Wie gut schätzen Sie Ihre Fähigkeit ein, sich zu konzentrieren? In einer Welt voller Ablenkungen ist das oft eine Herausforderung. Da klingelt das Telefon, da blinkt das Smartphone und es kommt ein Kollege mit einem Anliegen vorbei. Kaum sind Sie wieder in Ihrer Arbeit drin, erinnert Sie Outlook daran, dass Sie gleich ein Meeting haben. Dort ertappen Sie sich dabei, dass Sie immer wieder mit Ihren Gedanken abschweifen. So geht das vielen Menschen, jeden Tag. Sie können sich damit abfinden, dass es eben so ist. Oder Sie tauchen mit ein in ein neues Bewusstsein für ein konzentriertes Arbeiten. Sie kommen ganz anders voran, sind produktiv und zufrieden mit dem, was Sie erreicht haben. Sie machen weniger Fehler, sind weniger erschöpft und sogar in besserer Stimmung!

Konzentrationsprobleme

Ohne Konzentration geht (fast) nichts!

In welchen Arbeitsbereichen brauchen Sie einen konzentrierten Modus, um schneller und produktiver voranzukommen?

  • Wenn Sie Informationen filtern und verarbeiten,
  • Lösungen für ein Problem suchen,
  • eine Strategie für ein neues Projekt entwerfen,
  • Lernen, eine neue Software anzuwenden,
  • sich in ein neues Arbeitsgebiet einarbeiten oder
  • beim Zuhören in einem Gespräch

Wenn Sie intensiv an einer Sache dranbleiben, spüren Sie die Anstrengung. Sie haben etwas erreicht und Ihr Gehirn belohnt sich mit einem Gefühl der Zufriedenheit. (Es sei denn, Sie sind Perfektionist. Aber das ist ein anderes Thema.) Den Konzentrationsmuskel stärken bedeutet auch, immer mal wieder an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Sie können neue Strategien auszuprobieren, um Ihre Aufmerksamkeit gezielt zu bündeln. Dazu gibt es mehrere Ansatzpunkte, von denen ich Ihnen hier einige vorstellen möchte. Denn um nichts anderes geht es, um ein Training dieses Muskels.

Um sich besser konzentrieren zu können, ist ein Verständnis, was die Konzentration ausmacht, hilfreich. Etwa so, wenn Sie abnehmen oder Ihr Gewicht halten wollen, ein Verständnis für die Ernährung sinnvoll ist. Es ist doch erstaunlich, dass einer Fähigkeit, die die Basis unserer Wissens- und Informationsgesellschaft darstellt, so wenig Bedeutung zuteil wird. Haben Sie sich etwa damit abgefunden, dass eine fragmentierte Konzentration einfach zum Alltag dazugehört?

Warum es sich lohnt, etwas für die Konzentration zu tun

Sie arbeiten produktiver und kommen schneller zu Ergebnissen, wenn Sie in der Lage sind, sich richtig gut zu konzentrieren. Eine gute Fokussierung brauchen Sie, wenn Sie relevante von irrelevanten Informationen trennen wollen. In einer Informationsgesellschaft gibt es ja kaum Bereiche, wo diese Fähigkeit keine Bedeutung hat. Dauer-Multitasker sind dazu kaum in der Lage! Sie fokussieren – wenn man das überhaupt so nennen kann – paradoxerweise eher auf Unwichtiges. Klar, dass dann nicht viel von den Inhalten im Gedächtnis bleibt. Für ein Gehirn, das gewohnt ist, ständig abgelenkt zu sein, fühlt sich Fokussierung eher unbequem an. Hinzu kommt, dass unser Gehirn offen für Ablenkungen und Zerstreuung ist. Warum? Das Tückische daran ist, dass eine kleine Ablenkung schnell einen Kick erzeugt und im Moment kaum Energie benötigt. Aber die Summe der Ablenkungen macht es dann aus. Das ist so wie mit einem Stückchen Schokolade. Das eine hat noch keinen großen Effekt auf Ihrer Waage – wenn Sie nach dem einen wieder aufhören können.

