Läuft bei Ihnen, gerade beim Lernen, immer alles rund? Haben Sie alles, was Sie für selbstgesteuertes Lernen benötigen? Ich denke da speziell an die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Veränderungen sind ja kein Problem, solange es irgendwie doch funktioniert. Doch neue Techniken und Abläufe, wie sie die Digitalisierung mit sich bringt, bergen auch oft ungeahnte Überraschungen. Lernen ist angesagt, um damit klarzukommen. Hier und da gibt es Widerstände: „Schon wieder was anderes? Muss das sein? Das ging doch bisher auch so!“

Veränderung heisst: Abschied nehmen vom Gewohnten

Das Paradoxe dabei ist, dass für die meisten Menschen die Nutzung von Smartphone & Co im Privatleben mittlerweile selbstverständlich ist. Am Arbeitsplatz sieht das oft anders aus. Die Veränderung, das Neue, ist hier oft nicht selbstbestimmt. Und lieb gewordene Gewohnheiten und automatisierte Abläufe müssen über den Haufen geworfen und umgelernt werden. Nichts ist herausfordernder als dieses. Denn bis aus Veränderungen Gewohnheiten werden, braucht unser Gehirn Zeit. Zeit für den Umbau der Verbindungen zwischen den Synapsen. Und als ob das nicht genug wäre. Oft läuft es nicht so wie ursprünglich geplant, oder? Haben Sie das selbst schon erlebt? Wenn Sie jetzt nicken, wissen wir, wovon wir sprechen.

Selbstgesteuertes Lernen gehört zum Alltag dazu

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiv mit den Veränderungen im Lernen. Die Digitalisierung verändert auch die Weiterbildung. Bei mir sieht es selbstgesteuertes Lernen zum Beispiel so aus: Wenn ich mich über Neues informiere, nutze ich Webinare, Online-Kurse, Blogs, Twitter und Newsletter. Als Unternehmerin ist die Sichtbarkeit in den sozialen Medien, der Austausch mit Kollegen über Skype und in Foren wichtig. Oft ist es ein Austausch mit Menschen, denen ich noch nie persönlich begegnet bin. Wenn ich wissen will, wie etwas funktioniert, schaue ich auf YouTube nach. Wenn ich schnell mal einen Begriff recherchiere, klar, das geht über eine Suchmaschine. Und so geht es weiter, natürlich auch im privaten Bereich.

Für mich bedeutet das konkret, dass ich mich mit neuen Plattformen, deren Logik, neuer Software und der passenden Herangehensweise befasse. Und wenn Sie mich nach der bahnbrechenden Erkenntnis fragen: „Ja, es entwickelt sich selten so wie geplant. Es tauchen Probleme auf, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie geben kann. Und ja, es ist trotzdem spannend, damit klarzukommen.“ Das Tempo der Veränderungen und Neuerungen ist manchmal schon atemberaubend. Ohne Übersicht, ohne geplantes und selbstgesteuertes Lernen wird es schwierig! Wie geht es Ihnen mit dem Lernen? Wie viel Veränderung oder Digitalisierung steckt bereits in Ihrem Arbeitsalltag?

Aktiv-und-selbstgesteuertes-lernen

Lernen erfordert Selbstorganisation

All das ist ein fortwährender und andauernder Lernprozess. Was das Lernen betrifft, da kenne ich mich glücklicherweise aus. Zum Lernen gehört Neugier und Offenheit als Grundvoraussetzung mit dazu. Davon habe ich genug, ich bin einfach wissbegierig. Vor allem will ich vermitteln, wie Menschen mit sich selbst besser klarkommen. Beim Lernen ist es die Frage, wie ein Lernender am besten sein Ziel erreicht. Wie bei einer Reise gehört Planung und Organisation mit dazu. Und ohne eine flexible Zielanpassung funktioniert das nicht. Früher hatten Zeitpläne über Monate Bestand. Ich erlebe es ja selbst: heute kremple ich diese alle paar Wochen um und passe sie neu an. Das kann schon manchmal etwas nervig sein. Schließlich möchte ich ein Ziel erreichen und mir auch mal auf die Schulter klopfen. Durchhaltevermögen ist hier beim Lernen mindestens so wichtig wie bei einer langen Wanderung. Oder bei einem Marathon.

