibel, spontan und sehr lückenhaft

Wenn Sie auf einem Vortrag oder einer Tagung waren, können Sie sich an bestimmte Inhalte ganz gut, an andere weniger gut erinnern. Die Erwartung ist natürlich da, dass Sie sich ziemlich genau erinnern können. Aber mal ganz ehrlich, was bleibt wirklich übrig?

Eine amerikanische Psychologin, Elisabeth Loftus, die darüber forscht, an was wir uns erinnern, wollte es ganz genau wissen. Dazu nutze Sie eine Konferenz der Cambridge Psychological Society, Teilnehmer waren Psychologen. Die wissen von Berufs wegen viel über Lern- und Gedächtnisprozesse. Die Inhalte der Konferenz wurden aufgezeichnet, so dass ein genauer Vergleich möglich war. Zwei Wochen nach der Konferenz wurden die Teilnehmer aufgefordert, zu notieren, an welche Inhalte sie sich noch erinnerten.

Was meinen Sie, wie hoch war die Erinnerungsrate?

  • 23%
  • 8%
  • 31%

Dazu sollten Sie noch wissen, dass eine gewisse Vergessensrate ganz normal ist. Übrigens, die Teilnehmer der Konferenz befassen sich mit diesem Thema! Und die Erinnerungsrate – es waren gerade mal acht Prozent! Das ist der Schnitt aller Teilnehmer. Aber das ist noch nicht alles. Von diesen acht Prozent, die erinnert wurden, waren die Hälfte falsche oder fehlerhafte Erinnerungen. Manches wurde zum Beispiel mit einer anderen Konferenz verbunden. Oder eben verwechselt.

Elisabeth Loftus erzählt in ihrem TED-Auftritt, was viele Menschen glauben dass unser Gedächtnis wie ein Aufnahmegerät funktioniert. Beim Abruf sucht das Gedächtnis genau die Stelle und spielt sie ab. Aber unsere Erinnerungen ähneln eher einer Wikipedia-Seite. Man ruft sie auf und kann etwas hinzufügen oder verändern. „Andere allerdings auch“, so Elisabeth Loftus.

Was können Gedächtnistechniken leisten

Es gibt viele Merk- und Gedächtnistechniken, die die Arbeitsweise unseres Gehirns optimal unterstützen.

Als erstes gilt: unser Gedächtnis bevorzugt Bilder, Beispiele und eigene Erlebnisse.

Wenn Sie sich jetzt ganz viele Fakten merken wollen, ist der spontane Einwand bestimmt dahingehend, dass Bilder für Zahlen gar nicht funktionieren. Oder doch? Schauen Sie doch mal auf diese Statistik. Zahlen und Ihre Verhältnisse lassen sich so doch viel leichter merken, oder?

Infografik: Podcasts werden am liebsten abends gehört | Statista

Quelle: https://de.statista.com/infografik/15276/beliebteste-tageszeit-fue-podcasts/

Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Ähnlichkeiten sind hilfreich „Klingt so ähnlich wie..“, „Das habe ich in einem anderen Zusammenhang doch schon mal gehört“.

Oder die Anknüpfung an Vorwissen. „Was fällt mir spontan zu Thema X ein?“ Ihr Gedächtnis begibt sich auf die Suche und wird Ihnen nach ein oder zwei Minuten etwas präsentieren. Diese Zeitspanne – oft ist es viel kürzer – lohnt sich! Probieren Sie es aus: Was fällt Ihnen spontan zur letzen Fussballweltmeisterschaft ein? Ob Sie sich nun für Fußball interessieren oder auch nicht – Ihr Gehirn wird Ihnen eine Fülle an Bildern und Anknüpfungspunkten liefern. Zusammen mit eigenem Erleben während der Spiele.

Es ist viel leichter für das Gedächtnis, neue Inhalte mit auch nur wenig Vorwissen zu verknüpfen als etwas ganz neu zu lernen. Oder die klassischen Eselsbrücken, die Sie irgendwann bestimmt schon genutzt haben. Zum Beispiel, um sich Namen zu merken. Es erfordert ein wenig Überlegung, sich einen Namen tatsächlich zu merken. Genau dieser Aufwand des darüber-Nachdenkens wird von Ihrem Gedächtnis so gewertet, dass es Ihnen wohl wichtig ist. Das, worauf Sie Energie verwenden, gelangt eher im Langzeitgedächtnis. Und schon können Sie sich leichter daran erinnern.

Memotechniken als Alleskönner?

Das kennen Sie schon alles? Und Sie nutzen es auch? Prima, dann gibt es ja noch die klassischen Gedächtnistechniken, die Memo- oder Loci-Techniken. Neu sind diese Techniken nicht, sie wurden vor über 2.000 Jahren erfunden. In einer Zeit, als es weder Festplatten geschweige denn Bücher gab, musste man sich mehr auf das eigene Gedächtnis verlassen können. Grundlage ist eine Verortungstechnik. So können Sie Ihren Körper, Zimmer Ihrer Wohnung verorten oder ganze (Gedächtnis-) Paläste einrichten. Das, was Sie sich merken wollen, ordnen Sie den einzelnen Körperregionen (zum Beispiel Fuss, Knie und Hüfte) zu oder einer einmal festgelegten Reihenfolge im Raum. Das klappt super, denn eine Verortung – wo liegt was – ist eine enorme Unterstützung für unser Gedächtnis.