Apropos Energie -wenn Sie oft unterbrochen werden (oder sich selbst gerne ablenken lassen) verbrauchen Sie tatsächlich mehr Energie. Denn jede neue Aufgabe oder jedes ungelöste Problem versetzt das Gehirn in eine leichte Unruhe. Das ist auch notwendig, damit Energie aktiviert wird. Zu viele unerledigte Aufgaben oder ein Hin- und Herzappen durch Multitasking vermehrt die Unruhe und wirkt schließlich wie ein Störfeuer für die Konzentration. Deswegen ist diese Art des Arbeitens letztendlich genauso Energieintensiv, hat aber schlechtere Ergebnisse zur Folge. Dies wiederum führt dazu, dass Sie unzufrieden werden, die Stimmung sinkt. Zudem haben Sie einen erhöhten Energieaufwand, um sich wieder auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren.

Deswegen fällt es vielen Menschen anfangs schwer, von einem Multitaskingmodus in einen guten bis sehr guten Konzentrationsmodus zu gelangen. Von den kleinen Belohnungskicks der Ablenkung bis hin zur Zufriedenheit liegt schon ein großer Zwischenraum. Aber im diesem Rahmen können Sie einiges erreichen! Oder wollen Sie sich auf Dauer mit einer mittelmäßigen Konzentration abfinden?

Drei Etappen auf dem Weg zu einer besseren Konzentration

Es geht nicht darum, den ganzen Tag eine superperfekte Konzentration zu haben. Denn das ist wäre ein Irrglaube, dass das geht. Das ist viel zu anstrengend! Unser Gehirn braucht den Wechsel von Anspannung und Entspannung. Ich vergleiche das mal mit einem Marathonläufer. Der wird einige Monate trainieren, um schließlich einen Marathon zu laufen. Dabei wird er nicht jeden Tag 20 Kilometer trainieren, das wäre total unsinnig. Diese Leistung – Marathon laufen – erreichen sie aber nur dadurch, dass sie beständig in bestimmten Intervallen üben.

So können Sie sich das Konzentrationstraining vorstellen. Sie lernen, wie Sie Ihre Konzentration bündeln, um sie gezielt einzusetzen. Wie Sie Ausdauer entwickeln und dranbleiben. Damit Sie zukünftig für die Aufgaben, bei denen Sie eine super Konzentration brauchen, diese aktivieren können. Um produktiv zu arbeiten, um knifflige Probleme zu lösen oder um Neues zu lernen. Wie kommen Sie dahin?

  1. Ehrliche Bestandsaufnahme – wie steht es aktuell um Ihre Konzentrationsfähigkeit?
  2. Neue Strategien für eine bessere Konzentration – Sie probieren aus, was für Sie und Ihre Arbeit /Arbeitsumgebung passt.
  3. Reflektion – wie hat sich sich Ihr Konzentrationsverhalten verändert ?

Es gilt, die Bandbreite Ihrer Konzentration wahrzunehmen und gezielter einzusetzen. Das verbunden mit Strategien, die Ihren Fokus stärken. Das Aufladen Ihrer Akkus sollte nicht zu kurz kommen, das gehört mit in eine solche Strategie.

Was wollen Sie für Ihre Konzentration tun?

Oder Sie buchen Sie mein Fokus-Seminar Konzentration Onlinekurs. Dort erfahren Sie mehr über Konzentrationsstrategien. Das Besondere – Sie werden über 5 Wochen bei der Umsetzung unterstützt und begleitet – online. Denn eine starke Konzentration erreichen Sie nicht von Heute auf Morgen. Bis der Muskel gestärkt ist, dauert es einige Wochen. Ich unterstütze Sie dabei, dass Sie dranbleiben! In einem Einzelcoaching können Sie ganz individuell an Ihrer Konzentration arbeiten.

3 Tipps für eine bessere Konzentration

  1. Zeitfenster – können Sie Ihren Aufwand gut einschätzen?
  2. Ziel – was oder wie soll das Ergebnis sein?
  3. Menge und Umfang dessen, was Sie tun wollen

Diese Tipps sind ganz einfach und in vielen Arbeitsbereichen oder beim Lernen umzusetzen. Es kann sogar sein, dass Sie die eine oder andere Strategie bereits bewusst oder unbewusst einsetzen. Sie können jede der Strategien für sich allein nutzen oder sie miteinander kombinieren. So, wie es für Ihre Aufgaben passt.