Lernkompetenz – Umgang mit der Informationsflut

Was braucht ein Lernender konkret an Kompetenzen und Fähigkeiten? Eine wesentliche ist die, die richtigen und relevanten Informationen zu finden. Das ist, werden Sie sagen, ja alles selbstverständlich. Doch ich höre es so oft von Teilnehmern, wie schwierig das im Alltag ist. Denn über einen Informationsmangel kann sich niemand beklagen. Es ist eher die Fülle von vielfältigen und oft auch vieldeutigen Informationen. Das erfordert eine hohe Konzentration, die relevanten Inhalte auszufiltern. Ohne ein klares Ziel und einer klaren Fokussierung kann man sich ordentlich verzetteln.

Lernkompetenz – flexibel sein!

Aus meiner Sicht gehört unbedingt noch die Flexibilität mit dazu. Denn es kommt oft anders als geplant. Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen, dass Sie nur mal eine neue Softwarefunktion ausprobieren wollten (sah doch ganz einfach aus im Seminar) und Stunden später wissen Sie zwar mehr, aber Sie sind noch immer nicht am Ziel? Dafür haben Sie mindestens noch zwei andere Kollegen damit beschäftigt: Ein Telefonat mit der IT-Abteilung. Oder die Frage, welcher Kollege sich damit auskennt und ob er oder sie Ihnen das erklären kann.

Oder Sie planen ein Meeting, eigentlich geht es nur um ein paar Kleinigkeiten, die hier und da die Abläufe vereinfachen können. Danach oder auch mittendrin stellen Sie fest, dass daraus ein Projekt von mehreren Wochen wird. Weil Sie die Dimensionen nicht vorausahnten oder neue ungeahnte Hindernisse auftauchen. Je offener Sie sind, desto flexibler können Sie damit umgehen, was auf Sie zukommt.

Stabilität und Stresstoleranz

Lernkompetenzen sind natürlich wichtig, aber nur die halbe Miete. Genauso wichtig ist der Umgang mit sich selbst. Ich bezeichne das als die Kompetenz zur Selbststeuerung. Also, wie gehen Sie zum Beispiel damit um, wenn etwas nicht so läuft wie geplant?

  • Wie hoch ist Ihre Frusttoleranz?
  • Wie flexibel können Sie vom Status Quo abweichen, ohne sich dabei zu verzetteln?
  • Wie können Sie Ihre Energie gut einteilen und rechtzeitig wieder herstellen?

Besonders der Umgang mit sich selbst ist ein wesentlicher Bestandteil des selbstgesteuerten Lernens. Diese Kompetenzen werden an Bedeutung gewinnen.

Basis für selbstgesteuertes Lernen sind stabile Persönlichkeiten

Für eine stabile Persönlichkeit ist die Resilienz, die seelische Widerstandskraft, eine gute Basis. Viele und schnelle Veränderungen führen zu Unsicherheit. Was ist noch stabil? Was hat noch Bestand? Worauf kann ich mich verlassen? Sie können von innen heraus für Stabilität sorgen, mehr dazu in meinen Blogbeiträgen zur Resilienz.

Eine stabile Persönlichkeit kann mit dem selbstorganisierten Lernen leichter zum Ziel kommen. Bei der Überlegung, welche Kompetenzen ein Lernender heute braucht, gewinnen die Sozialkompetenzen zunehmend an Bedeutung.

Mehr dazu im nächsten Beitrag. Da gehe ich auf die Kompetenzen, die Lernende heute brauchen, näher ein.