Loci-Technik
Ein geeigneter Raum für eine Verortungstechnik

Doch als erstes gilt es, die Prinzipien dieser Technik zu erlernen, um diese bei Bedarf anzuwenden. Etwa dann, wenn Sie sich bestimmte Fakten merken wollen, ganz egal, ob das Zahlen oder Begriffe sind. Bevorzugt dann, wenn es um einzelne Begriffe zu einem bestimmten Thema geht. Das können Artikelnummern sein. Oder die Paragrafen von Gesetzen. All die Knochen eines Handgelenks, falls Sie das genau wissen wollen.

Was oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass Sie sich natürlich erst einmal mit dieser Technik vertraut machen sollten. Sonst funktioniert das nicht.

TIPP

Damit Sie diese Technik schnell und eloquent anwenden können, sammeln Sie im Alltag erste Erfahrungen. Entweder mit einer Einkaufsliste oder einer To-Do Liste oder mit den 5 Stichworten zu einem Thema.

Memotechniken unter der Lupe: Ergebnisse einer Studie

Sie haben bestimmt schon einmal Gedächtniskünstler erlebt, vielleicht in einer TV-Sendung, die sich unglaublich viel merken konnten. Etwa 200 Namen innerhalb von wenigen Minuten oder eine lange Reihe von Zahlen. Um das zu bewerkstelligen, trainieren die Gedächtnisprofis Ihre Merkfähigkeit intensiv – jeden Tag! Es ist also kein Glück, Zufall oder eine besondere Begabung, die dahintersteckt, sondern ausdauerndes Training. Übrigens wirkt sich dieses positiv auf die Alltagstauglichkeit des Gedächtnisses – falls Sie das selbst testen wollen!

Ob diese Memotechniken tatsächlich eine Wirkung auf das Gedächtnis haben, wurde 2017 am Münchner Max-Planck Institut und der Radbound Universität in Nijmegen untersucht. Dazu wurden 23 Gedächtnisprofis eingeladen. Ihre Gehirnaktivität wurde beim Merken von Wortlisten exakt vermessen.

Zum Vergleich waren 51 Probanden eingeladen, die keine Kenntnis von Memotechniken hatten und deren Gehirnaktivität ebenso untersucht wurde.

Dann begann der Test, es galt, sich 72 Wörter zu merken. Nicht nur einmal und schon gar nicht immer die gleichen Wörter, sondern 6 Wochen lang immer wieder neu. Die Probanden trainierten dazu mit der Loci-Technik. Im Anfang – noch neu mit der Technik – kamen die Gedächtnisnovizen gerade mal auf 20 Wörter. Nach 6 Wochen waren es bereits 60 Wörter!

Eine dritte Gruppe versuchte sich ebenfalls, Wörter zu merken, ganz ohne Technik. Hier veränderte sich rein gar nichts.

Bei der Trainingsgruppe waren deutliche Veränderungen in der Gehirnaktivität nachweisbar. Es war viel mehr los! Die Vernetzung zwischen den Gehirnarealen war wesentlich stärker! Sowohl visuell, als auch räumlich und was die Bedeutung (der Wörter) betraf.


Aktivität bedeutet mehr Vernetzung im Gehirn!

Dieser Trainingseffekt war sogar noch 4 Monate danach wirksam. Da wendeten die Teilnehmer die Technik gar nicht mehr an, aber das Gedächtnis war immer noch vernetzter aktiv. Mit einer guten Vernetzung haben Sie eine bessere Erinnerungsfähigkeit. Muskeln sind dann stark, wenn sie genutzt und beansprucht werden.

Aktivität wird belohnt!

Es lohnt sich also tatsächlich, etwas für das Gedächtnis zu tun. Dazu können Sie mit den Techniken arbeiten oder Ihr Gedächtnis bewusst immer wieder beanspruchen und fordern. Mit einer solchen Gedächtnistechnik fällt es viel leichter, sich PIN-Nummern oder Passwörter zu merken!

Die wesentliche Grundlage ist eine bewusste intensivere Vernetzung im Gehirn.

Wussten Sie, dass es einen Einfluss auf Ihre Merkfähigkeit hat, wenn Sie gelernte oder gemerkte Inhalte auf Ihrem Computer oder Smartphone abspeichern? Die Merkfähigkeit lässt nach, weil Sie ja wissen, dass es gespeichert ist. Wenn Ihnen allerdings gesagt wird, dass die Inhalte demnächst gelöscht werden, können Sie sich besser erinnern!

Je besser Sie die Arbeitsweise Ihres Gehirns verstehen, desto gezielter können Sie es nutzen. Im Seminar erfahren Sie, wie Sie die Arbeitsweise Ihres Gedächtnisses unterstützen und Ihr Gedächtnis stärken können. Mit Tipps, Tools und der passenden Einstellung kommen Sie leichter voran!

So können Sie Hindernisse, die für viele alltäglich sind, leichter überwinden. Etwa, wenn es darum geht, überhaupt mit einer uninteressanten (Merk-)Aufgabe oder Lernsession zu beginnen. Oder um konzentriert dranzubleiben.

Mehr dazu im nächsten Blogartikel!

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