1. Laden Sie Ihre Gedanken zu einem Wettbewerb ein!

Mal ganz ehrlich: Können Sie für einen Teil Ihrer Aufgaben angeben, wie viel Zeit Sie für bestimmte Arbeitsschritte benötigen? Im Seminar erlebe ich oft, dass dies vielen Menschen sehr schwer fällt. Oft wird ein sehr großzügiges Zeitfenster für eine Aufgabe eingeplant. Die Überraschung, dass es doch schneller geht als erwartet, ist groß. Was passiert da?

Ein Zeitfenster wird oft als Druck von aussen erlebt. Druck hat man schon genug, also wird dieser als unangenehm empfunden. Aber das ist eine Falle. Wenn Sie sich großzügige Zeitfenster einräumen, gibt das Ihrem Gehirn wiederum Freiräume für Gedankenspaziergänge. Sie wundern sich, dass Sie ständig abschweifen.

Ein Zeitfenster kann eine spannende Herausforderung sein. Schaffe ich es, diesen (vielleicht auch wenig spannenden) Artikel innerhalb von 20 Minuten zu lesen und mir dabei noch die wesentlichen Inhalte zu notieren? So habe ich all meine Aufmerksamkeit auf ein Ziel hin gebündelt und ein gutes Gefühl, wenn ich es in 18 oder auch 22 Minuten geschafft habe.Vor allem bekommen Sie ein ganz anderes Gespür, um Ihre Arbeitsschritte einzuplanen.

Natürlich können Sie auch mal komplett daneben liegen. Aber Sie werden sehen, dass es meistens passt.

2. Ohne Ziel kommen Sie nicht an

Bei Routineaufgaben brauchen Sie den Zielaspekt wahrscheinlich weniger. Aber wenn Sie Informationen filtern wollen, ist es richtig clever. Sie definieren zum Beispiel, was Sie sich merken wollen. Die wichtigsten Kernaussagen des Inhaltes. Oder das, was sich neu ist oder sich geändert hat. Das Ziel kann auch sein, den roten Faden zu definieren.Oder Sie beziehen noch den Blickwinkel Ihres Kollegen mit ein. Auf einmal wird ein dröger Text spannend und Sie wissen auch später noch, was drin stand! Genauso können Sie bei Gesprächen vorgehen und Sie werden merken, dass Sie ganz anders zuhören.

Wenn Sie Ziel und Zeitaspekt noch miteinander kombinieren, haben Sie einen starken Fokus aktiviert.

3. Menge und Umfang

Egal, ob es um das berufliche Lesen geht, oder darum, sich etwas zu merken und zu lernen. Welche Menge wollen Sie in eine Bearbeitungsetappe legen?

Wie viel können Sie auf einen Schwung lesen oder bearbeiten? Was davon (Ziel) wollen Sie sich tatsächlich merken? Oder danach wissen oder an Kollegen weitergeben? Je konkreter Sie in Ihrer Herangehensweise sind, desto besser bündeln Sie Ihre Aufmerksamkeit. Ihr Gehirn ist nur dann überfordert, wenn die Fokussierung unklar oder diffus ist.

Wandernde Gedanken drücken auf die Stimmung

Eine intensive Konzentration über eine oder mehrere Stunden verbraucht richtig Energie, ganz klar. Der Muskel wird müde, die Konzentration lässt nach. Fatal ist, dass Sie das oft gar nicht so schnell merken, dass Sie nicht mehr bei der Sache sind. Ihre Gedanken sind auf Wanderschaft! Wenn Sie das bemerken, holen Sie sie wieder zurück. Das kann nach Sekunden sein oder auch erst nach mehreren Minuten. Sie wissen nicht, was Sie zwischendrin gelesen oder übersehen haben.

Wenn die Gedanken abschweifen und Sie über etwas nachdenken, was war oder was sein kann, neigen wir zu tendenziell zu eher düsteren Gedanken. Entweder denken wir rückwärts in die Vergangenheit oder vorwärts in die Zukunft. Was ja durchaus Sinn macht, in die Zukunft zu planen. Aber Gedanken, die sich selbstständig machen, drücken auf Dauer negativ auf die Stimmung. Wir Menschen sind tatsächlich glücklicher, wenn wir mit ihren Gedanken im Hier und Jetzt sind bzw. wenn bei dem, was wir gerade tun.