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Integriertes Lernen – Effektivität und Flexibilität durch neue Lernmethoden

Ein hervorragendes Beispiel für zukünftige Lernmethoden habe ich bei der Corporate Learning Alliance gefunden. Die RWE hat für ihre Elektriker und Automatisierungstechniker ein neues Bildungskonzept entwickelt. In diesem Konzept geht es um ein Blended-Learning Szenario – eine Lernform, bei der die Vorteile von Präsenztraining und E-Learning kombiniert werden – mit dem Ziel, für Problemsituationen, die selten eintreten, das entsprechende Wissen abrufbereit zu haben. Diese Situation – es kommt selten vor, soll aber funktionieren – kennen viele Mitarbeiter auch in anderen Unternehmen.

Der Altersdurchschnitt ist hoch, deswegen sind die Handwerker nicht automatisch alle fit, was den Umgang mit einem Tablet betrifft. Nicht alle verfügen über eine eigene dienstliche Mailadresse, so dass es am Anfang einige Hürden zu überwinden gilt, um die Voraussetzungen zu schaffen. All dies bewältigen die Lernenden im Laufe des Lerntrainings selbst. Auch die Vorgesetzten sind involviert, denn diese müssen in einer kurzen Videobotschaft erklären, warum der Mitarbeiter an diesem Lernkurs teilnehmen soll. Der Mitarbeiter sieht diese Botschaft seines Vorgesetzten ebenfalls.

Fachübergreifend lernen

Die teilnehmenden Handwerker werden während des Lernseminars gleich zu Anfang insofern gefordert, dass sie Fachfragen erhalten, die sie nicht selbst beantworten können. Sie suchen sich Kollegen im Betrieb, die ihnen die Fragen beantworten können. Diese Lernmethode bildet eine gute Basis, um in kritischen Situationen schnell zu wissen, welche Kollegen weiterhelfen können. Die Vorbereitungsphase des Lerntrainings mit verschiedenen Aufgaben erfolgt über einen Zeitraum von 4 Wochen online.

Ist diese Vorbereitung erfolgreich absolviert, geht es zum Präsenztraining von 4 Tagen. Hier tun sich jeweils 2 Teilnehmer zu einem Lerntandem zusammen, um ihre Erkenntnisse in einem Wiki zu dokumentieren. Danach folgt die Transferphase des Lerntrainings, auch diese geht über 4 Wochen.

Ein Lerntraining in dem Handlungs-Kompetenz bewiesen werden muss!

Das eigentlich Spannende kommt jetzt: Jeder Teilnehmer hat sich vor dem Lerntraining einen Mentor gesucht. Dieser muss nach dem gesamten Lernseminar bestätigen, dass das Gelernte auch angewendet werden kann. Dass aus Wissen Können geworden ist. Erst dann erhält der Teilnehmer sein Zertifikat für die erfolgreiche Absolvierung des Lernseminars.

Dieser Transfergedanke ist so einfach wie genial, weil er so sinnvoll ist. Ausserdem stärkt er die Lernmotivation und den Lernerfolg der Teilnehmer. Ein Riesenunterschied zu dem, was häufig nach Seminaren passiert, nicht passiert und versandet.
Ein spannender Impuls, den ich gerne als Inspiration für meine Lernseminare nutze. Sei es in meinen Seminaren für selbstgesteuertes Lernen im Beruf oder auch in meinen Lernseminaren für Weiterbilder.

Zwei bemerkenswerte Faktoren: Dauer und Erfolgsbestätigung

Dieses Weiterbildungskonzept lässt sich gut auf andere Bereiche übertragen. Ich höre es so oft: wie erinnere ich mich an Vorgänge, die selten vorkommen, bei denen das Wissen aber schnell parat sein muss?

Hier, beim Konzept von RWE, wird durch die Dauer des Lerntrainings eine so gute Vernetzung im Langzeitgedächtnis angelegt, dass die Vorgänge bei Bedarf viel schneller und sicherer abgerufen werden können. Sicher, es braucht mehr Zeit. Aber wenn eine kritische Situation eintritt, kann das Gelernte schneller abgerufen werden. Das spart Nerven, Zeit und eine Menge Geld.

Das Konzept von Ralf Jauck, dem Initiator, wird von ihm selbst in diesem Video-Beitrag über Integriertes Lernen erklärt.