Die Aufmerksamkeit wieder zurückholen

Ganz im Hier und Jetzt – das können Sie mit kleinen Achtsamkeitsübungen tun. Für eine Minute lang etwas ganz bewusst tun. Dabei ist Ihre Aufmerksamkeit ganz auf Ihre Sinne gerichtet. Etwa, wenn Sie einen Apfel essen, ihn riechen und schmecken. Oder für eine Minute nur auf die Geräusche der Umgebung hören . Oder Sie atmen eine Minute lang bewusst ein und aus. Sonst nichts. Wenn Sie das tun, wird das Geplapper der Gedanken ruhiger und leiser und verstummt schließlich. Was nicht bedeutet, dass es einfach ist. Es ist so, dass Sie das Hamsterrad ausbremsen.

Denn unser Gehirn braucht in gewissen Abständen durchaus Abwechslung. Viele Menschen setzen Surfen auf dem Smartphone oder am Rechner mit Abwechslung oder Ausruhen gleich. Oder das Checken von WhatsApp-Nachrichten oder auf Facebook oder Videospiele. Ihrer Aufmerksamkeit tun Sie damit überhaupt keinen Gefallen. Es ist eine Zerstreuung, aber keine Erholung.

Ihr Konzentrationsmuskel erholt sich dann, wenn Sie bewusst den Modus wechseln. Von der Fokussierung zu einer breiten Wahrnehmung: von dem Blick durch das Mikroskop zum entspannten Panoramablick über eine Landschaft. Von der Anspannung auf ein Ziel zu einer schweifenden Aufmerksamkeit. So laden Sie Ihre Akkus wieder auf.

In der Natur Akkus aufladen

Bewegung in Wald, Wiese und Natur

Bewegung tut auf jeden Fall gut, etwa ein Spaziergang in der Mittagspause. Dabei ist es ein Unterschied, ob Sie in der Stadt spazieren gehen oder im Wald oder in einem weitläufigen Park. Das Walderlebnis stärkt Ihre Konzentration um etwa 20%! Im Wald haben Sie zwar auch Reize für die Aufmerksamkeit, diese sind aber in einer Art, die das Gehirn gerade mal so aktivieren und beschäftigen. In der Stadt hingegen sind Sie viel mehr gefordert, aufmerksam zu sein: um anderen Menschen auszuweichen, Straßen zu überqueren oder Werbung auszublenden. Bewegung ist zwar gut, aber für die Konzentration ist die in der Natur, so etwa eine Stunde lang, um Längen besser! Danach haben Sie ein Polster für Ihre Konzentrationsfähigkeit angelegt.

Sie können sich nicht immer und bei jeder Gelegenheit in den Wald begeben, auch ein Naturbild im Büro hat eine Wirkung! Ideal, wenn noch Wasser drauf zu sehen ist.

Anregungen zum Aufladen Ihrer Konzentrationsakkus

  • im entspannten Gespräch mit Kollegen oder Freunden, etwa bei der Kaffeepause
  • beim (gemeinsamen) Kochen oder Essen
  • beim Hören von Musik
  • gezielte Entspannung oder Meditation
  • wenn Sie mit Ihrem Hund unterwegs sind oder
  • im kreativen Tun, zum Beispiel beim Malen oder Fotografieren.

Nur noch mal schnell die Mails checken?

Noch eine Kleinigkeit zum Schluss: wichtig ist noch die Dauer des Nicht-Konzentriert-Seins. Wenn Sie nach Hause kommen, mit der Familie zusammen essen und danach noch mit dem Hund (oder auch ohne Hund) rausgehen, kann Ihr Gehirn prima entspannen. Ihr Gehirn ist allerdings kein Turbolader. Es braucht Zeit, zwischen dem Zeitpunkt der Entspannung und dem, in dem die Energie wieder aufgeladen ist. Das ist ähnlich wie beim Essen. Wussten Sie, dass die körpereigene Müllabfuhr idealerweise einen Zeitraum von 16 Stunden des Nicht-Essens und Verdauens braucht, um richtig effektiv zu sein? So ähnlich ist es mit der Aufmerksamkeit. Wenn Sie hier noch ein Häppchen was tun (E-Mails abrufen, einen Bericht durchlesen etc.), dann wird der Regenerationsprozess unterbrochen. Am nächsten Morgen haben Sie nicht die Energie für produktives Arbeiten, die Sie haben könnten!

Sie können viel für Ihre Konzentration tun!

Zum Beispiel mit meinem Fokus-Seminar. Dort erfahren Sie noch mehr über verschiedene Stadien der Konzentration und lernen Strategien kennen, um diese Schritt für Schritt wieder zu stärken. Das Besondere – Sie werden über 5 Wochen bei der Umsetzung unterstützt und begleitet – online. Denn eine starke Konzentration haben Sie nicht von Heute auf Morgen. Bis der Muskel gestärkt ist, dauert es einige Wochen. Ich unterstütze Sie dabei, dass Sie dranbleiben!

Läuft bei Ihnen, gerade beim Lernen, immer alles rund? Haben Sie alles, was Sie für selbstgesteuertes Lernen benötigen? Ich denke da speziell an die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Veränderungen sind ja kein Problem, solange es irgendwie doch funktioniert. Doch neue Techniken und Abläufe, wie sie die Digitalisierung mit sich bringt, bergen auch oft ungeahnte Überraschungen. Lernen ist angesagt, um damit klarzukommen. Hier und da gibt es Widerstände: „Schon wieder was anderes? Muss das sein? Das ging doch bisher auch so!“

Veränderung heisst: Abschied nehmen vom Gewohnten

Das Paradoxe dabei ist, dass für die meisten Menschen die Nutzung von Smartphone & Co im Privatleben mittlerweile selbstverständlich ist. Am Arbeitsplatz sieht das oft anders aus. Die Veränderung, das Neue, ist hier oft nicht selbstbestimmt. Und lieb gewordene Gewohnheiten und automatisierte Abläufe müssen über den Haufen geworfen und umgelernt werden. Nichts ist herausfordernder als dieses. Denn bis aus Veränderungen Gewohnheiten werden, braucht unser Gehirn Zeit. Zeit für den Umbau der Verbindungen zwischen den Synapsen. Und als ob das nicht genug wäre. Oft läuft es nicht so wie ursprünglich geplant, oder? Haben Sie das selbst schon erlebt? Wenn Sie jetzt nicken, wissen wir, wovon wir sprechen.

Selbstgesteuertes Lernen gehört zum Alltag dazu

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiv mit den Veränderungen im Lernen. Die Digitalisierung verändert auch die Weiterbildung. Bei mir sieht es selbstgesteuertes Lernen zum Beispiel so aus: Wenn ich mich über Neues informiere, nutze ich Webinare, Online-Kurse, Blogs, Twitter und Newsletter. Als Unternehmerin ist die Sichtbarkeit in den sozialen Medien, der Austausch mit Kollegen über Skype und in Foren wichtig. Oft ist es ein Austausch mit Menschen, denen ich noch nie persönlich begegnet bin. Wenn ich wissen will, wie etwas funktioniert, schaue ich auf YouTube nach. Wenn ich schnell mal einen Begriff recherchiere, klar, das geht über eine Suchmaschine. Und so geht es weiter, natürlich auch im privaten Bereich.

Für mich bedeutet das konkret, dass ich mich mit neuen Plattformen, deren Logik, neuer Software und der passenden Herangehensweise befasse. Und wenn Sie mich nach der bahnbrechenden Erkenntnis fragen: „Ja, es entwickelt sich selten so wie geplant. Es tauchen Probleme auf, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie geben kann. Und ja, es ist trotzdem spannend, damit klarzukommen.“ Das Tempo der Veränderungen und Neuerungen ist manchmal schon atemberaubend. Ohne Übersicht, ohne geplantes und selbstgesteuertes Lernen wird es schwierig! Wie geht es Ihnen mit dem Lernen? Wie viel Veränderung oder Digitalisierung steckt bereits in Ihrem Arbeitsalltag?

Aktiv-und-selbstgesteuertes-lernen

Lernen erfordert Selbstorganisation

All das ist ein fortwährender und andauernder Lernprozess. Was das Lernen betrifft, da kenne ich mich glücklicherweise aus. Zum Lernen gehört Neugier und Offenheit als Grundvoraussetzung mit dazu. Davon habe ich genug, ich bin einfach wissbegierig. Vor allem will ich vermitteln, wie Menschen mit sich selbst besser klarkommen. Beim Lernen ist es die Frage, wie ein Lernender am besten sein Ziel erreicht. Wie bei einer Reise gehört Planung und Organisation mit dazu. Und ohne eine flexible Zielanpassung funktioniert das nicht. Früher hatten Zeitpläne über Monate Bestand. Ich erlebe es ja selbst: heute kremple ich diese alle paar Wochen um und passe sie neu an. Das kann schon manchmal etwas nervig sein. Schließlich möchte ich ein Ziel erreichen und mir auch mal auf die Schulter klopfen. Durchhaltevermögen ist hier beim Lernen mindestens so wichtig wie bei einer langen Wanderung. Oder bei einem Marathon.

Lernkompetenz – Umgang mit der Informationsflut

Was braucht ein Lernender konkret an Kompetenzen und Fähigkeiten? Eine wesentliche ist die, die richtigen und relevanten Informationen zu finden. Das ist, werden Sie sagen, ja alles selbstverständlich. Doch ich höre es so oft von Teilnehmern, wie schwierig das im Alltag ist. Denn über einen Informationsmangel kann sich niemand beklagen. Es ist eher die Fülle von vielfältigen und oft auch vieldeutigen Informationen. Das erfordert eine hohe Konzentration, die relevanten Inhalte auszufiltern. Ohne ein klares Ziel und einer klaren Fokussierung kann man sich ordentlich verzetteln.

Lernkompetenz – flexibel sein!

Aus meiner Sicht gehört unbedingt noch die Flexibilität mit dazu. Denn es kommt oft anders als geplant. Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen, dass Sie nur mal eine neue Softwarefunktion ausprobieren wollten (sah doch ganz einfach aus im Seminar) und Stunden später wissen Sie zwar mehr, aber Sie sind noch immer nicht am Ziel? Dafür haben Sie mindestens noch zwei andere Kollegen damit beschäftigt: Ein Telefonat mit der IT-Abteilung. Oder die Frage, welcher Kollege sich damit auskennt und ob er oder sie Ihnen das erklären kann.

Oder Sie planen ein Meeting, eigentlich geht es nur um ein paar Kleinigkeiten, die hier und da die Abläufe vereinfachen können. Danach oder auch mittendrin stellen Sie fest, dass daraus ein Projekt von mehreren Wochen wird. Weil Sie die Dimensionen nicht vorausahnten oder neue ungeahnte Hindernisse auftauchen. Je offener Sie sind, desto flexibler können Sie damit umgehen, was auf Sie zukommt.

Stabilität und Stresstoleranz

Lernkompetenzen sind natürlich wichtig, aber nur die halbe Miete. Genauso wichtig ist der Umgang mit sich selbst. Ich bezeichne das als die Kompetenz zur Selbststeuerung. Also, wie gehen Sie zum Beispiel damit um, wenn etwas nicht so läuft wie geplant?

  • Wie hoch ist Ihre Frusttoleranz?
  • Wie flexibel können Sie vom Status Quo abweichen, ohne sich dabei zu verzetteln?
  • Wie können Sie Ihre Energie gut einteilen und rechtzeitig wieder herstellen?

Besonders der Umgang mit sich selbst ist ein wesentlicher Bestandteil des selbstgesteuerten Lernens. Diese Kompetenzen werden an Bedeutung gewinnen.

Basis für selbstgesteuertes Lernen sind stabile Persönlichkeiten

Für eine stabile Persönlichkeit ist die Resilienz, die seelische Widerstandskraft, eine gute Basis. Viele und schnelle Veränderungen führen zu Unsicherheit. Was ist noch stabil? Was hat noch Bestand? Worauf kann ich mich verlassen? Sie können von innen heraus für Stabilität sorgen, mehr dazu in meinen Blogbeiträgen zur Resilienz.

Eine stabile Persönlichkeit kann mit dem selbstorganisierten Lernen leichter zum Ziel kommen. Bei der Überlegung, welche Kompetenzen ein Lernender heute braucht, gewinnen die Sozialkompetenzen zunehmend an Bedeutung.

Mehr dazu im nächsten Beitrag. Da gehe ich auf die Kompetenzen, die Lernende heute brauchen, näher ein.

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Ich freue mich auf einen Austausch und Ihre Ideen dazu.

Integriertes Lernen – Effektivität und Flexibilität durch neue Lernmethoden

Ein hervorragendes Beispiel für zukünftige Lernmethoden habe ich bei der Corporate Learning Alliance gefunden. Die RWE hat für ihre Elektriker und Automatisierungstechniker ein neues Bildungskonzept entwickelt. In diesem Konzept geht es um ein Blended-Learning Szenario – eine Lernform, bei der die Vorteile von Präsenztraining und E-Learning kombiniert werden – mit dem Ziel, für Problemsituationen, die selten eintreten, das entsprechende Wissen abrufbereit zu haben. Diese Situation – es kommt selten vor, soll aber funktionieren – kennen viele Mitarbeiter auch in anderen Unternehmen.

Der Altersdurchschnitt ist hoch, deswegen sind die Handwerker nicht automatisch alle fit, was den Umgang mit einem Tablet betrifft. Nicht alle verfügen über eine eigene dienstliche Mailadresse, so dass es am Anfang einige Hürden zu überwinden gilt, um die Voraussetzungen zu schaffen. All dies bewältigen die Lernenden im Laufe des Lerntrainings selbst. Auch die Vorgesetzten sind involviert, denn diese müssen in einer kurzen Videobotschaft erklären, warum der Mitarbeiter an diesem Lernkurs teilnehmen soll. Der Mitarbeiter sieht diese Botschaft seines Vorgesetzten ebenfalls.

Fachübergreifend lernen

Die teilnehmenden Handwerker werden während des Lernseminars gleich zu Anfang insofern gefordert, dass sie Fachfragen erhalten, die sie nicht selbst beantworten können. Sie suchen sich Kollegen im Betrieb, die ihnen die Fragen beantworten können. Diese Lernmethode bildet eine gute Basis, um in kritischen Situationen schnell zu wissen, welche Kollegen weiterhelfen können. Die Vorbereitungsphase des Lerntrainings mit verschiedenen Aufgaben erfolgt über einen Zeitraum von 4 Wochen online.

Ist diese Vorbereitung erfolgreich absolviert, geht es zum Präsenztraining von 4 Tagen. Hier tun sich jeweils 2 Teilnehmer zu einem Lerntandem zusammen, um ihre Erkenntnisse in einem Wiki zu dokumentieren. Danach folgt die Transferphase des Lerntrainings, auch diese geht über 4 Wochen.

Ein Lerntraining in dem Handlungs-Kompetenz bewiesen werden muss!

Das eigentlich Spannende kommt jetzt: Jeder Teilnehmer hat sich vor dem Lerntraining einen Mentor gesucht. Dieser muss nach dem gesamten Lernseminar bestätigen, dass das Gelernte auch angewendet werden kann. Dass aus Wissen Können geworden ist. Erst dann erhält der Teilnehmer sein Zertifikat für die erfolgreiche Absolvierung des Lernseminars.

Dieser Transfergedanke ist so einfach wie genial, weil er so sinnvoll ist. Ausserdem stärkt er die Lernmotivation und den Lernerfolg der Teilnehmer. Ein Riesenunterschied zu dem, was häufig nach Seminaren passiert, nicht passiert und versandet.
Ein spannender Impuls, den ich gerne als Inspiration für meine Lernseminare nutze. Sei es in meinen Seminaren für selbstgesteuertes Lernen im Beruf oder auch in meinen Lernseminaren für Weiterbilder.

Zwei bemerkenswerte Faktoren: Dauer und Erfolgsbestätigung

Dieses Weiterbildungskonzept lässt sich gut auf andere Bereiche übertragen. Ich höre es so oft: wie erinnere ich mich an Vorgänge, die selten vorkommen, bei denen das Wissen aber schnell parat sein muss?

Hier, beim Konzept von RWE, wird durch die Dauer des Lerntrainings eine so gute Vernetzung im Langzeitgedächtnis angelegt, dass die Vorgänge bei Bedarf viel schneller und sicherer abgerufen werden können. Sicher, es braucht mehr Zeit. Aber wenn eine kritische Situation eintritt, kann das Gelernte schneller abgerufen werden. Das spart Nerven, Zeit und eine Menge Geld.

Das Konzept von Ralf Jauck, dem Initiator, wird von ihm selbst in diesem Video-Beitrag über Integriertes Lernen erklärt.